Mein Hobby sind Filme und Kino und ich gehe gerne ins Kino. Meiner Meinung nach kenne ich mich gut aus, aber ich bin kein professioneller Filmkritiker. Wenn Sie heute oder am nächsten Wochenende ins Kino gehen möchten und im Multiplexer vor den Anzeigetafeln stehen, möchten Sie vielleicht wissen, was Sie hier und da erwartet – aus meiner ganz subjektiven Meinung. FÜr die Filme vergebe ich Schulnoten von 1 (sehr gut) bis 6 (zum Davonlaufen).
von Francis Lawrence, USA
Obdachloser Student kommt während der Weltwirtschaftskrise in den 30ern als Tierarzt bei einem Zirkus unter, verliebt sich in die Gattin des Zirkusbetreibers und Hauptattraktion, legt sich mit dem Zirkusbetreiber an und rettet schließlich Mensch und Tier vor dem charismatischen wie sadistischen Zirkusbetreiber und Happy-end. Damit ist die Geschichte in einem langen Satz erzählt.
Fangen wir mit den positiven Punkten an. Die Bildgestaltung, die Ausstattung und die KostÜme sind erstklassig, der Alltag im Zirkusbetrieb zwischen Heimatlosigkeit, Schufterei bis zum Geht-nicht-mehr und Hunger wird fesselnd geschildert. Schauspielerisch beeindruckt immerhin der gebÜrtige Österreicher Christoph Waltz (Oscar fÜr Quentin Tarantinos INGLOURIOUS BASTERDS), allerdings ist festzustellen, dass er hier wie der kleine Bruder des Oscar-preisgekrönten SS-Offiziers in INGLOURIOUS BASTERDS wirkt; bei kommenden Hollywood-Rollen sollte er unbedingt darauf achten, dass er nicht ständig als genial-sadistisch-charismatischer Psychopath besetzt und inszeniert wird, sonst nutzt sich das sehr schnell ab. Ansonsten sehen wir in den Hauptrollen Schmusevampir Robert Pattinson und Resee Witherspoon, immerhin auch Oscar-Preisträgerin. Robert Pattinson ist nicht nur von seinem Rollenspektrum sondern auch in seinem schauspielerischen Spektrum ein Untoter. Er spielt wie eine Puppe aus dem Wachsfigurenkabinett und ist in jeder Szene und in jeder Einstellung und in jeder Bewegung eine absolute Fehlbesetzung. Seine weiblichen Fans im Teenageralter – auch hier im Kino – sehen das natÜrlich ganz anders und sehen ihn immerhin mal beim Ausmisten vom Pferdestall. Überhaupt – eine große Schwäche des Films – scheinen die Schauspieler nicht miteinander, sondern aneinander vorbei zu spielen. So werden zwei von drei Hauptdarstellern von den Zirkustieren mÜhelos an die Wand gespielt. Es tauchen noch einige interessante und auch recht gut gespielte Nebenfiguren auf.
Die Geschichte ist bis auf die gelungenen Zirkuszenen als vorhersehbarer Romantikstandard inszeniert und einfach nur uninteressant.
Leider nur Note 4-
2.) THOR 3DÂ
von Kenneth Branagh, USA
Auch bei dieser Comicverfilmung ist die Geschichte in einem langen Satz erzählt. Göttersohn Thor widersetzt sich seinem Vater, benimmt sich auch sonst sehr daneben, wird von Göttervater Zeus – nein, Verzeihung – Odin auf die Erde verbannt, wird dort von einer jungen Forscherin und ihrem Team adoptiert und muss die Welt schließlich von seinem größenwahnsinnigen Stiefbruder (eigentlich ein Findelkind aus einem verfeindeten Eiszombie-Stamm) und dessen Feuer spuckenden Blechgiganten retten.
Nach Ankunft auf der Erde gibt es die Üblichen Kulturunterschiede zwischen im weiteren Sinne Außerirdischen und Einheimischen, bei denen wirklich gar nichts neu ist. Zwei mal wird Göttersohn Thor am kurz nach Eintreffen in der sÜdlichen US-WÜste mit primitiven irdischen Waffen wie einer Elektroschockpistole und einer Beruhigungsspritze niedergestreckt. Da blitzt dann jeweils fÜr wenige Sekunden etwas Ironie auf. Ansonsten nimmt sich der aus der nordischen Mythenwelt zusammen geklaute Comicfilm so erstaunlich ernst, dass es manchmal schon lästig bis unfreiwillig komisch ist. Hier hätte Film- und Theaterstar und Shakespeare-Veteran Kenneth Branagh als Regisseur Einiges verbessern können.
Zu den Schauspielern/innen: Thor wird von einem austauschbaren muskelbepackten australischen Bodybuilder und/oder Berufsringer mit dem Charisma eines Fahrkartenautomaten gespielt. Göttervater Odin wird von Altstar Anthony Hopkins gespielt, der immerhin vor 20 Jahren einen Oscar fÜr SCHWEIGEN DER LÄMMER erhielt, die göttliche Vaterfigur auf Autopilot spielt und so wirkt, als ob er die Miete damit bezahlen muss. Die junge Forscherin, wird von Natalie Portman alias Mutter Skywalker aus STAR WARS I – III gespielt, die in ihrer Rolle unkoordiniert und leicht hysterisch wirkt. Sie bekam erst nach diesem Machwerk dieses Jahr den Oscar fÜr BLACK SWAN und wird hoffentlich in Zukunft sorgfältiger auf ihre Rollen achten. Dann haben wir noch im Forscherteam den Hollywood-Schweden Stellan Skarsgard und in Thors Freundeskreis so einen Asiaten, der meistens orientierunslos herum steht. Wie kommt ein Asiate in den nordischen Olymp? Ist das etwa Tadanobu Asano? Ab der Hälfte des Films interessiert mich eigentlich nichts mehr richtig, da ich auf den Abspann warte und wissen will, ob das Tadanobu Asano ist. Ja, es ist Tadanobu_Asano, einer der bekanntesten und vielseitigsten Darsteller Japans, der hier in dieser Nebenrolle trotz seiner Vielseitigkeit und seines Talents hilflos und allein gelassen wirkt. Eine Woche davor sah ich ihn noch beim japanischen Filmfestival in einer herausragenden Rolle.
Das komplett computeranimierte nordische Götterparadies Smörebröd (oder wie es auch immer heißt) sieht aus wie eine Grafik aus den zahlreichen Fantasiekalendern- und Bildbänden. DafÜr hätten wir kein 3D gebraucht, bei dem die Kinokarte mindestens die Hälfte mehr kostet. FÜr die paar Blitze, Explosionen und WirbelstÜrme hätten wir ebenfalls nur zwei Dimensionen auf der Leinwand gebraucht und die Handlung und Geschichte ist ja sowieso eindimensional.
Spart Euch das Geld.
Note = 5
Photo: sugu, via flickr
Das ist aber ein schöner Service. Die kritische Beurteilung des Thor-Schinkens kann ich nur bestätigen.