In Afrika sterben Kinder, damit in Deutschen Reformhäusern die Regale gut gefüllt sind. Zu diesem Schluss kommt die Autorin Laura Koch aktuell auf Spiegel Online. Unter dem Titel “Wie die Malaria-Wunderwaffe Bauern in die Armut treibt” drückt sie sich jedoch zugegebenermaßen etwas anders aus. Bei der Autorin klingt das Ganze so:
Von Mücken übertragene Malaria tötet täglich Hunderte Menschen in Uganda – deswegen setzt die Regierung auf das Insektengift DDT. Doch der Pestizid-Einsatz hat gravierende Folgen für die Landbevölkerung: Lieferanten von Bio-Produkten können ihre Ware nicht mehr verkaufen, ihnen droht bittere Armut.
Schon bei diesen einleitenden Worten stellen sich zwei grundsätzliche Fragen. Zum einen: Ist der Anbau von Bio-Produkten wirklich die einzige Möglichkeit für Bauern in Uganda, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten? Und zum anderen: Wenn durch den Einsatz von DDT täglich hunderte Menschen vor dem Tod durch Malaria gerettet werden können, wie viele Ugander sollten wir bereit sein dafür zu opfern, dass in dem Land einige Bauern nach den Richtlinien europäischer und US-amerikanischer Bio-Verbände Nahrungsmittel produzieren können? Nebenbei bemerkt: Bei der Hälfte der Malariatoten handelt es sich um kleine Kinder.
Der Sündenfall der Ökobewegung
In aufgeklärten Kreisen gilt das seit Beginn der 60er Jahre von Umweltschutzverbänden und Regierungsorganisationen durchgesetzte DDT-Verbot als der Sündenfall der Öko-Bewegung. Dabei war bereits spätestens Anfang der 70er klar, dass die Horrorgeschichten, welche man mit DDT in Zusammenhang brachte, keinerlei wissenschaftlicher Überprüfung standhielten. Dennoch wurde ein weltweites Verbot der Substanz angestrebt und anschließend mit entsprechendem politischen und wirtschaftlichem Druck durchgesetzt.
Sicherlich: Man kann den massiven Einsatz von DDT in der Landwirtschaft, der in den 60er Jahren stattgefunden hat, zu Recht kritisieren. Aus dieser Zeit stammen nach wie vor die Rückstände, welche man sogar im Fettgewebe von Tieren in der Arktis und Antarktis nachweisen kann. Diese Zeiten sind allerdings längst vorbei. Für den Einsatz in der Landwirtschaft hat manmittlerweile längst Ersatzstoffe gefunden, welche deutlich wirksamer sind und viel schneller abgebaut werden.
Wunderwaffe DDT
Bei der Bekämpfung der Anophelesmücke, dem Hauptüberträger von Malaria, liegt der Fall hingegen anders. Hier stellt DDT nach wie vor die wirksamste und zugleich kostengünstigste Waffe gegen die Seuche dar. Und das mit weit geringeren Mengen, als es beim Einsatz als Pflanzenschutzmittel üblich war. Hier genügt es, lediglich die Wände der Häuser in Risikogebieten zwei mal im Jahr mit einer kleinen Menge DDT zu besprühen. Mücken die sich auf diesen Wänden niederlassen sterben umgehend.
Selbstverständlich existieren bei der Malariabekämpfung auch Alternativen. Nur ist eben keine davon so wirksam wie DDT. Was aber in völlig verarmten Ländern in Afrika noch deutlich schwerer wiegt: keines ist so kostengünstig. Moskitonetze, welche von Spendenorganisationen und Umweltschutzgruppen immer wieder propagiert werden, funktionieren nur wenn sie richtig eingesetzt werden, völlig intakt sind, und auch nur während man darunter schläft. Wer sich ab Beginn der Dämmerung in ansonsten ungeschützten Häusern aufhält, der muss trotzdem mit dem Risiko einer tödlichen Infektion leben. Karbamate wirken ähnlich gut wie DDT, sind allerdings vier-bis sechsmal so teuer nd müssen deutlich häufiger versprüht werden. Organophosphate können aufgrund ihrer Gefährlichkeit nicht in Häusern und Wohnungen versprüht werden. Und die häufig als neue Wunderwaffe gegen Malaria genannten synthetischen Pyrethroide erweisen sich als deutlich weniger wirkungsvoll.
Öko Imperialismus
Um es noch einmal deutlich herauszuheben: Beim Einsatz von DDT zur Bekämpfung von Malaria wird der Stoff nicht großräumig in der Landschaft versprüht, sondern äußerst gezielt und in sehr geringen Mengen eingesetzt. In sämtlichen Ländern, in denen DDT eingesetzt wurde, gingen die Zahlen der an Malaria Erkrankten deutlich zurück. Viele Länder, die sich dem Druck der Spendenorganisationen und Regierungen der westlichen Länder gebeugt haben, erlebten daraufhin eine erneute Explosion der Zahl der Erkrankten und Toten.
Vor diesem Hintergrund ist die Forderung eines DDT Verbotes, damit in den für satte westliche Länder hergestellten Bio-Produkten diese Substanz auch im Ultraspurenbereich nicht nachweisbar ist, besonders fragwürdig. Wir sind in unserem Wohlstand offensichtlich bereit, den vermeidbaren Tod von Millionen Menschen in Kauf zu nehmen. Und das nur, um uns vor äußerst hypothetischen Gefahren zu schützen. Das ist meiner Meinung nach Öko-Imperialismus in Reinform!
@ Rudolf Kipp
Wieder einmal schlagen Sie auf alles ein, was irgendwie mit “Bio” zusammenhängt. Wieder einmal zeichnen Sie ohne jede Differenzierung ein schwarzweisses Zerrbild der Situation, spielen den Tod durch Malaria gegen einen umweltverträglichen Umgang mit Mensch und Natur aus. Das ist billig!
Das Problem DDT und Malaria ist differenzierter, es gibt nicht nur schwarz und weiss. Malaria ist schlimm und tötet, DDT ist schlimm und tötet, vergiftet Böden und Nahrungsmittel.
Dabei gibt es längst Alternativen zur chemischen Malaria-Bekämpfung. Einige davon stammen aus dem nairobischen Forschungsinstitut ICIPE: Bakterien, die in die Brutstätten der Moskitos gegeben werden und die Larven binnen 24 Stunden töten, sind hier ebenso entwickelt worden wie ein Gemisch aus Pilzen, das in Innenräumen auf Wände gesprüht werden kann. Nebenwirkungen hat keines dieser Mittel.
Trotzdem ist die Nachfrage noch gering, klagt Michael Brander von der Schweizer Stiftung Biovision, die die Suche nach alternativen Malaria-Mitteln fördert. “Es fehlt der politische Wille”, sagt Brander. Oft würden ökologisch nachhaltige Alternativen gar nicht erst geprüft – wohl auch deshalb, weil DDT-Spray konkurrenzlos billig ist.
Die Lösung gegen Malaria ist nicht das DDT! Es hapert am politischen Willen und an den Kosten. In die Produktion und Anwendung von DDT hat leider NIEMAND die Folgekosten miteingerechnet. Aber das kennen wir auch aus Deutschland schon zu Genüge: Gewinne privatisieren, Gefahren und Folgekosten sozialisieren! Vor diesem Hintergrund ist es immer leicht, nach der Chemiekeule zu schreien, Herr Kipp. Auch Kernenergie ist ja ach so billig …
Folgekosten und Risiken interessieren auch hier niemanden. Man was malen Sie sich für eine einfache Welt, Herr Kipp…..