Am 20.07.2011 berichtete Financial Times Deutschland von schwimmenden Atomkraftwerken, die China finanzieren und Russland im nächsten Jahr bauen will. Sie sollen abgelegene Küstenstädte von See aus mit Strom versorgen. Strahlend weiß wie Luxus-Kreuzfahrtschiffe sollen sie sich einschmeicheln. Statt einsichtig-rückbesinnend dreht der Kurs nuklearen Irrsinns auf rücksichtslos-vorbrechend.
Dies ist kein Zufall, Meldungen zur AKW-Renaissance nehmen zu. Erhöhte Risiken werden in Kauf genommen.
Wer oder Was (die Dauer der Informationsflut oder undurchsichtige Beschuldigungen) macht die Menschen schleichend gleichgültig und quasi resistent gegen mögliche Gefahren? Dadurch droht den Menschen die Gefahr sich ungewollt den von anderen geschaffenen Fakten ausgesetzt zu sehen.
Verharmlosend “Schwimmende Steckdosen” genannt, werden die auf See stationierten AKW’s im fernen Sibirien, im Polarmeer, in China, in Indonesien, Indien, den Golfstaaten, Marokko und Thailand zum Wohl weniger Aktionäre.
Sie werden die Lebensräume der Tiere verseuchen, Menschenleben gefährden und trotzdem vor Anker gehen dürfen.
Wer erlaubt ihnen das? Nach welchem Recht?
Gut, Menschen in entlegenen Regionen müssen energetisch versorgt werden. Der Wunsch moderne Technologien zu nutzen ist verständlich, aber nicht um jeden Preis. Wo er Leben bedroht, ist ihr Einsatz mindestens fragwürdig. Unabhängig davon, wer mit welcher Absicht schädigt, allein die Absicht ist ethisch und moralisch verwerflich.
Auf See betriebene AKWs werden auch dort gekühlt und gereinigt. Wo an Land große Wassermassen und Kühltürme benötigt werden, kann im Meer ein direkter Kreislauf mit allen schädigenden Nachteilen zur kostensparenden Anwendung kommen. Radioaktive Verunreinigung und Aufheizung des Meerwassers wären naheliegende und inakzeptable Folgen. Es solle nur wenig radioaktiver Abfall anfallen, da er unmittelbar am Standort wiederaufbereitet würde. Doch Vorsicht! Ist es Absicht oder Unkenntnis? Heiße Zellen zur Wiederaufbereitung ohne Risiko im Meer?
Die Initiatoren bezeichnen “Schwimmende AKW’s” als wegweisendes Projekt, denn bis zu 333 Mio. Euro Jahres-Nettogewinn sollen die 70 MW leistungsstarken Anlagen einspielen. Weiße Farbe soll wohl ihre Unschuld symbolisieren.
Ihr äußeres Design soll ihnen den Status von Luxuslinern verleihen. In Wirklichkeit sind sie strahlende, gepanzerte Kloaken in ungeschützten Lebensräumen; legitimiert nur durch Profitgier. Wo und mit wem wollen wir auf diesem Planten zusammen leben?
Werden unsere Enkel uns bewundern, bedauern oder verachten?
Haben wir es alle nicht besser gewollt oder gekonnt? China finanziert, Russland baut, betreibt und vermietet diese Anlagen weltweit, um so durch den Eigentumsvorbehalt den Atomwaffen-Sperrvertrag zu umgehen. Sollen alle nur zusehen? Nein, wir dürfen uns alle unliebsame Folgen teilen. Wird es so weit kommen? Ja, das ist ein typisches Merkmal unseres Gesellschaftssystems.
Ahoi “Weisse Flotte”! Lassen wir uns treiben, genießen wir die Fürsorge der Investoren, danken wir für unsere komfortable Infrastruktur. Danken wir auch all denen, die unseretwegen soviel Mühe aufwenden, ihr Kapital einsetzen und störende Widerstände überwinden. Oder sollten die Akteure besser brauchbare Alternativen suchen damit sie mit uns einvernehmlich ihr Ziel erreichen?
Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Angebote gibt es, ernsthafte Nachfrage nicht.
Photo: Thommy Weiss, via pixelio.de
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