Griechenland kommt nicht aus den Schlagzeilen. Die Krise nimmt kein Ende. Einschlägige Ratingagenturen versetzen dem arg gebeuteltem Land und vor allem denjenigen Menschen dort, die für Krise bluten müssen, ja: förmlich ausgeblutet werden, Lohneinbußen hinnehmen müssen oder gar entlassen werden immer neue Faustschläge in die Magengrube. Die vom Internationalen Währungsfonds und der Europäischen Kommission verordnete strikte Austeritätspolitik treibt Griechenland immer weiter in den Abgrund.
Kaum jemand aber fragt indessen noch: Wie war es überhaupt zu dieser Misere gekommen? Inzwischen gibt es Leute, die danach fragen. Zwei haben sogar einen Film darüber gemacht: Die Journalisten Katerina Kitidi und Ari Chatzistefanou. Und dieser übers Internet downloadbare Dokumentarfilm mit dem Titel “Debtocracy” erreicht inzwischen in Griechenland (und wird das vielleicht bald darüber hinaus tun?) eine ständig steigende Fangemeinde. Allabendlich diskutiert man in Athen über diesen Film und die darin beschriebene Problematik “Griechenland-Krise”. Gegner und Anhänger des Films tauschen ihre Ansichten über Netzwerke wie Facebook, Twitter und auch auf diversen Blogs aus. Der Film ist kritisch. Offenbar zu kritisch: Der Sender SKY, bei dem Chatzistefanou angestellt war, feuerte ihn.
Schuldenerlass nach dem Vorbild des Irak gefordert
Die Autoren von “Debtocracy” fordern einen Schuldenerlass für die griechischen Staatskredite nach dem Vorbild des Irak. Das meldet Funkaus Europa (nach unten scrollen) heute. Im Irak hatte die Besatzungsmacht USA nach der Invasion die Schulden Saddam Husseins für illegitim erklärt: Der Diktator habe den Grossteil der Kredite für Waffen und den Bau protziger Paläste missbraucht, hieß es damals als Begründung. Kitidi und Chatzistefano: In Griechenland seien die Staatsschulden von linken wie rechten Regierungen vor allem für den Kauf von Waffen und protzigen Infrastrukturprojekten aufgehäuft worden (Schmiergelder inklusive). Aus diesem Grunde schlagen die Filmemacher für Griechenland die Einführung eines “Audit-Ausschusses” vor, der alle Kreditverträge Griechenlands auf ihre politische Legitimation hin untersuchen soll. Als eine politische Alternative zum strikten Spardiktat des Internationalen Währungsfonds und der Europäischen Kommission. “Debtocracy” ist seit Erscheinen des Films im April bereits hundertausendfach aus dem Internet heruntergeladen worden. Das Stück dürfte den Diskurs über die Schuldenkrise stark verändert haben. Er ist auch ein Mutmacher für in Griechenland erstarkende Bewegung der Empörten.
Flucht mit dem Hubschrauber auch in Athen?
Auch heutigen Mittwoch gehen in Athen wieder tausende Empörte auf die Straße. Geplant ist eine Menschenkette um das griechische Parlament. Im besagten Film ist eine Sequenz zu sehen, wo argentinische Politiker und IWF-Leute einst vor den sie umzingelnden, gegen die Folgen der frühere Staatspleite protestierenden Menschen, mit einem Hubschrauber das Weite suchen. Wird sich Ähnliches heute in Athen wiederholen?
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