Globale Jugendarbeitslosigkeit: Eine Entwicklung mit nachhaltig gewaltiger Sprengkraft

In Deutschland verläuft die Entwicklung umgekehrt zum globalen Trend. Hier liegt traditionell die Jugendarbeitslosigkeit unter der der Gesamtbeschäftigten. Aufgrund der niedrigen Geburtenrate und steigender Lebenserwartung schrumpft die Erwerbsbevölkerung insbesondere bei den jungen Erwerbsfähigen. In Europa, mit wenigen Ausnahmen um uns herum, sieht die Lage bereits deutlich schlechter aus. Die durch

498602_R_B_by_Gerd Altmann_AllSilhouettes.com_pixelio.de.jpgIn Deutschland verläuft die Entwicklung umgekehrt zum globalen Trend. Hier liegt traditionell die Jugendarbeitslosigkeit unter der der Gesamtbeschäftigten. Aufgrund der niedrigen Geburtenrate und steigender Lebenserwartung schrumpft die Erwerbsbevölkerung insbesondere bei den jungen Erwerbsfähigen. In Europa, mit wenigen Ausnahmen um uns herum, sieht die Lage bereits deutlich schlechter aus. Die durch die globale Wirtschafts- und Finanzkrise ausgelösten Rezessionen oder auch nur Wachstumsschwäche hat insbesondere die Zahl der jugendlichen Arbeitslosen (Altersgruppe zwischen 15 und 25 Jahren) dramatisch nach oben schnellen lassen. Während in Deutschland die allgemeine Arbeitslosenquote bereits auf 6,3% im Februar 2011 gefallen ist, steigt sie in den Krisenländern der Eurozone besonders dramatisch an. Im EU-Durchschnitt liegt sie Über 20% der im erwerbsfähigen Alter befindlichen Jugendlichen. Spanien fÜhrt die negative Hitliste mit einer Jugendarbeitslosigkeit von Über 45% derzeit in Europa an. Damit liegt man sogar im weltweiten Vergleich an der Spitze. Es muss sich daher niemanden wundern, wenn es jetzt insbesondere dort zu massiven sozialen Unruhen kommt.

Die demographische Zeitbombe

Aber auch in der muslimischen Welt fÜhrt die Kombination aus einem ungezÜgelten Bevölkerungswachstum und unzureichender wirtschaftlicher Entwicklung zur derzeitigen Krise. Es ist insbesondere auch der dramatische Anstieg der Jugendarbeitslosigkeit, die die Menschen auf die Straße treibt. Die Menschen dort sind jung, arbeitslos und damit wÜtend auf ihre Regierungen, die ihnen keine Lebensperspektive bietet. Mithin ist diese Krise keine echte Überraschung. Schon Samuel Huntington hatte der Bevölkerungsexplosion in der islamischen Welt ein spezielles Kapitel in seinem Buch, Clash of Civilisation gewidmet. Schließlich konnte man ja bereits ein bis zwei Dekaden vorher voraussehen, dass die neu geborenen Kinder dieser Länder irgendwann auch einmal ihren Lebensunterhalt verdienen mÜssten. Dort wo daher das Bevölkerungswachstum bereits ein bis zwei Dekaden zurÜck besonders hoch war, entsteht jetzt ein gewaltiger Druck auf die lokalen Arbeitsmärkte. Schwarzafrika ist noch stärker von diesen Problemen betroffen. Dort hat allerdings die Aids-Epidemie besonders massiv die jÜngere Generation gelichtet ohne den Trend  grundsätzlich stoppen zu können.

Wenn daher die Heimatländer hinsichtlich dieser Problematik versagen, kommt es zu massiven Migrationsbewegungen. Die jungen und mobilen Arbeitskräfte versuchen anderswo Arbeit zu finden. Unzureichende Beschäftigungsmöglichkeiten in Ländern mit hohem Bevölkerungswachstum fÜhren zu hohen Migrationsbewegungen in Länder mit besseren Beschäftigungsmöglichkeiten. Die globale Wirtschafts- und Finanzkrise beschleunigt diese Entwicklung noch zusätzlich. Hohe lokale Massenarbeitslosigkeit junger Erwerbsfähiger macht diese mobil. Wir können dies im Fernsehen Tag fÜr Tag durch die Boatpeople im Mittelmeer beobachten. Da die Überwiegende Zahl der Migranten bereits keine gute Schulbildung in ihren Heimatländern genossen haben, mÜssen sie ganz unten in den Ländern nach Arbeit suchen und treten damit in unmittelbare Konkurrenz zu den dort bereits vorhandenen sozial schwachen in diesen Ländern und lösen dort rassistische Emotionen gegen diese Zuwanderer aus. Man schaue nur beispielsweise nach Griechenland.

Auch in China und zahlreichen asiatischen Ländern drängen wachsende Kohorten junger oftmals auch hochqualifizierter Arbeitskräfte auf einen Arbeitsmarkt mit beschränkter Absorptionskapazität. Ebenso ist es derzeit ein großes Problem in den USA.[1]

Schwarz-gelbe Arbeitsmarktpolitik ist absurd

Man erinnere sich daher an den Versuch der jetzigen Bundesregierung, die Zuwanderung von ausländischen Fachkräften wegen drohendem Arbeitskräftemangel in Deutschland auszuweiten. Bei einer freien Mobilität von Arbeitskräften innerhalb der EU, einer Niederlassungsfreiheit auch von Menschen aus Mitgliedsländern der EU aus Osteuropa seit Mai diesen Jahres, wollte jetzt schnell noch der Arbeitsmarkt fÜr qualifizierte Arbeitskräfte aus der Übrigen Welt geöffnet werden. Absurder geht’s nicht. McKinsey sorgte sich, dass in Deutschland Vollbeschäftigung eintreten könnte. Perverser geht’s nicht. Das Ziel einer Vollbeschäftigung der arbeitsfähigen Bevölkerung wird als große Bedrohung angesehen. Dabei suchen Millionen junger gut ausgebildeter Europäer bereits jetzt ein Job und sind auch bereit dafÜr nach Deutschland zu ziehen. Nachdem die Kampagne aufgrund fehlender empirischer Grundlage zusammen gebrochen ist, soll jetzt erneut das Erwerbspersonenpotential durch Steigerung der Frauenerwerbsquote – diese werden ja immer noch durchschnittlich schlechter bezahlt als Männer – durch die Fortsetzung der Ausweitung der Lebensarbeitszeit einen Fachkräftemangel verhindern helfen. Mithin hat sich an der Arbeitsmarktpolitik der Bundesregierung wenig geändert. Vollbeschäftigung in Deutschland wird als Katastrophe des Arbeitsmarkts angesehen, da dies zu einer Lohn- und Gehaltsdrift nach oben fÜhrten könnte.

Damit wÜrde die internationale Wettbewerbsfähigkeit ruiniert, so befÜrchtet man. Dass dadurch die lang ersehnte Korrektur bei der Verteilungsgerechtigkeit zwischen Arbeits- und Kapitaleinkommen in Deutschland durch Marktkräfte – liebe Liberale – herbeigefÜhrt werden könnte, passt nicht in deren arbeitgeberfreundliche Weltsicht.

Dabei wäre eine solche Korrektur dringend erforderlich, da ansonsten die Altersvorsorge zahlreicher junger Erwerbstätiger, die ja mit der Senkung der gesetzlichen Rentenzahlungen erforderlich wird, gar nicht finanzierbar ist.

Warum ist ein deutscher Arbeitsmarkt bei Vollbeschäftigung und hohen Erwerbseinkommen ein Gespenst fÜr die deutsche Wirtschaftselite? Was ist daran schlecht, dass die Zahlungen fÜr Arbeitslose aus der gesetzlichen Arbeitslosigkeit dramatisch fallen, wenn diese Arbeit finden und damit die Lohnnebenkosten entlasten? Was ist daran schlecht, wenn Teilzeitbeschäftigte endlich die gewÜnschte Vollzeitbeschäftigung finden können? WÜrde durch einen Anstieg der Beiträge in der Renten- oder Krankenversicherungsbeiträge deren bei hoher Arbeitslosigkeit nicht einfacher zu sanieren sein und längere Lebensarbeitszeiten fÜr absehbare Zeit ÜberflÜssig? FÜrchtet man den Machtverlust? Hat man durch den Umbau unserer Gesellschaft in den letzten zwei Jahrzenten ein System geschaffen, dass zwar dem der USA immer mehr ähnelt und nicht so sehr dem Modell Deutschland auf das man einmal stolz war?  Vielleicht stehen wir ja jetzt vor einer Wende in dieser Entwicklung.
[1] This year, the share of young people who were employed in July was 48.9 percent,
the lowest July rate on record for the series, which began in 1948.http://www.bls.gov/news.release/youth.nr0.htm

Neuere Zahlen werden in den USA derzeit nicht veröffentlicht.

Photo: Gerd Altmann, via pixelio.de

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