Die Tragödie ist noch immer allgegenwärtig. In Folge der verheerenden Erdbeben- und Tsunamikatastrophe am 11. März 2011 verloren Zehntausende ihr Leben oder gelten noch immer als vermisst. Ganze Dörfer wurden ausgelöscht. Die Heimat unzähliger Menschen ist für immer zerstört. Am vergangenen Sonntagabend war das alles vergessen: die Frauennationalmannschaft bezwang in einer atemberaubenden Partie den geradezu übermächtigen Gegner USA.
Mit der Trophäe im Gepäck treten sie nun die Heimreise an. Ein Preis, der ihre Landsleute, wenn auch nur für kurze Zeit, aus dem trübseligen Alltag herausholen könnte. Noch vor dem Match am Abend war die japanische Mannschaft in zahlreichen Fernsehsendungen zu sehen und hatte wiederum auch Gelegenheit die Situation zu Hause zu verfolgen. Trainerin Norio Sasaki und ihre Damen waren davon sichtlich ergriffen: “Wir wollen allen Leute zu Hause für die Unterstützung, die sie uns gegeben haben, danken.”
“Die Japaner haben so viel durchgemacht. Ich glaube, ihr Land braucht diesen Sieg dringender als unseres.”
Die Japanerinnen, die zuvor wohl niemand wirklich “auf dem Schirm” hatte, legte in den vergangenen Wochen ein geradezu grandioses Spiel hin. Zum ersten Mal überhaupt waren sie in einem großen Turnier derart erfolgreich. Das Leid der Daheimgebliebenen, die allein rund 23.000 Tote und Vermisste zu beklagen haben, hat sie dabei sicherlich angespornt. Ihr Banner “To our Friends Around the World — Thank You for Your Support.” ist bei den Zuschauern dieser WM sicher unvergessen. Auch vor dem Achtelfinale gegen Deutschland spielte die Katastrophe eine nicht unwesentliche Rolle. So hat Sasaki ihrem Team noch einmal Photos ihrer zerstörten Heimat gezeigt und sie so an ihr “höheres Ziel” erinnert. “Diese haben uns tief im Herzen berührt”, erzählt die Spielerin Aya Miyama hinterher.
Und die Heimat dankte es ihnen prompt. Der Jubel in der Hauptstadt Tokio war unendlich. Die Menschen trugen japanische Trikots und sangen als die Spielerinnen im fernen Europa den begeherten Pokal in Händen hielten. Die hiesigen Tageszeitungen brachten Sonderausgaben heraus. Die Fernsehsender zeigten die entscheidenden Szenen des Spiels immer und immer wieder. Schließlich war es der erste World Cup Titel, den ein asiatisches Land jemals gewonnen hat. Auch die Amerikanerinnen zeigten sich am Ende versöhnlich. So erklärt US-Nationalspielerin Abby Wambach später: “Die Japaner haben so viel durchgemacht. Ich glaube, ihr Land braucht diesen Sieg dringender als unseres.”
Photo: noworks?, via flickr
Pingback: Readers Edition » Frauen-WM: Japans Sieg richtet eine zerstörte …