Mein Hobby sind Filme und Kino und ich gehe gerne ins Kino. Meiner Meinung nach kenne ich mich gut aus, aber ich bin kein professioneller Filmkritiker. Wenn Sie heute oder am nächsten Wochenende ins Kino gehen möchten und im Multiplexer vor den Anzeigetafeln stehen, möchten Sie vielleicht wissen, was Sie hier und da erwartet – aus meiner ganz subjektiven Meinung. FÜr die Filme vergebe ich Schulnoten von 1 (sehr gut) bis 6 (zum Davonlaufen).
 1.) FLUCH DER KARIBIK 4 – FREMDE GEZEITEN
von Rob Marshal, USA
Der Piratenfilm war absolut tot, bis die Disney-Leute auf die Idee kamen, das Konzept ihres Piraten-VergnÜgungsparkes zu verfilmen und gegen viele Widerstände ein Schauspieler fÜr die Titelrolle durchgesetzt wurde, der nie ein Hollywoodstar sein wollte und kleine, kÜnstlerische Filme bevorzugt – so genanntes Arthouse-Kino. Johnny Depp schlug als Überkandidelter Möchtegern-Kapitän im Piratenmillieu voll ein. Der Film wurde dank gut gelaunter Darsteller und vieler origineller Ideen ein Riesenerfolg und eine Frischzellenkur fÜr den Abenteuerfilm. Zwei mehr oder weniger gelungene Fortsetzungen – oder besser formuliert: eine Fortsetzung in zwei Teilen mit einer starken ersten Hälfte und einer etwas möpselnden zweiten Hälfte – folgte(n).
Bei dem Erfolg musste ein neuer Fluch der Karibik her. Captain Jack Sparrow wird in London verhaftet, kann flÜchten, wird in einer Spelunke Zeuge, wie ein angeblicher Captain Jack Sparrow die Besatzung fÜr ein Schiff und eine Expedition zusammenstellt. Sein vermeintlicher Doppelgänger ist seine Ex (Penelope Cruz), welche auch noch die Tochter des berÜchtigten sadistischen Piraten Blackbeard (monströs-majestätisch: Ian McShane) ist. Parallel machen sich ein Schiff mit Blackbeard, der Tochter und Sparrow sowie ein weiteres Schiff mit dem guten alten Captain Hector Barbossa (im Auftrag der britischen Krone) und der spanischen Armada auf den Weg, die Quelle der Jugend sowie diverse Utensilien fÜr ein VerjÜngungsritual zu finden. Diese Handlung ähnelt in weiten Teilen dem ersten Film. Aber ob verfluchte GoldmÜnzen oder eine Truhe mit dem Herz des krakigen Gespenster-Kapitäns Davey Jones oder die Quelle der Jugend gesucht werden, ist gar nicht so wichtig. Hier ist der Weg das Ziel und dieser Weg ist immer noch amÜsant.
Aus den bisherigen Filmen sind außer Jack Sparrow nur noch sein alter Kumpan Gibbs (Kevin McNally) und Hector Barbossa (Goffrey Rush) Übrig. Der mutige Waffenschmied Will Turner (Orlando Bloom) wurde am Ende des dritten Teils tödlich verletzt und Nachfolger als Kapitän des Fliegenden Holländers. Gouverneurs-Tochter Elisabeth Swann (Keira Knightley) blieb nach dem Nachspann von Teil 3 als Mutter von Turner´s Sohn an der britischen SteilkÜste zurÜck und Keira Knightley hatte keine Lust mehr zu weiteren Piratenabenteuern. Die neue Frauenrolle Übernimmt daher die Spanierin Penelope Cruz mit Eleganz und Spielfreude. Captain Barbossa alias Geoffrey Rush – war eigentlich schon tot und wurde wieder belebt – tritt nun mit Holzbein auf, wirkt leider wie das fÜnfte Rad am Wagen – oder Übertragen wie der fÜnfte Mast auf dem Schiff – und ist daher eher ein schlechter Einfall; ihn hätte man ebenfalls entsorgen und gegen eine neue Figur austauschen sollen. Die Spanier kommen etwas zu kurz.
Wie es ausgeht, wird nicht verraten. Wer rein geht, sollte wie immer den gesamten Abspann abwarten. Wie in allen bisherigen Filmen folgt noch eine kleine Überraschung, die Aussicht auf weitere Filme gibt.
Note = 2
2.) WER IST HANNA?Â
von Joe Wright, USA / Deutschland
Ein verschneiter Wald im hohen Norden. Ein Eisbärbaby räkelt sich am Seeufer. Ein Mädchen schießt mit Pfeil und Bogen auf eine Elch, trifft nicht richtig und der Elch ist nicht sofort tot. Bisher könnte dies ein Abenteuerfilm sein, der viel viel frÜher spielt, Barbaren und/oder Wikinger könnten gleich aus dem GebÜsch springen. Aber Hanna zieht eine Pistole und erlöst den Elch. “Ich habe Dein Herz verfehlt”. Dieser verfehlte Pfeilschuss und der folgende Pistolenschuss werden später noch Bedeutung in einer entscheidenden Szene haben. Danach wird sie von ihrem Vater angegriffen, mit dem sich ein Nahkampftraining entwickelt. Beide leben in einer kleinen HÜtte. Hanna kann jagen und kämpfen, wird von ihrem Vater zur Kampfmaschine ausgebildet, kennt aber keine Musik und flippt vor Begeisterung schon beim Krach eines tief fliegenden Flugzeugs aus. Der Vater – Erik (Eric Bana) – ist frÜherer Geheimagent und er plant Rache am Geheimdienst, der seine Frau tötete. Das Signal, das Hanna mit dem scheinbar einzigen elektrischen Gegenstand in der HÜtte auslöst – sie ist bereit fÜr ihre Aufgabe – macht den Geheimdienst bzw. deren Abteilungsleiterin Marissa (Cate Blanchett) auf die beiden aufmerksam. Sie wird geschnappt, landet in einem unterirdischen Forschungsbunker in der marokkanischen WÜste, ihr gelangt eine spektakuläre Flucht, die Reise Über Spanien ins wirklich ungemÜtlich wirkende Berlin. Berlin wirkt hier so ungemÜtlich, dÜster und ungastlich wie einst Paris in Roman Polanski´s “Frantic”. Der Film ist rasant, wenn es zu Kampf- oder Verfolgungszeiten kommt. Der Film lässt sich viel (nicht zu viel) Zeit bzw. gibt dem Mädchen viel Zeit, um die Welt außerhalb von Wald und HÜtte zu erkunden, eine verlorene Kindheit und Pubertät teilweise nachzuholen, fasziniert einer Flamenco-Party am Lagerfeuer zu lauschen oder fast ihren ersten Kuss zu erleben. Die Darsteller sind durchaus stark und glaubwÜrdig. Optik und Ausstattung sind gelungen. Brilliant werden Film und Atmosphäre durch die sparsame aber äußerst effektiv eingesetzte Filmmusik der Elektronik-Gruppe Chemical Brothers unterstÜtzt. Über kleine logische LÜcken wie eine sehr schnelle Postkarte nach Berlin können wir wohlwollend hinweg sehen.
Dass Hanna kein normales Mädchen ist, wissen wir inzwischen. Der Grund dafÜr, warum ihre Mutter einst ermordet wurde und die entsprechenden Rachepläne, der Grund dafÜr, dass Erik und Hanna beseitigt werden sollen, wird ganz zum Schluss aufgedeckt. Mit viel Fantasie können wir es uns denken. Es ist schon Überraschend und ich verrate hier nichts.
Stark. Note = 2+
Photo: sugu, via flickr
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