China versucht Finanzkollaps der Provinzregierungen zu vermeiden

China, des Deutschen Wunderland, steckt in einem dramatischen Kampf, um ein unkontrolliertes Platzen der Immobilienblase zu verhindern. Man hat schon seit rund zwei Jahren versucht durch Zinsanhebungen [1] und Beschränkung der Kreditfinanzierungsquote beim Immobilienerwerb, die Immobilienpreisentwicklung zu stabilisieren. Leider sind die Zinssätze mit 3,25% im Vergleich zur Inflationsrate von derzeit

5110281751_b860a42252.jpgChina, des Deutschen Wunderland, steckt in einem dramatischen Kampf, um ein unkontrolliertes Platzen der Immobilienblase zu verhindern. Man hat schon seit rund zwei Jahren versucht durch Zinsanhebungen [1] und Beschränkung der Kreditfinanzierungsquote beim Immobilienerwerb, die Immobilienpreisentwicklung zu stabilisieren. Leider sind die Zinssätze mit 3,25% im Vergleich zur Inflationsrate von derzeit über 5% immer noch real negativ. Mithin fällt es leicht bei negativen Realzinsen Immobilien zu erwerben. In einigen Provinzen haben die Inflationsraten bereits die Schwelle von 8% überschritten. Hinzu kommt, dass China bisher keine Grunderwerbssteuer oder Grundsteuer kennt. Das soll sich zwar jetzt ändern, aber das braucht Zeit und Zeit hat die chinesische Regierung nicht.

Provinzregierungen und Kommunen leben von der Immobilienpreisspekulation

Hinzu kommt, dass die regionalen Provinzregierungen tief in dieses Spekulationssystem verstrickt sind. Ein erheblicher Teil ihrer laufenden Einnahmen – es werden 30 bis 59% geschätzt – erfolgt aus Privatisierungserlösen von zuvor in Staatsbesitz befindlichen Grund und Bodens. Der Staat hatte ja vorher das Monopol auf Grundbesitz. Durch entsprechende Knappheit bei steigender Nachfrage boomen eben die Preise. Die teilweise korrupten Funktionäre spekulieren dabei fleißig auf Kosten ihrer Provinzen und Gemeinden mit. Jeder will sein Schnäppchen machen. Versiegen diese Einnahmequellen und käme es zu einer Immobilienpreisdeflation, dann wären auch rasch – die USA lassen Grüßen – die Provinzregierung und Kommunen pleite. Um einen solchen Finanzkollaps mit unabsehbaren Folgen zu vermeiden, hat sich die Zentralregierung jetzt bereit erklärt eine Teilentschuldung in Höhe von rund 463 Mrd. US Dollar (3 Billionen Yuan) vorzunehmen.

Korruption der Beamten in den Verwaltungen erweist sich als großes Hindernis

Zugleich will man jetzt massiv die Korruption in den Provinzen und Kommunen bekämpfen. Das erweist sich aber durchaus als schwierig. Schließlich sind viele Funktionäre wie die Oligarchen in Russland außerordentlich reich dadurch geworden. Ein Schlaglicht darauf warf die Verhaftung des chinesischen Transportministers, der sich massiv bei der Auftragsvergabe von Aufträgen für die Hochgeschwindigkeitsstrecken bereichert hat. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr allein 146,517 Beamten im ganzen Land von ihren Posten entfernt. Ob all diese Maßnahmen am Ende ausreichen werden eine harte Landung zu verhindern, bleibt abzuwarten. Des Deutschen Wunderland könnte so bald sein blaues Wunder erleben.

[1] Oktober 2010 http://online.wsj.com/article/SB10001424052702304510704575561780406217028.html

Dezember 2010 http://www.cnbc.com/id/40807393/China_s_Central_Bank_Raises_Interest_Rates_for_Second_Time

Februar2011 http://news.xinhuanet.com/english2010/business/2011-02/08/c_13722913.htm

April 2011 http://www.nytimes.com/2011/04/06/business/global/06yuan.html?_r=1

“The People’s Bank of China said the benchmark one-year deposit rate will be lifted by 25 basis points to 3.25%, while one-year lending rates will be raised by 25 basis points to 6.31%.€

Photo: Kuwait-Ra’ed Qutena, via flickr

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  1. Zugleich versucht China der grassierenden Wohnungsnot durch ein gewaltiges Wohnungsbauprogramm zu begegnen.

    “Premier Wen Jiabao aims to build 36 million low-cost homes by 2015, an initiative that will see 2 trillion yuan ($307 billion) added to local government borrowing by 2012, bringing it to a total 12 trillion yuan, Standard Chartered Plc estimates. The surge of loans to local authorities may spark a wave of bank bailouts that hobble economic growth.”

    Damit heizt man aber zugleich die Immobilienblase weiter an. Außerdem sind bereits jetzt viel Neubauten von besonders schlechter Qualität (schlechet Wärmedemmung, miserable Ausstattung – neungeschossige Hochhäuser können ohne Fahrstühle gebaut werden, etc.).

    http://en.wikipedia.org/wiki/Chinese_property_bubble

    Die Probleme liegen in der Finanzierung von Immobilienprojekten bei den Projektentwicklern, die am Markt, d.h. den finanziellen Möglichkeiten der meisten Chinesen vorbeigebaut haben. Die Konsequenz sind Leerstände gewaltigen Ausmaßes. Statt durch einen Preisverfall das Überangebot an teuren Immobilien mit einer zu diesen Preisen nicht zahlungsfähigen Naahfrage auszugleichen, werden jetzt zusätzlich noch billige Häuser und Woihnungen gebaut. Das mactht die Lage nicht einfacher.