Gedanken über die Welt (Teil 1)

Was ist richtig und wichtig? Die Antworten scheinen immer schwieriger zu werden bei der Komplexität zunehmender Globalisierung und bei den Informationslawinen unserer Zeiten, in denen Verpackung, Eigeninteressen und Eigenlob den Inhalt erschlagen. Manchmal ist das aber kein großes Übel, sind doch viele Informationen entweder falsch, haben eine Halbwertszeit von Minuten

ohnma1.jpgWas ist richtig und wichtig? Die Antworten scheinen immer schwieriger zu werden bei der Komplexität zunehmender Globalisierung und bei den Informationslawinen unserer Zeiten, in denen Verpackung, Eigeninteressen und Eigenlob den Inhalt erschlagen. Manchmal ist das aber kein großes Übel, sind doch viele Informationen entweder falsch, haben eine Halbwertszeit von Minuten oder sind schlicht unsinnig. Jedoch, das Fatale daran: Das Unwesentliche und Blöde trübt den Blick derart, dass der Wald vor lauter Bäumen übersehen wird, mit viel Blabla Unwesentliches breitgetreten wird und an Wichtigem vorbeidilettiert wird.

Dabei kann es jeder sehen, hören, riechen und fühlen: Neben unbeschreibbar Schönem gibt es ziemlich Grausames auf dieser Erde.

Und weitgehendst unbestritten ist: Die Herausforderungen werden nicht kleiner. Die Globalisierung bringt Chancen und Gefahren – aber die Größe überfordert allzu oft den Menschen. Und immer mehr müssen Raum und Möglichkeiten teilen. Viele sind sich einig: So wird es nicht weitergehen (können).

Und jetzt? Brauchen wir für eine bessere Welt mehr (Gut-)Menschen mit ihren Ideen für eine bessere Welt? Trotzt des miserablen Ansehens dieser Sonderlinge?

Denn vielerorts wird (vor)verurteilt: “Sie tun es mit erhobenem Zeigefinger und übertreiben, sind moralisierende und/oder naive Pharisäer und Heuchler, denen es an Objektivität mangelt – Selbstdarsteller, welche ihre Eigeninteressen mit Besserwisserei untermalen.”

Doch, was ist mit den Pendants, den Minimalisten in Achtung, Wertschätzung und Aufmerksamkeit – einer Mutation aus Selbstgefälligkeit und Stumpfsinnigkeit – oder gar der bizarren Form der Evolution, wenn sich Egoidiotie und Übermaßunmäßigkeit in einer Person verwirklichen und sich zu Exkrementalisten auswachsen?

Da wird gelärmt, dass die Löffel auf den Tellern tanzen, die Luft verpestet – und alles verdreckt, was die Natur zu bieten hat, keine Gelegenheit ausgelassen um sich vorzudrängen, stets an den eigenen Vorteil gedacht und nie mehr gesagt, als diesem zuträglich ist, alles genommen, bevor es andere getan haben (und der Mist irgendwo fallen gelassen).

Diese Typen fühlen sich stark und tüchtig, wenn sie andere über den Tisch ziehen, sind Meister in der Kunst des Täuschens und in der Doppelmoral, trinken Wein und überlassen anderen das Wasser, buckeln nach oben und treten nach unten, richten sich ihre Wahrheit (und sind immer im Recht, solange man sie nicht erwischt) und schlagen zu, wenn andere wegschauen oder abgelenkt sind.

Und andererseits: Ich frage Sie, warum ist es heuchlerisch, wenn sich jemand bemüht fair zu sein und Unfairness erlebt – wenn er dann für Fairness eintritt? Und das Gleiche tut, bei Intoleranz, Ungerechtigkeit und bei Rücksichtslosigkeit. Warum ist es moralisierend und naiv, wenn jemand versucht Werte zu leben und erlebt, wie diese Werte mit Füßen getreten werden und sich dagegen ausspricht?

Ich möchte auch lieber in einer Welt leben, in der sich die Menschen bemühen fair, gerecht, maßvoll, aufmerksam und rücksichtsvoll zu sein, versuchen mehr zu geben und nicht ihre Ellbogen einsetzen und andere über den Tisch ziehen. Auch, wenn es einem selber vielleicht nicht immer vollständig gelingt, scheint es mir wertvoller zu sein für diese Werte einzutreten, als es nicht zu tun.

Zum Überlegen ein Rat – völlig gratis (auch umsonst?) – auch Applaus ist keiner nötig (und der Zeigefinger bleibt unten): BRING(t) es den Kindern bei.

Wenn es bei der Erziehung gelingt, dass Kinder maßvoll mit Ressourcen umgehen (bescheiden sind), Rücksicht auf Lebewesen und auf die Natur nehmen (respektvoll sind), anpacken und Herausforderungen annehmen (initiativ sind), aufmerksam die Welt zu begreifen versuchen (neugierig sind) und fair Güter und Chancen zu teilen bereit sind (gerecht sind), dann braucht uns um die Menschheit nicht bange zu sein.

Viel komplizierter ist es nicht. Die fünf Finger einer Hand genügen, jeder Finger für einen Wert.

Es waren oft die Aufgaben und die Gelegenheiten den unterschiedlichsten Problemstellungen auf den Grund gehen zu müssen (dürfen) und das Zauberwörtchen “Warum”, dass – mehrmals gefragt – immer wieder zu den gleichen Ursachen führte.
Darum dieser Rat – weil er (für mich) richtig ist.

Dabei soll aber nicht vergessen werden, es gibt noch etwas, was für ein gelingendes Leben gut tut: Etwas Glück haben, oder zumindest, dass einem die Lebensgerechtigkeit nicht ganz vergisst.

Ein gelingendes Leben, das ist es – was letzten Endes wirklich zählt.

Alt werden ist kein besonderes Verdienst. Im Regelfall geht es ganz ohne zutun – ein bisschen Glück vorausgesetzt. Doch, alt sein und dabei ein Leben lang wertschätzend und aufmerksam gegenüber anderen Personen, anderen Meinungen und Kulturen, zukünftigen Generationen und gegenüber allen Lebewesen und der Natur gewesen zu sein und mehr gegeben als genommen zu haben, das ist zum Niederknien bewundernswert.

Und wem das auch noch gelungen ist, dem die Lebensumstände nicht gerade verwöhnt haben – dann zählt das wohl mehr als alle Olympiasiege und Nobelpreise zusammen – und tausend Mal mehr als Gold und Geld.

Wie viele können sich diesbezüglich guten Gewissens in den Spiegel schauen? Offensichtlich könnten es mehr sein, so wie die Welt ist, wie sie ist. Bei manchen würde der Spiegel am liebsten zerbersten, wenn er das Lebenskonto von Selbstgefälligkeit, Verlogenheit, Gemeinheit, Maßlosigkeit, Raffgier und Stumpfsinnigkeit im Antlitz seines Gegenüber erblickt.

Na dann, was sagt der Spiegel?
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