Qualitativ schlechte Anlegeberatung, ja sogar Fehlberatungen, sind in Deutschland in den letzten Jahren immer häufiger geworden. Des Weiteren scheinen die deutschen Anleger in Bezug auf die Produkte, in die sie investieren, enorm ahnungslos zu sein.
In Deutschland können Privatanleger in Produkte investieren, die so gut wie gar nicht reguliert und zudem kompliziert zu verstehen sind. Dies stellt eine Ausnahme bei den westlichen Industrienationen dar. Die meisten anderen Länder im europäischen Ausland haben Regulierungen, nach denen zum Beispiel Zertifikate nicht an Kleinanleger verkauft werden dürfen. Sogar die USA folgt diesem Beispiel, obwohl dort sonst mit Finanzen eher freizügig umgegangen wird.
Möglicherweise liegt der Grund für die nicht stattfindende regulatorische Umsetzung in der deutschen Anlageberatung, die seit Jahren in der Kritik steht. Oft sind Finanzberater der Banken nur auf die hohen Provisionen aus. Falschberatungen stehen sozusagen auf der Tagesordnung, denn die Bedürfnisse der Kunden werden in vielen Fällen hinten angestellt. Jürg Zeltner, der als CEO beim Wealth Management der UBS tätig ist, versucht die Branche der Finanzberater zu verteidigen und sagt: „Die Kunden wollen vom Anlageberater Gewissheit, dass dieser die langfristigen Kundeninteressen vor seine eigenen stellt.“ Bei den immer häufiger werdenden Falschberatungen stellt sich jedoch die Frage, ob dieses Prinzip wirklich angewendet wird.
Finanzexperten sehen den Grund der fehlenden Regulierung in Deutschland jedoch auf einem anderen Gebiet. Ihrer Meinung nach ist diese auf das Prinzip des „zurückschwingenden Pendels“ zurück zu führen. So war es der Bundesbank bis weit in die neunziger Jahre nicht recht, die Kontrolle über die Geldmenge aus der Hand zu geben und nachdem die EU aber auf eine stärkere Einheitlichkeit auf den Finanzmärkten gedrängt hatte, regulierte man diese in Deutschland auf extreme Art und Weise.
In Wirklichkeit scheint die erste Theorie jedoch wahrscheinlicher.
Häufig werden den Deutschen Produkte verkauft, die angeblich eine hohe Rendite einbringen sollen. Doch in Wahrheit sind diese enorm riskant und zudem äußerst unübersichtlich. Auch Zertifikate, die besonders hohen Risiken unterliegen, können in Deutschland von Privatanlegern gekauft werden. In den meisten anderen europäischen Ländern ist das nicht so. Im Fall von Deutschland werden den Kunden Zertifikate direkt angeboten und müssen von diesem ausdrücklich abgelehnt werden, während in den meisten Ländern speziell nach diesen gefragt werden muss. Es sollte also dringend etwas für die Aufklärung der deutschen Anleger getan werden.
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Die Berater sind überhaupt keine: sie sind Verkäufer. Da liegt doch der Hase im Pfeffer.