Skandal auf dem Jazzfestival: Das Netz reagiert auf Aynur Dogan

Dass ihr Aufritt während des 18. Internationalen Jazzfestivals in Istanbul derart enden würde, das hatte sich die kurdische Sängerin Aynur Dogan im Vorfeld wohl nicht vorgestellt. Nur wenige Tage, nachdem 13 türkische Soldaten bei einem Attentat der Terrororganisation PKK ums Leben kamen, gab sie gemeinsam mit spanischen, griechischen und israelischen

weheeh.jpgDass ihr Aufritt während des 18. Internationalen Jazzfestivals in Istanbul derart enden würde, das hatte sich die kurdische Sängerin Aynur Dogan im Vorfeld wohl nicht vorgestellt. Nur wenige Tage, nachdem 13 türkische Soldaten bei einem Attentat der Terrororganisation PKK ums Leben kamen, gab sie gemeinsam mit spanischen, griechischen und israelischen Künstlern ein Konzert im Cemil Topuzlu Open-Air Theater. Doch als sie begann ein kurdisches Lied zu singen, wurde sie von Teilen des Publikums kurzerhand ausgebuht.

Der Eklat während des renommierten Festivals verbreitete sich schnell in den internationalen Medien. Während ein Teil der Zuhörer die Darbietung auf der Bühne durch das Singen der türkischen Nationalhymne sabotierte, erhielten Dogan und ihre Kollegen von der anderen Seite Unterstützung. Schließlich brach sie dennoch vorzeitig ab.

Blogger Beyhan Demirci, der sich im Publikum befand, hat die Szenerie gefilmt und das Video, in dem die Sängerin von der Bühne geht, online gestellt. In einer Twitter-Nachricht teilt er zudem mit: “Sie schrien ‘Sing’ auf Türkisch’, sie sagten ‘Märtyrer sterben niemals’, sie riefen ‘Buh!’. Und schließlich brachten sie Aynur Dogan dazu, die Bühne zu verlassen…”

“Die Sauerei auf dem Open Air geht weiter. Einige singen die türkische Nationalhymne, um das Konzert zu unterbrechen.”

Auch Meltem Gürler, die ebenfalls Zeuge war, berichtete über den Vorfall.: “Wir sind ernsthaft verstört über die Proteste gegen Aynur, weil sie sie kurdische Lieder gesungen hat. Sie Situation war extrem.” Aslı Tunç berichtet darüber hinaus, dass einige der Protestierenden das Konzertgebäude verließen, nach sie sich mit Unterstützern der Sängerin gestritten hatten: “Einige der Zuschauer verlassen das Open Air Konzert. Die Auseinandersetzungen gehen weiter.” Später twitterte sie, wie einige begannen, die türkische Nationalhymne zu singen: “Die Sauerei auf dem Open Air geht weiter. Einige singen die türkische Nationalhymne, um das Konzert zu unterbrechen.”

Noch bevor die Mainstream-Medien von dem Vorfall Wind bekamen, verbreitete er sich über die Sozialen Netzwerke. Die Folge war eine ausführliche Debatte über Rassismus und Intoleranz innerhalb der Türkei. Obschon viele der Eklat in Istanbul schwer erschüttert hat, gibt es auch Zeitgenossen, die dennoch optimistisch bleiben. So schreibt etwa @glcnavsar: “Diejenigen, die gegen Aynur Dogan protestiert haben, lieben meilenweit hinter der Entwicklung des Landes zurück.” Eine Schande sei das. Die bekannte türkische Sängerin Yasemin Göksu berichtet, dass sie kurz nach dem Konzert mit Aynur Dogan telefoniert habe: “Ich habe gerade mit Aynur Dogan gesprochen. Sie erklärte, dass sich einige durch den Support der Zuschauer für sie provoziert gefühlt hätten. Natürlich ist ihre Moral gerade am Boden. Doch im Großen und Ganzen geht es ihr gut.”

Facebook-Page drückt Solidarität zur Künstlerin aus

Zuschauer, die bis zum Ende blieben, erzählten, dass Dogan am Ende, als sie die Bühne ein zweites Mal betrat, doch noch stehende Ovationen bekam. Nicht wenige riefen ihr ihre Solidarität und ihre Haltung gegen Rassismus entgegen. Doch nicht nur weite Teile des Publikums stehen zu der Sängerin. Auch Görgün Taner, Vorstand des IKSV, die das Festival organisiert, erklärt: “Wir werden auch in Zukunft Konzerte organisieren, auf denen multi-kulturelle Stimmen präsent sein werden.”

Nach dem Konzert wurde auch eine eigene Facebook-Page ins Leben gerufen, die allejene verurteilt, die  Aynur Dogan attackiert haben und sich ebenfalls solidarisch zu ihr bekennt.

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