Interview mit Volker Bitzer “Sind Sie ein Freund von Dick Tossek?”

Herr Bitzer, wir erreichen sie an einem ziemlich ungewöhnlichen Ort. Einem Krankenhaus. Was haben Sie und vor allem, wie geht es Ihnen zur Zeit? V. Bitzer: Mein Blinddarm hat spontan sein Leben beendet. Etwas zu spontan für meinen Geschmack. Denn um ein Haar hätte er den Rest von mir gleich

9374fe7132dd5caeffff80b8fffffff0.jpgHerr Bitzer, wir erreichen sie an einem ziemlich ungewöhnlichen Ort. Einem Krankenhaus. Was haben Sie und vor allem, wie geht es Ihnen zur Zeit?

V. Bitzer: Mein Blinddarm hat spontan sein Leben beendet. Etwas zu spontan für meinen Geschmack. Denn um ein Haar hätte er den Rest von mir gleich mit ins Jenseits befördert. Jetzt geht’s wieder. Danke der Nachfrage.

Die Geschichte “Sind Sie ein Freund von Dick Tossek” hatte eine recht
lange Entstehungsgeschichte. Fast 16 Jahre hat es gedauert. Wie kam es zu dieser großen Zeitspanne?

V. Bitzer: Ich schreibe seit 20 Jahren Kurzgeschichten. Oft habe ich eine Idee, bei ich noch nicht so recht weiß, wohin sie führt. Eine dieser Ideen verband ich mit der Zeile “Blut, Blut, überall Blut”. Dabei ging es um einen Mann, der einen anderen erstach und in dessen Blut stand. Viel mehr als das hatte ich damals nicht. Ich schrieb es auf – wie viele andere Ideen – lies den Zettel verschwinden und wartete, bis die Zeilen zu irgendetwas anderem passten.

Vor drei Jahren machte es dann plopp. Das erste Kapitel von “Sind Sie ein Freund von Dick Tossek?” war dann innerhalb weniger Stunden fertig. Allerdings wusste ich das zu dem Zeitpunkt noch gar nicht. Ich dachte, ich hätte nur eine gute Kurzgeschichte geschrieben. Erst als meine Testleser alle vor Glück durchgedreht sind und mich beschworen haben, weiter an der Geschichte zu arbeiten, wurde eine Novelle daraus.

Sie schreiben immer wieder mit sehr viel Witz. Wie wichtig sind Ihnen diese kleinen Pointen in dem Nouvelle Noire geprägten Geschichte?

V. Bitzer: Ich liebe schwarzen Humor. Sarkasmus und Zynismus sind großartige Kumpel von mir. Gemeinsam haben wir drei schon so manche Grütze überstanden.

Wir können durchaus verraten, dass das Ende offen bleibt. Besteht die Chance einer Fortsetzung rund um John und Rosie?

V. Bitzer: Im Augenblick bin ich noch etwas überwältigt und berauscht von den positiven Reaktionen. Ich bin gerade viel zu selbstzufrieden. Um wieder produktiv sein zu können, muss ich möglichst genervt sein, hochgradig unzufrieden. Aber keine Angst: Das kommt bei mir schnell. In der Zwischenzeit können alle “Freunde von Dick Tossek” Johns und Rosies Geschichte auf Facebook weiterverfolgen.
Als ehemaliger Bremer leben Sie jetzt in einer anderen Hansestadt. Was hat Sie nach Hamburg verschlagen?

V. Bitzer: Das Leben ist kurz. Wie kurz, weiß man im Einzelfall selten (siehe Blinddarm). Und ich bin süchtig nach Lebensqualität. In Hamburg ist die sensationell. Die Sterneköche, die in dieser Stadt wirbeln, haben schon ein Vermögen an mir verdient.

Kann man Sie dennoch des Öfteren in Bremen auffinden und welches sind Ihre Lieblingsplätze hier an der Weser.

V. Bitzer: Ich bin häufig in Bremen. Meine ganze Familie lebt in Bremen. Außerdem bin ich Werder-Fan und bei jedem Heimspiel im Weserstadion. Das ist normalerweise auch einer meiner Lieblingsorte der Stadt. In der vergangenen Saison habe ich ihn leider allzu oft frustriert verlassen.

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