EZB hebt Zinssatz auf 1,5 Prozent an

Nachdem die Inflation in der Eurozone jetzt bereits bei 2,7 Prozent im Mai 2011 angekommen ist, sah sich wohl die Europäische Zentralbank gezwungen den Hauptfinanzierungssatz auf 1,5 Prozent anzuheben. Dies ist bereits der zweite Zinsschritt in diesem Jahr. Offenbar plant die EZB mit einer Tippelschrittstrategie, die auch Alan Greenspan zuvor

4634520107_930ebbd85d.jpgNachdem die Inflation in der Eurozone jetzt bereits bei 2,7 Prozent im Mai 2011 angekommen ist, sah sich wohl die Europäische Zentralbank gezwungen den Hauptfinanzierungssatz auf 1,5 Prozent anzuheben. Dies ist bereits der zweite Zinsschritt in diesem Jahr. Offenbar plant die EZB mit einer Tippelschrittstrategie, die auch Alan Greenspan zuvor bereits bei der Fed angewendet hatte, die Finanzmärkte auf eine deutliche Zinsanhebung vorzubereiten. Das ist wegen der gespaltenen Inflationsentwicklung innerhalb der Eurozone nicht unproblematisch.

Ungleiche Inflationsentwicklung in der Eurozone

Während in einigen Ländern die Inflationsrate deutlich hinter der Durchschnittsrate von 2,7 Prozent liegt, dazu zählen Länder wie beispielsweise Irland mit 1,2 Prozent, Deutschland mit 2,4 Prozent und Frankreich mit 2,2 Prozent, liegt sie gerade in den von der Krise der Staatsfinanzen besonders gebeutelten Ländern deutlich darüber. In Zypern liegt sie bereits bei 4,1 Prozent, in Estland bei 5,5 Prozent, in Griechenland bei 3,1 Prozent, in Spanien bei 3,4 Prozent, Italien bei 3,0 Prozent und in Portugal bei 3,7 Prozent. Insgesamt verdeckt die niedrige Inflation in Frankreich und Deutschland, dass es darüber hinaus auch in anderen Ländern der Eurozone wie Luxemburg mit 3,8 Prozent oder Finnland mit 3,4 Prozent ebenfalls eine deutliche Beschleunigung beim Preisanstieg gibt. Mithin war die EZB mehr oder weniger gezwungen jetzt langsam zu reagieren, wenn sie ihre Glaubwürdigkeit eine Inflationsentwicklung um zwei Prozent als geldpolitisches Ziel zu verfolgen nicht unglaubwürdig werden lassen wollte.

Außerhalb der Eurozone innerhalb der EU sind noch deutlich höhere Inflationsraten zu beobachten. So liegt die Inflationsrate in Rumänien mit 8,5 Prozent an der Spitze aller EU-Mitgliedsländer, aber auch in Großbritannien ist die Inflation mit 4,5 Prozent bereits besorgniserregend hoch. Hier zeigt sich erneut, dass die EU insgesamt aber auch die bereits existierende  Eurozone keine optimalen Währungsräume darstellen. Statt einer Konvergenz der Inflationsraten auf Basis des gemeinsamen Marktes gibt es eben doch zu viele institutionelle und kulturelle Unterschiede, die zu einer nachhaltigen Divergenz zwischen den einzelnen Mitgliedsländern führen. Während die wirtschaftlich schwachen EU-Mitgliedsländer unter der bereits jetzt für sie hohen Zinslast der Kapitalmärkte leiden, kommt es beispielsweise in Deutschland und einigen Anrainerstaaten wie den Niederlanden und Österreich zu einem ungewöhnlich starken Wachstumsschub.

Das Bild hat sich jetzt gedreht. Während zu Beginn der zurückliegenden Dekade Deutschland unter den hohen realen Zinskosten zu leiden hatte und deshalb auch das Wirtschaftswachstum vergleichsweise gering ausfiel und die Arbeitslosigkeit hoch war,  profiziert jetzt Deutschland von den jetzt für sie vergleichsweise niedrigeren Zinsen im Vergleich den Krisenländern. Für sie ist die Zinsanhebung für die konjunkturelle Entwicklung ein zusätzliches Hindernis, für Deutschland dagegen kaum eine ausreichende Konjunkturbremse. Die EZB sitzt also zwischen allen Stühlen, wenn sie eine am Durchschnitt der Inflationsentwicklung der Eurozone ausgerichtete Geldpolitik betreibt. In einem tendenziell nachhaltig auseinanderdriftenden Wirtschaftsraum gemessen an der heterogenen Inflationsentwicklung in den einzelnen Ländern hilft eine am Durchschnitt orientierte Politik nicht viel weiter. Sie ist für Länder mit traditionell höherer Preisstabilität zu expansiv und für Länder mit traditionell höherer Inflationsentwicklung zu kontraktiv. Man verfügt jedoch über kein geldpolitisches Instrument zwischen diesen zwei Blöcken vermittelnd tätig werden zu können.

Zinsdisparitäten wirken als Brandbeschleuniger der Divergenz

Nachdem der gemeinsame einheitliche nominale Zinssatz für Staatsanleihen von den Finanzmärkten wegen der unterschiedlichen Finanzläge der einzelnen Länder nicht mehr akzeptiert wird, sind die nominalen Zinssätze für Staatsschuldverschreibungen dramatisch auseinander gedriftet. Damit brach dann auch rasch die Refinanzierungsmöglichkeit der Länder am internationalen Kapitalmarkt  zusammen, deren Schulden- und Defizitstand sich deutlich von denen der großen Länder wie Deutschland unterscheidet.

Die Instrumente zur Stabilisierung der Divergenz nützen auch wenig

Ein ESM wird diese Probleme auch nicht beseitigen können. Er führt nur zu einem Transfer von Zinslasten der schwachen Länder zu denjenigen die wirtschaftlich stark erscheinen. Es bleibt aber nur eine Krücke für die fehlende Konvergenz zwischen der Wirtschaftsentwicklung innerhalb der Eurozone.  Deshalb wird ja jetzt auch versucht die Finanzpolitik der Eurozone zu Vergemeinschaften. Aber auch dies führt nur zu einer Transferunion und nicht zwangsläufig zu einer Konvergenz der Wirtschaftsräume. Italien oder Belgien wissen ein Lied davon zu singen. Trotz ständiger erheblicher Transferleistungen nach dem Mezzogiorno im Süden Italien oder nach Wallonien ist es zu keiner nachhaltigen Angleichung der Lebensverhältnisse gekommen. Alles bleibt letztendlich Flickschusterei.

Photo: eisenrah, via flickr

Kommentare

Dieser Artikel hat einen Kommentar.

  1. Warum nimmt die Inflation vorwiegend in den Ländern zu, in denen die Kaufkraft, also das zur Verfügung stehende Geld, immer knapper wird? Eigentlich sollten dort die Preise – entsprechend den Gelehrten aus den Wirtschaftswissenschaft – eher nach unten gehen.

    Da hat man aber nicht damit gerechnet, dass viele Unternehmer schnell noch reich werden wollen, bevor alles den Bach unter geht.

    Ja, die wahre Inflation – verursacht durch die schwindende Kaufkraft, ist nun im Kommen. Und sie lässt sich durch die Zentralbanken nicht mehr steuern…