China versucht seine US-Dollar Währungsreserven zu diversifizieren. Eine der Alterativen ist der Erwerb von Gold. Im ersten Quartal dieses Jahres wurden bereits 93,5 Tonnen Barren und MÜnzen des Edelmetalls gekauft. Trotz eine Explosion des Goldpreises seit Ausbruch der globalen Finanzkrise – es wird bereits mit einem Goldpreis von 1.600,- Dollar je Feinunze gerechnet – flÜchten immer mehr Anleger in Gold oder Goldzertifikate. Damit dÜrfte der Goldpreis sogar die Höchststände zu Beginn der 1980er Jahre Übertreffen. Preisbereinigt liegt er bereits jetzt Über diesen Höchstständen.
Nimmt man dies als möglichen Leading-indicator fÜr ein Inflationspotential der Weltwirtschaft, dann könnte im Zuge einer Dollarkrise es zu einem dramatischen Anstieg der Inflation weltweit kommen. Auch Indien lebt im Goldrausch. Die Diskussion Über eine RÜckkehr zum Goldstandard nimmt auch in den USA an Tempo auf. In dem Maße wie die Regierung weltweit ihre Währungen durch hohe Staatsverschuldungen untergraben, wächst das Misstrauen in die staatlichen Währungssysteme. Dabei sind die statistisch ausgewiesenen Staatsschulden nur die Spitze des Eisbergs an ungedeckten Zahlungsversprechungen. Hinzu kommt, dass dies auch fÜr breite Teile des privaten Sektors zutrifft. Zunehmend bevölkern Zombiebanken, -Unternehmen und -Verbraucher den Markt. Mithin – wegen einer FÜlle von Bilanzierungstechniken zur Verschleierung von Defizitpositionen – entsteht ein Gewirr von Forderungen und Verbindlichkeiten, die in der vorliegenden Form nicht einbringbar sind. Es geht uns wie in Lewis Carolls – Alice hinter Spiegeln – wir verlieren in diesen virtuellen Zahlensystemen den Überblick, weil das Kreditausfallsrisiko unberechenbar geworden ist.
Die Eurokrise ist nur eine NebenbÜhne in einem Weltdrama
Die Eurokrise ist dabei nur ein aktueller Reflex auf die Zweifel, dass die staatlichen Währungen ohne einen realen Wertanker aufgrund zunehmender inflationärer Geldschöpfung und Bilanzierungstricks die Wertaufbewahrungsfunktion nachhaltig erfÜllen. Deutschland ist aufgrund seiner Erfahrung aus der Hyperinflation in den 1920er Jahren besonders sensibilisiert. Aber auch in anderen Ländern der Welt sind Hyperinflationen als Ultima Ratio zur Staatsentschuldung systemtisch eingesetzt worden. Dabei ist diese Entwicklung insbesondere seit Mitte der 1980er Jahre feststellbar. Das ist eigentlich Überraschend, weil in den westlichen Industrieländern dies eine Phase relativer Preisstabilität war. Aber die Problematik sich kumulativ steigender Staatsverschuldungen hat sich seither gerade dort kumulativ aufgebaut. Da durch die damit verbundenen Zinszahlungen die Handlungsfähigkeit der Regierungen immer stärker eingeschränkt wird, sehen sie sich gezwungen zur Finanzierung oftmals nur der laufenden Zinszahlung – von Schuldenabbau redet derzeit keiner mehr – die Staatsausgaben zu kÜrzen. Damit sind sowohl die Einkommen der Staatsbediensteten und die Leistungen des Sozialstaats besonders betroffen. Das Transfersystem, das zum Ausgleich und Sicherung des sozialen Friedens zwischen denjenigen die am Markt hohe Gewinne und damit Einkommen erzielen und denjenigen, die aufgrund ihrer Ohnmacht immer stärker in den Strudel wachsender Armut sinken, funktioniert nicht mehr. Die Habenichtse können immer weniger auf einen Sozialstaat hoffen, der ihnen in ihren Nöten beisteht. Da die Gewerkschaften auch einen dramatischen Machtverlust in den zurÜckliegenden Jahrzehnten hinnehmen mussten, tendiert die von der Globalisierung getriebene Weltwirtschaft zu einer sozialen Krise bisher ungekannten Ausmaßes. In den muslimischen Ländern zeigt sich dies durch den sogenannten arabischen FrÜhling. Die soziale Misere aus Arbeitslosigkeit, wachsender Armut und Perspektivlosigkeit der breiten Massen treibt diese auf die Straße.
Ein globaler Flächenbrand?
Aber der Funke springt bereits nach Europa Über – siehe Griechenland oder Spanien – sowie in andere Teile der Welt. Auch China fÜhlt zunehmend die inneren sozialen Spannungen und versucht verzweifelt dagegen umzusteuern. Durch die massive Ausweitung des sozialen Wohnungsbau, durch Anhebungen der Mindestlöhne, Preiskontrollen auf Lebensmittel, etc. versucht man sozialen Unruhen vorzubeugen. Ob dies ausreicht, hängt entscheidend von der Geschwindigkeit der erfolgreichen Umsetzung ab. Bisher sind nur in Ansätzen diese Korrekturen erkennbar, ob sie der zunehmenden Ungleichheit in China engere Grenzen setzen können, darf jedoch bezweifelt werden. Dies gilt nicht nur fÜr China in Asien. Die Ungleichheit dort wird fast Überall größer. Die Reichen werden dort wie auch in Europa oder den USA immer reicher, die Armen bleiben zurÜck oder werden sogar ärmer. Dies dÜrfte zukÜnftig eine gewaltige Sprengkraft darstellen, wenn die globale Kreditblase platzt. Eine an sozialer Gerechtigkeit orientierte Politik ist derzeit kaum auszumachen. Wie heißt es so schön bei Lewis Caroll?
Humpty Dumpty sat on a wall,
Humpty Dumpty had a great fall,
All the King’s horses and all the King’s men,
Couldn’t put Humpty together again.
Der Goldrausch könnte sich dann als Fluch des Midas erweisen. Alles verwandelte sich unter seinen Händen zu Gold, so dass er am Ende elendiglich verhungerte.
Photo: covilha, via flickr
In Spanien protestiert die Jugend gegen die schlechte wirtschaftliche Lage. Über 45% finden derzeit keine oder kaum Arbeit.
http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,763949,00.html