Reine PR-Veranstaltung: “Tatort” vergeigt wegen Abseits

Zwischen der Tagesschau und der obligatorischen Bierwerbung hat der Werbefilm für Frauenfußball begonnen. Zunächst wird um die ARD und ZDF-Zuschauer bei der bevorstehenden FIFA Frauen-WM 2011 gebuhlt, dann beginnt der Tatort “Im Abseits” vom Südwestrundfunk. Das Buch stammt von Jürgen Werner. Regie führte Uwe Janson. Die Geschichte ist denkbar einfach.

Zwischen der Tagesschau und der obligatorischen Bierwerbung hat der Werbefilm für Frauenfußball begonnen. Zunächst wird um die ARD und ZDF-Zuschauer bei der bevorstehenden FIFA Frauen-WM 2011 gebuhlt, dann beginnt der Tatort “Im Abseits” vom Südwestrundfunk. Das Buch stammt von Jürgen Werner. Regie führte Uwe Janson.

Die Geschichte ist denkbar einfach. Eine Aneinanderreihung von Klischees und Vorurteilen wird mühsam um den Werbefilm herum konstruiert. Eine Muslima kickt als Nationalspielerin beim FC Eppheim. Fadime Gülüc, gegeben von Filiz Koc (auf ihrer Homepage wirbt sie übrigens damit, dass sie Model, Schauspielerin, Moderatorin und Unternehmerin sei) wird unter der Dusche ermordet. Der Freund des Opfers, ein Konvertit, wird natürlich zum Hauptverdächtigen. Es folgen endlose Dialoge über Fußball, wie sie abgedroschener nicht sein könnten. Vor allem nervt jedoch, dass Lena Odenthal, dargestellt von Ulrike Folkerts, und Mario Kopper, gespielt von Andreas Hoppe, sich quasi minutenlang über die Stimmung im Stadion auslassen.

Doch: Einem echten Fan braucht wohl niemand erklären, was das Stadion für ihn bedeutet. Und alle anderen wollen es offensichtlich gar nicht so genau wissen. Die beiden Tatort-Ermittler stört das allerdings wenig und so mutieren sie urplötzlich zu echten Fans, die ihre Fußballbegeisterung in den letzten Tatort-Sendungen einfach nur sehr gut unterdrücken konnten. Zu allem Überfluss gibt es dann immer wieder Einspieler, die zeigen, wie sich Odenthal und Kopper am Tischfußball üben. Wer es jetzt noch nicht bemerkt hat – bei diesem Tatort geht es um Fußball.

Wer glaubt, damit sei es noch nicht genug, der irrt gewaltig.

Die Mutter der Verstorbenen Irem Gülüc, gegeben von Siir Eloglu, erzählt, dass es in Amerika immer nur ums Geld ginge. Vorurteile aus dem Mund einer Frau mit buntem Kopftuch und akzentfreiem Deutsch. “Wenn’s nur ums Geld geht, verliert der Fußball seine Seele”, heißt es dann wenig später. Zum Glück sagt das wenigstens nicht Theo Zwanziger, der sich selbst spielt.

Das Ende ist dann genauso banal wie eben auch Klischeebeladen und natürlich völlig spannungsfrei. “Die Meisten interessiert doch nur, was die Mädels unter dem Trikot haben. Verdammt noch mal es geht um Fußball”, sagt der Platzwart Steffen Rennert, dargestellt von Michael Lott, als Rechtfertigung dafür, dass ihm nie einer zugehört hat. Er, der einzige Bewunderer des (Frauen-)Fußballs kam damit nicht zurecht und hat deshalb Fadime Gülüc ermordet. Mario Kopper schießt ihn nieder und alle sind glücklich – vor allem, weil es beinahe 21:45 Uhr ist und der längste je gezeigte Werbefilm im öffentlich-rechtlichen Fernsehen an diesem Abend gleich endet.

Fazit: “Im Abseits” wirft bei den Zuschauerinnen keinerlei Fragen auf, sondern sorgt vielmehr dafür, dass der Frauenfußball bei den männlichen Fans auch weiterhin im Abseits bleiben wird.

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