Man sieht es ihm nicht an, wenn er so dasteht. Gar nicht eitel, bescheiden könnte man meinen. Lediglich seine Farbe hat etwas von Aufmüpfigkeit. Aber, wenn er beabsichtigt sich zu bewegen, dann ist Schluss mit der Zurückhaltung. Dann dröhnt und poltert es, dass im Ort die Bilder an den Wänden klappern. Nun wissen alle, dass er etwas vorhat. Er möchte sich bewegen und alle im Land sollen sich mit ihm erfreuen.
Wer jemals hinter den Abgasröhren eines Formel1-Boliden beim Start für ein Imkreisfahren, beispielsweise im Autodrom von Monza, gestanden ist, ahnt in etwa, was da vor sich geht. Und dieser Ohrenschmaus wird nun zelebriert, bis er gemächlich in Bewegung kommt. Da wird angerollt – majestätisch, würdevoll und sehr bedächtig die Spannung aufgebaut, welche sich dann plötzlich entlädt: ein Gebrülle der Extraklasse, dass im Umkreis die Fensterläden krachen und es Zwei- und Vierbeinern im Land die Ohren anlegt. Von jetzt an dürfen alle am Bewegungsdrang teilhaben und akustisch Rothäubchens Reise in der Umgebung mitverfolgen.
Dies alles gefällt dem roten Aufwecker dermaßen, dass er versucht, so oft er nur kann seine elitären Fähigkeiten für das Radaugepolter auszuleben.
Auf seinen Ruheplatz – unmittelbar vor dem Kindergarten – ist das rote Auto mächtig stolz. Besonders, seit es die Psycho-Weisheit „lärm ich, so bin ich“ gehört hat. Bei so viel Vorbild kommen Rothäubchen die Tränen, es schwellt die Brust und macht ihn rasend vor Glück.
Ein wertvoller Entwicklungsbeitrag zur Egoreifung, denn „was Hänschen darf erfahren, prägt Hans noch nach Jahren“.
Das hat im sein Herrchen erzählt.
Und immerhin, der ist der Wart im Kindergarten.
Kommentare
Schreibe den ersten Kommentar für diesen Artikel.