Deutschland ergrünt! Selbst die Regierung hat alte Sünden im Handumdrehen grün übertüncht. Bis 2022 werden alle Atomkraftwerke stufenweise abgeschaltet!
Nun könnten wir doch aufatmen, uns über eine strahlungsfreie Zukunft freuen und uns auf die Schultern klopfen ” wir haben es doch geschafft, oder?
Nein, Deutschland ist eingeschläfert vom seligen Opium der ökologisch korrekten Verheißungen. Schaut man sich die angeblich so grünen Entscheidungen genau an, dann erscheinen sie uns genauso trist und grau wie unsere schlimmsten Befürchtungen.
Auch wenn viel für eine grundsätzliche Energiewende spricht, könnte der überstürzte juristisch und politisch fragwürdige Ausstieg aus der Nuklearenergie zum Fiasko werden.
Denn ein Teil des Verstrahlungsrisikos wurde nur ersetzt durch die Risiken zusätzlicher Treibhauseffekte sowie hinzukommender Nebenwirkungen alternativer Energien. Wir sollten nicht glauben, dass sich alle Zielkonflikte auflösen und die Komplexität der Moderne abnehme, nur weil fast alle Parteien nun grün geworden sind. Schauen wir genau hin, dann hat sich die hemmungslose Ausbeutung unseres Planeten nicht geändert.
Deutsche kauften 2010 etwa 20 Prozent mehr Geländelimousinen (SUV) als im Vorjahr. Für die zehn Kilometer vom Eigenheim zum Golfplatz benötigt der beruflich gestresste Besserverdiener mindestens 300 PS, die 1,500 kg bewegen, wenigstens zehn Liter verbrauchen und übermäßig CO2 ausstoßen.
Vor dreißig Jahren reichten ihm Mini, Ente oder R4, heute muss es eben ein Porsche Cayenne sein.
Gut, damals fuhr er auch nur zum Fußballplatz, doch die durchschnittliche Wegstrecke war fast identisch.
Und warum nimmt unsere politische Führung das achselzuckend hin? Nun, man verscherzt es sich nicht mit der letzten Lobby, die einem noch bleibt.
Früher hatte man seinen PC am Arbeitsplatz, heute stehen zuhause PC, Notebook, Internetradio und Fernseher herum, alle im “Stand by Modus”, weil das Wireless LAN ständig eingeschaltet sein muss.
Kleider werden heute für eine Saison gekauft, früher mussten sie fünf bis zehn Jahre halten. Vor zwanzig Jahren war es noch üblich, dass Kinder nacheinander die Kleider ihrer Geschwister tragen. Heute rümpft man darüber verächtlich die Nase, falls man überhaupt noch mehr als ein Kind großzieht.
30 bis 40% der Nahrungsmittel werden in Europa und in den USA weggeschmissen. Wir produzieren und amüsieren uns zu Tode! Kein Wunder, dass der weltweite Energieverbrauch von 2009 auf 2010 um knapp 6% gestiegen ist, trotz der Schönwetterveranstaltungen in Kyoto, Kopenhagen und Cancun.
Der Erdölverbrauch steigt, die Artenvielfalt nimmt ab, die Verwüstung breitet sich aus, Müllberge erklimmen babylonische Höhen, die Verschmutzung der Gewässer schreitet immer weiter fort und vielen der etwa 500 Millionen Umweltflüchtlingen droht der Hungertod. Diese entmutigende Beschreibung des Status Quo ließe sich mühelos fortsetzen.
Zugegeben: Die komplexe konfligäre Welt macht nachhaltiges Handeln fast unmöglich.
Zwei Beispiele machen den Zielkonflikt deutlich: Wir haben unsere Glühbirnen durch Energiesparlampen ausgetauscht. Dadurch glauben wir, dass wir umweltbewusste moderne Bürger geworden sind. An diese Energiesparlüge glaubt heute noch nicht einmal mehr die Fachzeitschrift “Ökotest”.
Und damit wir Biosprit tanken dürfen, wird in Afrika weniger Getreide für Nahrungsmittel angebaut. Hungerkatastrophen werden dadurch zumindest mitverschuldet.
Nun fragt sich der frustrierte Leser: Was können wir tun?
Sehr viel, denn nachhaltiges Handeln fängt im Kleinen an. Wenn wir jetzt nicht verzagen, sondern jede Konsum-Entscheidung überdenken und Pro und Contra gegeneinander abwägen:
Muss es der Porsche Cayenne sein oder reicht ein Citroen Berlingo? Muss die “Stand-by-Taste” der PCs, Radios, Fernseher, WLAN Router etc. eingeschaltet sein? Muss der Zweitkühlschrank im Keller ständig laufen? Muss der Trockner im Sommer wirklich genutzt werden? Entscheiden wir uns bei den Hauptverbrauchern Kühlschrank, Waschmaschine und Trockner tatsächlich für AAA Geräte? Auch diese Liste ließe sich endlos weiterführen.
Das Energieeinsparpotenzial privater Haushalte liegt bei durchschnittlich rund 20 Prozent. Nutzten wir unsere Möglichkeiten, könnten wir heute schon auf alle AKWs verzichten. Packen wir es an – unseren Kindern zuliebe!
Photo: Gerd Altmann, via pixelio.de
Genau. Am besten hier anfangen.