Ruhrfestspiele so erfolgreich wie nie. Eine famose “Maria Stuart” und Nena als Schlussakzent

Am Abend eines herrlichen Juni-Sonnentages gingen die 65. Ruhrfestspiele Recklinghausen am Pfingstsonntag mit einem knalligen Schlussakzent ins Finale. Dieser Akzent wurde mit einem Open Air Konzert von Sängerin Nena im Recklinghäuser Stadtgarten gesetzt. Ingesamt 4.000 Fans schwelgten in Begeisterung. Nie zuvor so viele Eintrittskarten verkauft Wie der Regionalsender RadioVest gestern

presse_stille_RR_BM_2011_1.jpgAm Abend eines herrlichen Juni-Sonnentages gingen die 65. Ruhrfestspiele Recklinghausen am Pfingstsonntag mit einem knalligen Schlussakzent ins Finale. Dieser Akzent wurde mit einem Open Air Konzert von Sängerin Nena im Recklinghäuser Stadtgarten gesetzt. Ingesamt 4.000 Fans schwelgten in Begeisterung.

Nie zuvor so viele Eintrittskarten verkauft

Wie der Regionalsender RadioVest gestern meldete, waren die diesjährigen Ruhrfestspiele – die am 1. Mai mit einem Grossen Kulturvolksfest starteten – mit über 81.000 verkauften Tickets (Vorjahr: 72.900) und ingesamt 213 Veranstaltungen in mehreren Spielstätten die “erfolgreichsten Ruhrfestspiele aller Zeiten”. Nie zuvor waren so viele Eintrittskarten bei den Ruhrfestspielen verkauft worden. Ein Zeichen dafür, dass das stabil austarierte Konzept des Festspiel-Intendanten Dr. Frank Hoffmann aufgegangen ist. Und ein erfreuliches Ergebnis jahrelanger harter Arbeit aller Festspielmitarbeiter,  samt Unterstützung der Stadt Recklinghausen und ihrer Einwohnerschaft, die wie viele Bürgerinnen und Bürger der Umgebung und darüber hinaus fest zu einem der größten Festivals dieser Art in Europa stehen.

In die Zeit gefallen. Tatsächlich!

Das Motto der diesjährigen Ruhrfestspiele lautete “In die Zeit gefallen: Schiller”. Frank Hoffmann hatte den richtigen Riecher: “Sein (Schillers) äußerst brillanter, zuweilen sperriger, oft aufwieglerische Geist kommt uns heute ganz nah. Sein Werk berrührt uns unmittelbar, schlägt Brücken in unsere Zeit. Sein Nachdenken über die Zukunft erschließt auch unsere Gegenwart.”

Thalheimers “Maria Stuart”-Inzenierung: So stimmig wie genial Einfach famos! 

presse_stille_RR_BM_77.jpg Wie sehr diese Einschätzung stimmt, wie heutig Friedrich Schiller über seine Werke in der Tat eben auch noch 2011 zu uns spricht, stellte am Pfingstsonntag eine von manch Zuschauer (wie etwa dem, der auf nebenstehendem Photo fast selbstvergessen das Programmheft studiert) mit Spannung erwartete Inzenierung seiner “Maria Stuart” lebendig unter Beweis. Die als Koproduktion der Ruhrfestspiele mit dem Schauspiel Frankfurt am Main entstandene, Aufsehen erregend stimmige, phänomenal gelungene, rundum genial zu nennende Inzenierung stammt von Michael Thalheimer. Der dem Publikum der Ruhrfestspiele (“Emilia Galotti”; 2005) nicht unbekannte Thalheimer wird zu den prägenden Regisseuren Generation gezählt. Sechs seiner Inzenierungen waren zum Berliner Theatertreffen eingeladen. Die zweieinhalbstündige Thalheimersche “Maria Stuart” fesselte das Publikum bis zur letzten Sekunde. Das Ganze ohne Pause. Wer dabei war, ahnt warum: Eine Unterbrechung hätte den Spannungsbogen abreißen lassen. Diesen Reibungsverlust vermied Thalheimer. Famos! Ein bestens aufgelegtes Ensemble (jede Rolle m. E. trefflich besetzt!) spielte mit Herzblut durchgängig brillant. Große Schauspielkunst, die nicht nur einmal Kribbeln machte! Deshalb zurecht: Stehende Ovationen und donnernder Applaus zum Schluss. Wundgeklatschte Hände nahm man von Herzen gern in Kauf. Mir selbst ging das Herz jedenfalls gehörig auf. Die Sinne geweitet und mit Tränen in den Augenwinkeln verließ ich an diesem Abend das Grosse Haus der Recklinghäuser Ruhrfestspiele. Warum schreibt heute niemand solche Stücke?! Wie sehr doch hat Schiller in diesem Stück doch die Ambivalenz des Menschen schmerzlich sichtbar werden lassen!

Die Grosse Liegende bleibt etwas einsam zurück

presse_stille_RR_BM_9.jpg Nun erst einmal wird es um Henry Moores Plastik “Two Piece Reclining Figure No. 5 – Grosse Liegende Nr. 5″ (1963/64) vor dem Glasfoyer (Photo) des Festspielhauses wieder etwas einsamer. Die 65. Ruhrfestspiele sind Geschichte. Sie waren grandios. Wie viele der diesjährigen Inzenierungen und Veranstaltungen der leider so rasch verflossenen sechs Wochen auch. Nun muss man warten. Der Vorverkauf für die nächsten Ruhrfestspiele beginnt Anfang 2012. Wenn’s doch nur schon soweit wäre!

Aber nichts für ungut: Recklinghausen zu besuchen, lohnt sich auch übers Jahr, sozusagen zwischen den Festspielen…

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