Eine Herausforderung für Deutschland: Die Krise der Bürgerlichen Weltanschauung überwinden und eine Realpolitik zwischen Tradition und Moderne schaffen.
Die Welt sei aus dem Gleichgewicht und quäle sich von einer Krise zur nächsten. Die Märkte haben versagt, hört man allerorts. Das posaunen die Linken, die Linksbürgerlichen und seit kurzem sogar die Konservativen. Stimmt das?
Nehmen wir an, drei Gruppen spielten Monopoly. Aus heiterem Himmel ändert die Spielleitung der Gruppe 1 kurzerhand die Regeln und schenkt allen Spielern, die kurz vor der Pleite stehen, zinslose Kredite. Die cleveren Spielleiter gehen davon aus, dass die bankrotten Spieler ihre Kredite niemals tilgen können. Deshalb wandeln sie die faulen Kredite in hochriskante Wertpapiere um und verschleudern sie an die Spielgruppe 2. Nach einer Weile ist in der Spielgruppe 1 zu viel Geld im Umlauf. Deshalb erhöht die Spielleitung die Zinsen, um die Gruppe vor einer Inflation zu bewahren. Da die armen Spieler die Zinsen nicht mehr zahlen können, gehen sie endgültig Pleite. In großer Panik vergibt die Bank keine Kredite mehr. Spieler sowie Spielleitung fallen um wie Dominosteine. In Spielgruppe 2 sieht es nicht besser aus. Die Anleger verlieren ihr Geld, die Bank schreibt die wertlosen Papiere ab und meldet schließlich Konkurs an.
Das Spiel heißt nicht Monopoly, sondern Finanzkrise.
Szenenwechsel. In Spielgruppe 3 zahlt die Spielleitung allen Spielern beim „Übers-Los-Gehen“ nicht nur 4,000 Euro Kindergeld, sondern zusätzlich 2,000 Euro „Wahlgeschenk“, um wiedergewählt zu werden. Das Wahlgeschenk wird über Schulden finanziert. Die Leitung der Spielgruppe 3 hat ein ehrgeiziges Ziel, denn sie möchte von der Amateurliga in die Champions League aufsteigen. Deshalb fälscht sie ihre Bilanz und tatsächlich, schließlich steigt sie auf. Weil die Champions League die Fälscher nicht rausschmeißen darf - einen Abstieg haben die Gründerväter nicht vorgesehen – müssen alle Spielgruppen für die Schulden der Fälscher einstehen und werden immer ärmer.
Das Spiel heißt nicht Monopoly, sondern Eurokrise.
Auch wenn fast alle Medien die Schuld beim „internationalen Raubtierkapitalismus“, in der „Gespensterökonomie“ oder in der „Spielhölle des Casinokapitalismus“, suchen, existiert immer noch das Gesetz von Ursache und Wirkung. Es waren nicht die Märkte, die das Chaos verursacht haben, sondern deren Spielleiter, also Politiker und Notenbankchefs. Nicht die Gier der Spieler nach Wahlgeschenken und Gewinnen war ursächlich, sondern die Spielleiter gierten nach Wiederwahl. Die Märkte haben nur auf die Missetaten der Spielleiter reagiert.
Versagt die Spielleitung, dann ist das Spiel aus. Versagen Regierungen und Notenbanken, passiert dasselbe. Im Grunde ist das alter Wein in alten Schläuchen. Der Markt muss geregelt werden! Das wusste weiland schon der gute Wirtschaftswundervater Ludwig Erhard und schuf flugs das Kartellgesetz.
Weil wir aber Mythen und Märchen lieben, springen wir auf die öffentliche Meinung und behaupten, was alle, sogar manch Konservative und Liberale meinen:
Die Märkte haben versagt und die bürgerliche Weltanschauung erst recht!
Und weil wir schon einmal dabei sind, behaupten wir frech: die soziale Marktwirtschaft hielt, was sie versprach, nur bis in die Spätwirtschaftswunderzeit hinein.
Bei allem Respekt für die Schöpfer von Mythen und Märchen – die Realität sieht anders aus. Tatsächlich wächst die deutsche Wirtschaft, die Arbeitslosigkeit sinkt und die Vize-Exportweltmeisterschaft scheint gesichert: Schaut man genau hin, dann ist die bürgerliche Weltanschauung viel besser als ihr Ruf. Aber allen Erfolgen zum Trotz wendet sich Deutschland ab von der Politik, die es einst stark gemacht hat.
Denn irgendwie passt die spießige Bürgerlichkeit schlicht und einfach nicht mehr in den Zeitgeist. Ein Beharren auf bürgerlich-liberale Werte kostet Wählerstimmen, das weiß unsere Kanzlerin schon lange. Der Prophet gilt nichts mehr im eigenen Land und an diesem Paradigmenwechsel sind die Konservativen selber schuld.
Denn der Konservatismus hat Federn gelassen. Finanzkrise und Eurokrise wurden den marktliberalen Kräften und den Konservativen angelastet. Die Plagiator-Affäre hat der Union viel Selbstbewusstsein gekostet, die Libyen-Posse die CDU/CSU stark verunsichert. Und mit dem unglaubwürdigen und überstürzten Atomausstieg hat Merkel das Restvertrauen verspielt. Schließlich wurde in NRW noch das Schulmodell gekippt.
Wer will heute noch konservativ sein, wenn all das was früher gut war, plötzlich nicht mehr gilt? Wie stark muss der konservative Wähler in Mark und Bein erschüttert sein, wenn in den Schulen Kruzifixe abgehängt werden, die Kirchen immer leerer, doch die Minarette immer höher werden. Die Frauen im Lande bekommen keine Kinder mehr, das Fernsehen sendet Exhibitionismus und Pornografie auf allen Kanälen. Kinder stürmen bewaffnet in die Schulen, tödliche Prügeleien auf Bahnhöfen werden zur Normalität. Deutsche Vorstädte gleichen Elendsvierteln in Absurdistan. Deutsch wird zur Fremdsprache im eigenen Land. Auch wenn die Wahrnehmung oft gefärbt ist: Die Konservativen sind verunsichert! Wer vertritt noch ihre Interessen? Enttäuscht und verbittert reihen sich ein ins Lager der potentiellen Nichtwähler.
Die Ängste der konservativen Bürger werden von den linksbürgerlichen Parteien ausgeblendet. Die grüne Realität ist eine saubere Multikuligesellschaft. Atomkraft – nein danke, Einheitsschule ja bitte! Soldaten raus aus Afghanistan! Die Parolen der Linksbürgerlichen treiben eine verschreckte Kanzlerin in den „Bürgerlichen Sozialismus“. Seit dem Kirchhofftrauma bedient Frau Merkel den Zeitgeist. Ihr Steuermodell hat schwarzgelb 2005 die Wahl gekostet. Daraus hat die Kanzlerin gelernt: Sie hat verstanden, dass Deutschland eine linksbürgerliche Regierung will. Die Wirtschaft muss moralisch und kapitalistisch sein, die Gesellschaft erwartet ein kuscheliges Sozialnetz. Wohlstand für alle, aber bitte ohne Risiko!
Im Laufe der letzten sechs Jahre hat Frau Merkel ihre Parteirechten- und Liberalen ausgemerzt, eingekocht, in Urnen abgefüllt und ins Mausoleum gestellt. Dort stehen sie nun neben Adenauer, Erhard und setzen Staub an, streng gehütet vom den Wächtern des linksbürgerlichen Modells, den beiden Herz-Jesu-Sozialisten, Märchenonkel Blüm und Jesuitenschüler Geißler. Hut ab! Endlich hat die Partei den linken Konservatismus bekommen, den die beiden Spitzbuben immer haben wollten.
Die Werte der Konservativen und Liberalen haben sich kurzerhand in Luft aufgelöst. Die atomare Katastrophe in Japan hat einen vierzig Jahre alten Energiekonsens innerhalb von drei Tagen im Mülleimer der Geschichte entsorgt. In NRW hat Röttgen das dreigliedrige Schulsystem verraten. Die letzte Bastion des Konservatismus ist gefallen. Und zu guter Letzt versetzen die Liberalen der alten Bürgerlichkeit den Todesstoß. Gebetsmühlenhaft verspricht die FDP mehr Netto vom Brutto in Zeiten der Schulden und der leeren Kassen. Das versteht niemand mehr. Auch die letzten konservativen Mohikaner zweifeln an der Intelligenz der FDP-Führung.
Die Grünen und Roten können sich freuen. Sie haben die rechten Bürgerlichen besiegt! Dafür spricht auch das Argument, dass in den letzten zwei Jahren Rotgrün mehr Reformen auf den Weg gebracht wurden als während der letzten vier Jahre. Die Regierung Merkel ist sehr weit nach links gerückt. Wenn Frau Merkel von konservativen Werten redet, dann klingt sie wie weiland Ulbricht oder Honecker, die ihr langweiliges Heilsversprechen auf einem SED Parteitag herunterrasselten.
Mit konservativen Werten kann man nicht mehr hausieren gehen, wenn sie alle dem Zeitgeist geopfert wurden. Von der Leyen und Röttgen sind Merkels Soldaten für den Linksputsch. Ein Gespenst geht um in Deutschland: die Sehnsucht nach einem moralischen Kapitalismus Aber diese Träume können Grüne und SPD scheinbar viel besser erfüllen als die kalten Liberalen und die ewiggestrigen Konservativen.
Und der neubürgerliche Wähler ist auch nicht dumm und vermutet richtig: Das Original kann es besser! Auch Gabriel weiß, dass er Wahlen nur gewinnen kann, wenn er die Steine zum Rollen bringt. Aber mit den „Stones“ rückt die SPD wieder nach rechts. Erinnern wir uns an die letzten beiden Jahre rotgrün. Die SPD-Linken und die Gewerkschaften hatten die Agenda 2010 bis aufs Messer bekämpft und Schröder aus dem Amt gejagt. Klaus von Dohnanyi hat im Interview mit der FAS letzte Woche gesagt, dass die SPD den linken Genossen, die an alten Zöpfen hängen, klar niederstimmen müsse. Der linke Flügel könne nicht mehr berücksichtigt werden, das gehe nicht mehr. Die SPD ist in der bürgerlichen Weltanschauung angekommen und nur nach außen hin gibt sie sich noch einen linken Anstrich.
Es ist jammerschade für den Konservatismus und den Liberalismus in unserem Lande, aber es ist ein ungeschriebenes Gesetz in Deutschland: Wirkliche Veränderungen schaffen nur die Linksbürgerlichen. Hätte ein CDU-Mitglied sich sarrazinisch geäußert, es hätte sich selbst abgeschafft.
Deutschland hat von jeher ein Problem mit der Integration von Tradition und Moderne. Es gab immer nur den Kampf zwischen „entweder“ und „oder“. Man muss die bürgerliche Weltanschauung nicht mögen, als Zuchtmeister und Wertegewissen eignet sie sich ganz bestimmt. Ja, sie ist sogar bitter notwendig! Klare Konturen sind ebenso wichtig wie Harmonie und Kompromiss. Heute fehlen dem Bundestag die großen Debatten zwischen Wehner und Strauß. Damals wusste man noch, warum man wen wählte. Heute weiß man nie, ob es Trittin oder Röttgen ist, der da gerade im Radio spricht.
Nun, da wir in Deutschland nur noch bürgerliche Parteien im Spektrum des „Mainstream“ haben – machen wir das Beste draus.
Ökonomie und Ökologie sind kein Widerspruch. Sie passen hervorragend zusammen, wenn man dem Produktionsfaktor Umwelt endlich einen Preis gäbe. Für Deutschland wäre eine nachhaltige Energie- und Wirtschaftspolitik, allerdings marktwirtschaftlich, ein guter Weg, der auch von Gewerkschaften und SPD Linken, freilich mit Fäusten in der Tasche, akzeptiert werden könnte.
Das konservative Element könnte traditionelle Werte und Regeln pflegen, die sich bewährt haben. Der kalten Progression und den Schlupflöchern des Steuerrechts begegnete man mit einer Steuerreform nach dem Modell Kirchhoff. Vielleicht könnte man zuletzt auch noch die Bürgerbewegung der Mutbürger von den Straßen auf die politische Bühnen bringen.
Schöne neue Welt? Nicht unbedingt! Schließlich ist es egal, wer regiert. Ob schwarzgelb, rotgrün, schwarzgrün oder schwarzrot. Es gibt ja nur noch bürgerliche Parteien.
Photo: Rolf Handke, via pixelio.de
Ein interessantes Thema, das nach der bevorstehenden Verwirklichung der Natürlichen Wirtschaftsordnung noch viele unvoreingenommene Wissenschaftler beschäftigen wird:
Wahre Poesie erzählt immer eine wahre Geschichte über die Zukunft.
Dazu eine bekannte musikalische Vorhersage zur so genannten öffentlichen Meinung im aktuellen Jahr nach Monaten sortiert,…
http://www.youtube.com/watch?v=scDNei30PNU
…bezüglich einer Erkenntnis, die immer mehr in das allgemeine Bewusstsein dringt:
http://opium-des-volkes.blogspot.com/2011/07/die-ruckkehr-ins-paradies.html