Junge, gut ausgebildete Nachwuchsjournalisten wollen vernünftig bezahlt werden

Die Presse in einer Demokratie wird als die “Vierte Gewalt” bezeichnet. Nimmt man nun diesen hohen Anspruch auch in praxi tatsächlich ernst, so kommt der Schreibenden Zunft, den Journalisten, eine sehr hohe Verantwortung betreffs des ständigen Anmahnens eines Schutzes der Demokratie und deren ständigen Pflege, des Rechtsstaates – respektive der

RADIO.JPGDie Presse in einer Demokratie wird als die “Vierte Gewalt” bezeichnet. Nimmt man nun diesen hohen Anspruch auch in praxi tatsächlich ernst, so kommt der Schreibenden Zunft, den Journalisten, eine sehr hohe Verantwortung betreffs des ständigen Anmahnens eines Schutzes der Demokratie und deren ständigen Pflege, des Rechtsstaates – respektive der Gesellschaft insgesamt – zu. Ins Werk setzen kann und muss verantworlicher Journalismus dies hauptsächlich durch die unablässige Kontrolle der Regierenden und Mächtigen im Lande. Geschehen soll das hauptsächlich unabhängig und kritisch gegenüber allem und jeden, sofern sich das erforderlich macht. Die vornehmste Aufgabe der Presse, der Medien (ausgenommen freilich Kommentare) sollte eigentlich darin bestehen, den Bürgerinnen und Bürgern Informationen dergestalt in die Hand zu geben, dass sie sich dadurch in die Lage versetzt sehen, sich über gesellschaftliche, politische, wirtschaftliche und kulturelle Ereignisse und Prozesse ein Bild zu machen, um sich auf diese Weise selbst eine Meinung bilden können. Es ist leider so, dass dieser Anspruch von den führenden Medien dieser Republik – Ausnahmen bestätigen die Regel – in den vergangenen Jahren kaum mehr erfüllt worden ist. Und das ist meiner Meinung noch gelinde ausgedrückt. Stattdessen hat tendenziöse Meinungsmache, Verkündigungs- und Papageienjournalismus zugenommen. Negativ wirkt sich mit Sicherheit auch die zu große Nähe bestimmter Journalisten zu regierenden Politikern aus. Hier und da mag das eine oder andere wegen seiner Negativwirkung gefährliche Manko durch Internetmedien (ein Stück weit sicherlich auf durch dieses hier) ausgeglichen worden. Fundamentale Kritik an Gesellschaft, Politik und Wirtschaft (vor allem in Bezug auf die Finanzmarktkrise) oder dem Mainstream gegenüber konträre Auffassungen, die von Meinung machenden Großmedien und selbst den öffentlich-rechtlichen Rundfunk- und Fernsehanstalten ignoriert wurden und nach wie vor werden, kann nicht mehr so leicht unterdrückt werden. Dennoch: Der deutsche Journalismus hat auf weiten Strecken versagt. Sein Zustand im Ganzen betrachtet ist mindestens besorgniserregend.
Gründe dafür mag es viele geben. Sicherlich sind dafür vorallem bei den Printmedien auch erhebliche Finanzierungsprobleme – entstanden durch teils erhebliche Verluste im Anzeigengeschäft – verantwortlich

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Am Eigentlichen darf nicht gespart werden

Doch am Eigentlichen noch weiter zu sparen, kann nicht im Sinne des Erfinders sein, gesetzt den Fall es soll wirklich guter und kritischer Journalismus gemacht werden. Zum Eigentlich gehören freilich schlicht die “Macher” selbst: die Journalisten. Doch an deren Bezahlung wird fleißig weiter gespart und soll, geht es nach den deutschen Zeitungsverlegern, künftig noch mehr gespart werden. Dabei wurde in vielen Redaktionen schon “rationaliert”. Angeblich um die Redaktionsarbeit zu optimieren und um die Ressorts besser zu koordinieren, verschwinden immer mehr Redaktionsstuben und werden durch sogenannte Newsdesks ersetzt. Davon verspricht man sich ein verbessertes ressortübergreifendes Arbeiten. Kritiker sehen es allerdings anders: die Selbstständigkeit der Kollegen geht weitgehend verloren, die klassischen Ressorts “verschwimmen” ineinander und der Lärm in den Großräumen behindert konzentriertes Arbeiten. Darüberhinaus gehen ohne Zweifel – wie man es auch immer drehen mag – Journalistenarbeitsplätze verloren. Vor ein paar Jahren konnte man das z. B. beim Verlag Lensing-Wolff verfolgen (RE-Beitrag von 2007). Die/den klassischen Reporterinnen/Reporter findet man kaum noch: Sie/er müssen ‘raus zur Recherche, Photos machen (und später bearbeiten), den Beitrag am Computer schreiben, für den Druck vorbereiten und, und und. Mehr und mehr leidet unter dem oft enormen Arbeitsaufwand eine wichtige Tätigkeit des Journalisten: das gründliche Recherchieren. Es ist einfach zu zeitaufwändig. Da wird dann schon einmal aufs Internet zurückgegriffen. Die nötige Verifizierung der Informationen ist oft gar nicht mehr möglich: aus Zeitgründen. Fraglos leidet darunter die Qualität von Journalismus. Nicht selten auch die Seriosität. Wohin das führen kann zeigt uns abermals ein Blick übern großen Teich in die USA. Dort gibt es schon Zeitungen  (sogar lokale!), die lassen die Seite von Redakteuren in Indien (!!!) schreiben. Die Indern recherchieren dafür einfach im Internet. Verrückt? Schöne neue Journalismus-Welt!

Offener Brief von Nachwuchsjournalisten an die Zeitungsverleger

Soweit soll es – geht es nach dem Journalistennachwuchs – aber in Deutschland nicht kommen. Sie weisen daraufhin, dass die heutigen Absolventen sehr gut ausgebildet und bestens auf die Praxis vorbereitet worden sind. Etwa auch hinsichtlich der Kenntnisse und Fähigkeiten betreffs des Web 2.0. Sie brennen darauf in die journalistische Praxis auszuschwärmen und fleißig zu arbeiten. Eine – nur zu verständliche Forderung – haben sie jedoch: sie wollen vernünfig bezahlt werden.

Nachwuchsjournalisten hatten sich mit einer Petition zu Wort gemeldet. Ihr Offener Brief an die deutschen Verleger hebt so an:

“Wir sind der Journalistennachwuchs in Deutschland. Sie haben vielleicht schon einmal von uns gehört. Sie sind gerade dabei über unsere Zukunft zu entscheiden. Mit einem Billiglohn wollen sie unsere Berufsaussichten kaputt machen. Auch wenn Sie oft etwas anderes behaupten, Sie gefährden dabei auch die Zukunft des Journalismus. Journalismus ist schon jetzt für Viele ein zunehmend unattraktiver Beruf. An den Universitäten und den Journalistenschulen erfahren junge Journalisten früh wie schlecht die Arbeitsbedingungen im Medienbereich geworden sind. Viele von uns erleben, wie Freunde sich vom Journalismus abwenden. Sie gehen lieber in die PR oder suchen sich andere Jobs mit besseren Zukunfsaussichten. Die Verlage werden schon bald Probleme bekommen, noch genug gute Bewerber zu finden…” (Den gesamten Wortlaut des Offenen Briefes der Nachwuchsjournalisten an die deutschen Zeitungsverleger finden Sie hier.)

Die inzwischen abgeschlossene Online-Petition der Nachwuchsjournalisten wurde von insgesamt 1727 Personen unterschrieben.

Noch immer keine Einigung im Tarifstreit

Noch immer ist keine Einigung über einen neuen Tarifvertrag für die rund 14 000 Zeitungsredakteurer erzielt worden. Im August wollen die Tarifparteien die Gespräche fortsetzen. Nach Angaben der Gewerkschaften fordert der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) Tarifabsenkungen von bis zu 30 Prozent, die sich vor allem bei Berufseinsteigern drastisch auswirken würden.

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  1. Mittlerweile stehen die Zeichen auf Streik. Nun stimmten auch auch in NRW organisierten größtenteils zu. Die Verleger bewegen sich nicht.