INDECT war gestern – The Great Firewall und was uns sonst noch so blÜht. (Vorratsdatenspeicherung 2.0 – Themenspezial Überwachung)

Stell dir vor es ist Feiertag und keiner feiert. Es war mal wieder der World Telecommunication and Information Society Day: An diesem Tag geht es um Chancen und Herausforderungen, die uns die neuen Techniken bringen. Von vielen verteufelt und von einigen vergöttert. Irgendwo dazwischen findet sich dann die netzpolitische Realität.

ehebe.jpgStell dir vor es ist Feiertag und keiner feiert. Es war mal wieder der World Telecommunication and Information Society Day: An diesem Tag geht es um Chancen und Herausforderungen, die uns die neuen Techniken bringen. Von vielen verteufelt und von einigen vergöttert. Irgendwo dazwischen findet sich dann die netzpolitische Realität. Aus diesem Anlass schauen wir uns doch mal an, was die Gesellschaft bis dato so zu bieten hat und wo die Reise hingehen könnte.

Obwohl es in Österreich schon wieder ganz arg nationalistisch zugeht, gibt es doch noch ein paar intellektuelle Leuchtfeuer. Eines davon ist beim ORF und beleuchtet sehr anschaulich den Trend zur Überwachungsstaat: Erich Moechel den ich hier schon öfters zitierte, schreibt in seinem letzten Artikel darÜber, dass die EU gerne eine (Zensur) Firewall, ähnlich der chinesischen, fÜr Schengenland haben möchte. Diese Zensur wÜrde unter anderem auch Wortfilter bereitstellen. In China macht sich jeder sofort verdächtig der “Jasmin” via Blog, SMS oder andere Digitale Medien verbreitet. Doof nur, dass davon auch Anbieter von Jasmin Tee und ähnlich lautenden Waren damit auf die zu zensierende Liste kamen. Es wäre aber keine Brandmauer, wenn diese nicht auch vor unbequemen Meinungen aus dem “Ausland” oder Beiträgen von kritischen Menschen allgemein “beschÜtzen” wÜrde. Und was gerade in China von der hiesigen kooperativen Medienmaschine als Dissident oder Regimekritiker hochgejubelt wird, gilt hierzulande als Nestbeschmutzer oder wird als politisch unkorrekt diffamiert und jetzt schon mannigfaltig unterdrÜckt. Herr Moechel schreibt am Ende seines Beitrages davon, dass die EU ganz offen die Umsetzung einer “Hidden Agenda” voran treibt. Dies wäre einer näheren Betrachtung wÜrdig.

Wir sind nicht die Konsumenten von Social Media – wir sind das Produkt

In den einzelnen EU-Ländern, explizit in Deutschland und ich zähle aus Trotz die TÜrkei schon lange zur EU, gibt es schon länger (Probe?!) Einsätze fÜr solche Überwachungswerkzeuge, wie beispielsweise die Drohnen, die bei dem Naziaufmarsch im Februar in Dresden eingesetzt wurden. Es ging dabei aber nicht darum, die Nazis, die ungestört ein Alternatives Jugendzentrum angreifen konnten, zu identifizieren, sondern die Nazi-Gegner wurden mit den Drohnen unter generellen Verdacht gestellt und beobachtet. In der Wirtschaft gibt es Unternehmen wie die Revolvermänner (sic!). Diese betreiben sogenanntes Reputationsmanagement. Via Twitter wollten diese Kriminellen auch mir folgen. Zum GlÜck kann man bei diesem Twitter-Dienst noch entscheiden wer einem folgt. NatÜrlich können die das unter falscher Flagge jederzeit wiederholen. So etwas scheint ja auch eine ihrer “Spezialitäten” zu sein. Und ihre Webseite zeigt auch auf, dass die auch ganz gerne mit dem TV zusammenarbeiten. ZDF und die Milchmädchen BWL-Sendung “WISO” werben beispielsweise auf der Revolvermänner Webseite. Gerade jetzt zu Fukushima-Zeiten muss doch die Atomlobby solchen “Firmen” die TÜren einrennen. Oder, was wahrscheinlicher ist, die haben schon ihre eigenen Revolvermänner, wie die werten Leser der Readers Edition ja schon selber feststellen konnten. Wenn also 1 “schlechte Nachricht” Über ihr Unternehmen im Netz erscheint schießen die Revolvermänner gleich mal zehn “gute Nachrichten” hinterher und pushen die auch ordentlich, damit das in Suchmaschinen oder Sozialen Netzwerken das Negative einfach Überdeckt. Warum sollte ein Staat auf diese Möglichkeiten verzichten?

Nach dem Sturm auf die ägyptische Geheimdienstzentrale SS (Security Service) veröffentlichten die Demonstranten Unterlagen, die belegen, dass deutsche Firmen die passende Software dafÜr schon längere Zeit weltweit anbieten. Ich frage mich wo (und wie) die Beta- oder Usabillty-Tests fÜr diese Software gelaufen sind. Ein schönes Gedankenexperiment hierzu ist mal wieder zu später Stunde Über den Sender gelaufen. Am prägnantesten finde ich das Statement: “Wir sind nicht die Konsumenten von Social Media – wir sind das Produkt!”Schauen Sie doch selber mal in die Mediathek: Alice 5.0 Das kleine Fernsehspiel vom ZDF.

Auswärtsspiel

in England wird nun die “perfekte” Software zur Überwachung der Bevölkerung eingesetzt. In dem Land, in dem der Roman “1984″ entstand wird auch am konsequentesten an seiner Umsetzung gearbeitet. Eine Kollegin hat in ihrem Blog eine sehr schöne Reisebeschreibung nach London gemacht. Dem ist nichts hinzu zu fÜgen.

Auf dem letzten Linux Tag in Berlin hatte ich auch wieder die Gelegenheit mit dem Menschen vom BSI zu kommunizieren. Leider sind das immer noch viel zu viel Beamte statt Techniker oder gar Branchenfachleute. Und just als Bestätigung schreibt die Ärztekammer, dass die vom BSI geforderten Sicherheitsmaßnahmen eine Farce! sind. Auf den Staat sollte Mensch sich also auf keinem Fall verlassen. Deswegen ist so jemand wie Herr Weichert auch eher eine Gefahr statt einer Hilfe. Hier wird nur nach immer mehr Staat und Regulation gerufen. Aber zu INDECT gibt es hier noch eine Menge mehr und Interessantes zu berichten. Später, im Juni in oder aus Krakau. Bis dahin sollten Sie immer schön die Quelle jeder Nachricht prÜfen. Es wirkt nämlich sehr unglaubwÜrdig, wenn jemand gegen die Datensammelwut einen Blog bei wordpress.com (*.com steht fÜr kommerziell) betreibt. Denn diese Firma verdient ihr Geld nur Über das Ausspionieren der Blog-Schreiber und -leser.

Aber zurÜck in die EU. In der TÜrkei gehen die Menschen wegen der Websperre genannten Zensur nun auch schon auf die Straße. Im Jahr 2007 haben wir das in Deutschland auch recht erfolgreich zustande bekommen. Leider hat das Interesse daran in den folgenden Jahren aber rapide abgenommen. Hoffentlich konnten wir in der Zwischenzeit wenigsten die Menschen ein wenig mehr dafÜr sensibilisieren. Vielleicht braucht es aber noch einen kleinen Datenskandal, um die Motivation zur Teilnahme an der AKVDS Demo 2011 etwas zu fördern. Ich bin gespannt wie viele in diesem Jahr kommen.

BlÜhende Techniken, verdurstende Menschen

Trotz unermÜdlicher Warner wie mir sind viele Unternehmen nicht dazu bereit das Geld, das Sie fÜr unnÜtze “Sicherheitstechniken” ausgeben, lieber in die Menschen, die diese Systeme benutzen mÜssen, zu investieren. Die EinfÜhrung der eGesundheitskarte und des ePerso oder der Flop “DE-Mail” zeigen doch die Probleme ganz klar auf. Medien- oder (Arbeits) System- Kompetenz ist nun mal dringend notwendig. Ich war vor kurzem stationär im Krankenhaus. Das ist eine Fundgrube fÜr Social und anderweitiges “hacking”. Beispielsweise sind auf den Stationen teilweise keine Bildschirmschoner mit Passwortschutz. Und wenn, dann ist es ein leichtes diesen zu umgehen. (Anmerkung: Der Link zeigt auf eine veralteten Tipp von Win98) An der Maus wackeln, einen USB Stick anschließen und Bildschirmfotos machen. Nicht mehr als 5min! Bei dem Personalmangel und Stress in den Krankenhäusern kein Problem.

INDECT & Co. Sind in unterschiedlichsten Formen also weltweit schon präsent. Wenn man nun mit dem INDECT genannten Projekt eine Harmonisierung der Datenbestände sowie eine bessere Auswertung erforscht kann man getrost davon ausgehen das genÜgend Daten vorhanden sind. Wie Herr Moechel auf einem Vortrag so schön sagte, sind in England so viele Kameras installiert, die so viele Daten erzeugen, dass nicht genÜgend Mitarbeiter vorhanden sind um die Daten auszuwerten. Genau das macht INDECT. Und ob es sich nun um die Anzeige eines Plagiat einer Doktorarbeit oder der Bericht Über Hungeraufstände handelt, man weiß wer etwas wann und wo in das Netz eingestellt hat. Daraufhin orte ich den Standpunkt und die IP Adresse und es herrscht wieder Ruhe im “Vaterland”. Bis dahin hält man die Menschen mittels Steuererhöhung, LohnkÜrzung, Drohungen und Sanktionen (Harz4) anderweitig auf Trab. Es bedarf also meiner Meinung nach gar keine “Hidden Agenda”. Hier beerdigt sich gerade eine Gesellschaft von ganz alleine.

Photo: Kevglobal, via flickr

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