Das neue Mantra in der Umschuldungsdebatte lautet Freiwilligkeit. Nachdem Wolfgang Schäuble auf einer Beteiligung privater Gläubiger beharrt, ist jetzt die zweite Verteidigungslinie der Gegenseite, das Beharren auf der freiwilligen Umschuldung. Doch wer verzichtet schon freiwillig auf Forderungen in Milliardenhöhe? Das Ganze ist nur ein Euphemismus, um den privaten Gläubigern mittels eines goldenen Handschlags, eine Umschuldung so attraktiv zu machen, dass sie das Angebot nicht ablehnen können.
Was würde jemanden insbesondere die Zocker – darunter vermutlich auch große Hedgefonds und Investmentbanken gnädig stimmen, um eine Umschuldung zu akzeptieren? Statt des derzeitigen Risikos eines drohenden Kreditausfalls die derzeit hohen Zinserträge durch eine Besicherung durch die Gesamtheit der Euroländer noch sicherer zu machen. Das wäre dann nach französischer Lesart eine freiwillige Beteiligung an der Umschuldung.
Was sagt die Behavioral Finance Theorie dazu?
Untersuchungen zum menschlichen Verhalten haben ergeben, dass es eine Asymmetrie hinsichtlich der Bereitschaft ein Risiko einzugehen gibt. Man bezeichnet dies auch als Risikoaversion. Diese verhaltenstheoretisch aus empirischen Untersuchungen gut belegte Reaktionsweise führt dazu, dass man, um Verluste zu vermeiden, auch auf potentielle Gewinne verzichtet, wenn das damit verbundene Risiko eines Verlusts als den eigenen Präferenzen entsprechend zu hoch bewertet wird. Sichere niedrigere Gewinne werden den potentiell höheren risikobehafteten deshalb vorgezogen. Es steht vermutlich auch hinter dem sogenannten Equity-Premium-Puzzle, d.h. der Bereitschaft festverzinsliche Papiere zu kaufen, obwohl man statistisch zeigen kann, dass im Durchschnitt Aktienanlagen höhere durchschnittliche Renditen erbringen.
Eine andere Konsequenz aus der Forschung ist, dass Menschen dahingehend tendieren, dass man die Realisierung von Verlusten hinauszögert und damit tendenziell zu spät auf einen Kursverlust reagiert. Wenn beispielsweise ahnungslose Anleger bei Aktien der Deutschen Telekom beim dritten Börsengang so lange warteten, bis der Kurs von den ursprünglichen 66,- Euro pro Aktien bis auf knapp unter 8,- Euro abgestürzt war. Man hoffte bis zuletzt, dass sich der Kurs irgendwann doch einmal erholen würde. Bisher warten die enttäuschten Anleger darauf vergeblich.
Angewandt auf den Fall Griechenland bedeutete dies, dass um eine freiwillige Beteiligung privater Anleger an der Umschuldung zu erreichen, man ihnen ein Angebot unterbreiten müsste, dass aus ihrer Sicht vorteilhafter als die derzeitige Lage ist. Da man aber das Risiko der Staatsinsolvenz vorab ausschließt – Griechenland darf nicht pleitegehen – bleibt eigentlich nur die Möglichkeit ihnen höhere Renditen oder mehr Sicherheiten anzubieten. Da aber diese Leistungen nicht umsonst zu haben sind, muss einer den Preis dafür bezahlen. Entweder sind dies die Griechen – was aufgrund ihrer desolaten Wirtschaftslage wenig erfolgversprechend ist – oder es sind die Steuerzahler der übrigen Mitgliedsländer der Eurozone. Daraufhin zielt die Debatte der Finanzminister der Eurozone. Die freiwillige Beteiligung privater Anleger wird teurer als ihre nicht Beteiligung.
Das ganze Staatstheater der Finanzminister dient also nur der Verpackungskunst eine Kröte für die Steuerzahler so zu verpacken, dass er sie ahnungslos bereit ist zu schlucken. Dazu die Wortgirlanden und Drohungen und die Finesse, um so viel Intransparenz zu schaffen, dass die Wahrheit nicht mehr erkennbar ist.
Photo: Konstantin Gastmann, via pixelio.de
Die Zahl möglicher Beteiligungen und Umschulden für Griechenland schießen ins Kraut.
http://www.ftd.de/finanzen/maerkte/anleihen-devisen/:euro-krise-warum-die-griechen-retter-nach-wien-schauen/60065255.html