Der Vorsitzende des Zentralrats der Armenier in Deutschland, Azat Ordukhanyan, hat sich in einem Offenen Brief an die Wissenschaftsministerin Annette Schavan sowie Kultusministerin Gabriele Warminski-Leitheußer gewandt. Hintergrund: Die Universität Stuttgart verweigerte sich einer Holocaust-Gedenkveranstaltung. Der Vorwurf: die verantwortlichen Politikerinnen würden schweigen.
In seinem Schreiben macht er nun seinem Unmut Luft und erklärt: “Wir sind in hohem Maße empört, dass die Stuttgarter Universitätsleitung einer Veranstaltung ‘Verfolgung, Vertreibung und Vernichtung der Christen im Osmanischen Reich 1912-1922′ ihre Räume verweigert.” Die Veranstaltung sollte eigentlich am 28. Mai stattfinden. Kurzfristig wurde diese dann aber von der Universitätsleitung abgesagt. Die Gedenk- und Informationsveranstaltung wurde vom Verband der Vereine der Griechen aus Pontos in Europa e.V. zusammen mit der Assyrischen Demokratischen Organisation – Sektion Mitteleuropa sowie der Arbeitsgruppe Anerkennung – Gegen Genozid, für Völkerverständigung e.V. organisiert. Bei allen drei Organisatoren handelt es sich um Verbände bzw. Vereine, die in Deutschland als gemeinnützig anerkannt sind. Auch sie bedauerten die Absage und erklärten: “Bei Verbrechen besteht grundsätzlich keine Möglichkeit des Rückzugs auf vermeintlich neutrale Positionen. Der Umstand, dass die Türkei offiziell bis heute den Genozid an über drei Millionen osmanischen Staatsbürgern christlichen Glaubens bestreitet und dessen öffentliche Erörterung auch im Ausland nach Möglichkeit zu unterbinden trachtet, kann zudem nicht handlungsleitend für eine deutsche Universität sein.”
Das Schweigen der Politik ist erschreckend
Der Zentralrat, so fährt Ordukhanyan fort, sei erschrocken über die Begründung, dass man sich in Sachen Völkermord “neutral” verhalten wolle und dass man türkische Proteste aus Berlin fürchte, das heiße konkret: Proteste von türkischen Holocaustgegnern. Für Ordukhanyan drängt sich hier die Frage auf: “Wird man in der Stuttgarter Universität nicht mehr der Shoah gedenken können, weil man Neutralität gegenüber den Auschwitzleugnern zu wahren trachtet?”
Für ihn allerdings noch erschreckender als dieser Vorgang, der die “wissenschaftliche Seriosität und die politische Integrität der Universität nachhaltiger verletzt als irgendeine abgekupferte Dissertation”, sei jedoch das Schweigen der Politik. Deshalb appelliert er nun an Schavan und Warminski-Leitheußer, den Beschlüssen des Deutschen Bundestages (“in seiner wegweisenden Armenier-Resolution von 2005″) auch gegenüber den deutschen Universitäten “Gehör und Geltung zu verschaffen”.
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