Deutschland: Die Inflation wird sich in den kommenden Monaten noch beschleunigen

In den Nachrichtensendungen sowie der Presse werden in der Regel nur die Ergebnisse des Verbraucherpreisindex berichtet. Der lag im April 2011 nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes bei 2,4% (Jahresrate). Das ist zwar schon deutlich Über dem 2%-Ziel der EZB, aber immerhin noch vergleichsweise nicht allzu weit davon entfernt. Was dagegen

498881_R_B_by_Gerd Altmann_pixelio.de.jpgIn den Nachrichtensendungen sowie der Presse werden in der Regel nur die Ergebnisse des Verbraucherpreisindex berichtet. Der lag im April 2011 nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes bei 2,4% (Jahresrate). Das ist zwar schon deutlich Über dem 2%-Ziel der EZB, aber immerhin noch vergleichsweise nicht allzu weit davon entfernt. Was dagegen weniger Beachtung in den Medien findet sind die anderen Preisindizes, insbesondere diejenige der Erzeugerpreise und der Großhandelsverkaufspreise. Diese sind jedoch vergleichsweise innerhalb der letzten Monate wesentlich rascher nach oben geschossen.

Beim Großhandelspreisindex fÜr den Monat April lag er bei satten 9,2%. Zuvor war er sogar im März zweistellig mit 10,9% gestiegen. Der Anstieg der Erzeugerpreise lag ebenfalls im März 2011 bei 6,2%. Mithin – wenn man unterstellt, dass sich diese Preisentwicklungen durch eine teilweise PreisÜberwälzung am Ende bei dem Otto-Normalverbraucher bemerkbar machen werden, dann ist ein erheblicher Preisdruck fÜr die kommenden Monate auch fÜr den Verbraucherpreisindex allein aufgrund der zeitlichen Verzögerung bei der Preisanpassung zu erwarten.

Inflationsbeschleunigung wird sich fortsetzen

Ein wesentlicher Inflationstreiber sind sicherlich der drastische Anstieg der Energie- und Rohstoffpreise sowie bei Lebensmitteln. Da Rohstoffe und Energie wie Öl und Erdgas im Wesentlichen importiert werden mÜssen, liegt der Importpreisindex sogar mit 11,3% fÜr den Monat März noch Über dem der anderen Preisindizes, d.h. ein wesentlicher Inflationsimpuls kommt aus dem Ausland.

Das hat sich nicht zuletzt auch in den Heizöl und Benzinpreisen niedergeschlagen. Heute habe ich an einer freien Tankstelle in Berlin 1,61€ fÜr den Liter Superbenzing (nicht E10) zahlen mÜssen. Dieser Preis liegt sogar Über demjenigen als der Rohölpreis bei etwa 150 US Dollar im Jahr 2008 lag. Derzeit liegt der Rohölpreis nur bei knapp Zweidritteln, d.h. knapp unter 100 US Dollar. Mithin stellt sich natÜrlich die berechtigte Frage, wieso die Preise jetzt bei Benzin sogar Über denjenigen des Jahres 2008 liegen. Sollte hier nicht doch die Marktmacht der Ölkonzerne ein wesentlicher  Faktor sein? Fließt aufgrund der hohen Steuern auf Benzin dem Fiskus nicht auch darÜber ein warmer Geldregen in die Steuerkasse?

Hinzu kommt, dass eine höhere Inflation auch höhere Steuereinnahmen des Staates zur Folge hat. Mithin könnte in dem schönen Ausblick von zusätzlichen 135 Mrd. Euro bis zum Jahr 2014 in der Staatskasse auch implizit eine deutliche Beschleunigung der Inflationsrate fÜr den Geldsegen beim Fiskus sorgen. Zusammen mit der unbestritten derzeit unverhofft guten Konjunkturentwicklung auch in diesem Jahr – zumindest lief das erste Quartal hervorragend – sprudelt die Steuerquelle besonders reichlich.

Allerdings könnte dies zu unerwarteten Zweitrundeneffekten (sprich einer Preis-Lohnspirale) bei der Inflationsentwicklung fÜhren. Letztendlich findet ja bei der Einkommensentwicklung der Arbeitsnehmer in Deutschland eine kumulative eine Divergenz statt. Während die ExportgÜterindustrie aufgrund einer Gewinnexplosion ihre Mitarbeiter an den Erlösen der Unternehmen durch Sonderzahlungen beteiligt (1,6 Monatsgehälter bei BMW), fällt beispielsweise der öffentliche Dienst immer weiter hinter dieser Lohn- und Gehaltsentwicklung zurÜck.

Ob sich diese Lohn- und Gehaltspolitik der Tarifparteien auf Dauer durchhalten lässt darf bezweifelt werden. Mithin könnte es auch hier demnächst einige böse Überraschungen geben. Da dÜrften auch Steuergeschenke im Wahljahr 2013 möglicherweise zu spät kommen.

Trabt erst mal die Inflation, dann ist sie so leicht nicht zu stoppen. Dabei sind die Verhältnisse in Deutschland noch vergleichsweise moderat. In anderen Ländern der Eurozone und der EU, aber auch in den USA (eine Jahresrate von 3,2% im April 2011) oder China (eine Jahresrate von 5,3% im April 2011) hat die Inflationsentwicklung bereits ganz andere Ausmaße angenommen. Da es einen nachweisbaren langfristigen Inflationszusammenhang zwischen der globalen Inflationsrate und den nationalen Inflationsraten einzelner Länder gibt, ist das alles ein deutliches Warnzeichen fÜr eine zunehmende Inflationsbeschleunigung auch in Deutschland. Wir werden auch in Deutschland am Ende nicht auf der Insel der Seligen leben.

Photo: Gerd Altmann, via pixelio.de

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