Sexualität ist in China kein Verbrechen. Ganz im Gegenteil: Die homosexuelle Szene wurde in den letzten Jahren vor allem in der Online-Welt immer sichtbarer. In der letzten Woche reagierte ein chinesischer Priester in den USA auf den Vorstoß des New Yorker Senats, nun auch gleichgeschlechtliche Ehen zuzulassen. Jetzt gab es hierzu ein Echo der preisgekrönten Schauspielerin Lu Liping. Sie löste mit ihren Worten eine hitzige Debatte auf der chinesischen Social Media-Webeite Sina Weibo aus.
Am 26. Juni kommentierte Pastor Feng Wei aus Rochester, New York:
“In der vergangenen Nacht, legalisierte der Senat des Bundesstaates New York die gleichgeschlechtliche Ehe. Dies ist der sechste Staat in den USA und der bisher größte, der etwas derartiges umgesetzt hat. Möge Gott sich dieses Land erbarmen, das jeden Tag aufs Neue ins Verderben fällt! Selbst wenn es mir das Gesetz eines Tages verbietet, mich gegen Homosexualität zu äußern, werde ich weiterhin predigen: Homosexualität ist eine Sünde. Gott liebt die Sünder, aber er hasst die Sünde! Glaubt an Jesus, besiege deine Sünde, und bewegen Dich vom Tod zum Leben.”
Eigentlich hätte das Kommentar gar keine weiten Kreise gezogen. Doch alles verlief anders als die Schauspielerin Lu Liping ihre 150.000 Follower dazu aufrief, sie zu unterstützten und den Post weiter zu verbreiten.
Aktivisten der homosexuellen Szene geht das entschieden zu weit. Sie rufen nun dazu auf, die Filme von Liping zu boykottieren. Auch Kollegen aus der Filmbranche haben ihre homophoben Äußerungen mittlerweile kritisiert, wie zum Beispiel der taiwanesische Schauspieler Cai Kangyong, der kommentiert:
“Sogar die taiwanesischen Zeitungen greifen Lu Lipings homophobe Hassrede auf Weibo auf. Frau Frau, die homosexuellen Menschen, die sie hassen, sind weiß Gott kein abstrakter Begriff, die keinen Schmerz fühlen, sie sind Menschen aus Fleisch und Blut! Viele von ihnen sind Menschen, mit denen sie in der Filmindustrie zusammen arbeiten. Menschen, die sie unterstützt haben, Menschen, die sie für den Titel “Best Actress” bei den “Golden Horse Awards” 2010 vorgeschlagen haben. Wie viele homosexuelle Freunde unterstützen sie und sind freundlich zu ihnen? Es ist doch ganz gleich, welche Religion sie haben. Es gibt einen Grundsatz, du kannst nich diejenigen hassen, die dich in deiner Karriere vorangebracht haben.”
Ähnlich sehen das auch andere Blogger, die sich in der Zwischenzeit in die Diskussion eingeklinkt haben. Sie argumentieren mit der Bibel und führen bekannte Namen aus der Geschichte an, die ebenfalls homosexuell waren. Sogar ein buddhistischer Mönch kommentiert ihre Äußerungen voller Unverständnis.
Sie alle schreiben jedoch gegen etwas an, was in der chinesischen Onlinewelt nicht selten vorkommen: nämlich homophobe Äußerungen. Noch immer scheint es Menschen zu geben, die eine gleichgeschlechtliche Orientierung als abseits der natürlichen Norm verstehen, nicht im Einklang mit Ying und Yang sehen oder es gar als Bedrohung für die Menschheit verstanden wissen wollen.
Mehr als 70 Prozent stehen Homosexualität positiv gegenüber
Nichtsdestotrotz, verschiedene Umfragen in der chinesischen Online-Community zeigen, dass die Mehrheit der User eine homosexuelle Orientierung unterstützt und auch akzeptiert. So zeigt etwa eine Umfrage von ifeng.com, dass gut 70 Prozent der Befragten damit überhaupt kein Problem haben. 60 Prozent unter ihnen befürworten sogar die Legalisierung gleichgeschlechtlicher Ehen. Die Ergebnisse gehen konform mit Resultaten von Weibo. Dort äußerten sich ebenfalls über 70 Prozent der User positiv. Um die 15 Prozent hatten eine neutrale Einstellung.
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