Die Welt schaut in diesen Sommertagen besonders gebannt nach Ostafrika. Nach der schlimmsten Dürre und Hitzeperiode der letzten 60 Jahre herrscht am Horn von Afrika eine unvorstellbare Hungersnot, die mehr als 11 Millionen in Äthiopien, Kenia, Uganda, Eritrea, Dschibuti, Ruanda, Burundi und vor allem Somalia bedroht.
Jüngst veröffentlichten die USA einen Bericht, wonach mehr als 29 000 Kinder bereits an den Folgen der Hungersnot gestorben seien. Statistisch gesehen ist halb Somalia, eines der ärmsten Länder der Erde, auf Soforthilfe aus dem Ausland angewiesen. Sonst drohen tausend weitere Opfer in den nächsten Wochen und Monaten.
Dabei ist diese katastrophale Entwicklung am Schwarzen Kontinent keine Überraschung. Sie war schon längst vorprogrammiert. Natürlich, man kann nicht wissen, dass in Somalia plötzlich kein überlebenswichtiger Regen mehr einsetzt. Aber die wichtigen und notwendigen Vorsorgungen in solchen Risikogebieten müssten langsam auch in der westlichen Welt und vor allem auch in den arabischen Ländern angekommen seien.
Alleine Afrika wird diese fast utopischen Herausforderungen nicht stemmen können.
Finanziell sowie strukturell. Mehr als 1,1 Milliarden Euro werden laut dem UN-Generalsekretär Ban Ki Moon an Soforthilfen benötigt, um ausreichend alle Flüchtlingscamps zu versorgen und schwer unterernährten Menschen das Leben zu retten.
Reflexartig fließen Hilfsgelder und Spenden aus aller Welt, Stiftungen engagieren sich eigens für das Projekt Ostafrika und plötzlich schaut Mutter Erde nur in eine Richtung: Somalia und Co. Es wird in diesen Tagen wieder mehr als deutlich, wie viel Einfluss die Medien auf die Menschen im globalen Zeitalter haben. Ein Beispiel: Wer schaut dieser Tage noch nach Haiti, das nach dem Jahrhunderterdbeben noch immer einer Ruinenstadt gleicht? Ach ja, da war doch was Anfang 2010. Oder nach Sri Lanka und Thailand, wo mehr als 230 000 Menschen starben und deren Angehörige noch 7 Jahre später in Baracken hausen. Die Atomkatastrophe in Japan plus Erdbeben und Tsunami tat ihr Übriges, jedes mal, wenn die Medien nur noch ein Thema im Fokus haben, schlägt sich das auch auf die Gemütslage und die Ausgabelust der Bürger nieder. Man kann es den Menschen aber auch nur teilweise verübeln. Hier gilt es, sich von der Eingefahrenheit der Medien zu lösen und sich breiter zu informieren, anstatt sich immer nur die Meinungen schön auftischen zu lassen.
Zurück aber zu der Hungerkatastrophe in Afrika, die im Moment viel wichtiger ist: Fakt ist, dass die Hilfsgelder gut und richtig sind, jedoch keine Langzeitwirkung haben. Jeder Euro rettet Leben, sichert die Grundversorgung und medizinische Hilfe an gepeinigten Menschen, die nichts für ihr Leid können. Aber auf Dauer wird die internationale Politik, hier ist vor allem die UNO im Zentrum des Interesses, mehr als nur Flugbrücken und warme Worte zeigen müssen. Doch auch die arabische Welt, sonst immer ein großer Freund der Afrikaner, muss jetzt Verantwortung und Hilfsbereitschaft zeigen. Weniger Geld für Militärausgaben, mehr für das Sozialwesen, das kann sich Saudi-Arabien als reicher Ölstaat auf die Fahne schreiben.
Zudem ist es wichtig, die demokratischen Strukturen in Afrika weiter zu festigen.
Ansonsten wird der Kontinent ewig im autokratischen Strudel von Stammesfürsten und Despoten zurückbleiben. Hierzu ist Entwicklungshilfe vor Ort nötig, die der islamischen al-Shabaab-Miliz im Süden Somalias nicht weiter freie Hand lässt. Denn diese verhindert wichtige Hilfslieferungen ins eigene Land und terrorisiert den Staat seit mehr als 20 Jahren. Denn solange keine ausreichenden Vorsorgungen mit Bewässerungssystemen und Saatgut getroffen werden, wird sich an der schlimmen und angespannten Lage in Ostafrika nichts ändern.
Eine große wirtschaftliche Chance und Einnahmequelle der Zukunft würde Somalia auf die Beine helfen: der Einsatz von Solarzellen und die verstärkte Nutzung der regenerativen Energien im Hinblick auf die Energiewende und den Klimawandel.
Zudem muss auch die Afrikanische Union von ihrem korrupten System befreit werden. Die Organisation, die eigentlich zur Kontrolle der einzelnen afrikanischen Staaten und zur Festigung von Handelspartnerschaften gegründet wurde, zeigt sich mehr und mehr gesichts- und profillos. Keine Ideen, keine Reformen, keine Konzepte. Statt sich zu den Massenprotesten und der Militärgewalt in Syrien oder Libyen zu äußern, legt sie die Hände in den Schoß und trinkt gemütlich eine Tasse Tee. Irgendwie löst sich schon der Konflikt. Und wenn nicht?
Afrika kann nur ein Kontinent mit Zukunft und Hoffnung werden, wenn sich die westliche Welt unter Beteiligung Arabiens stärker am Wachstumsprozess und an der Entwicklung beteiligen. Ein systematischer Aufbau von Strukturen und einheitlichen Rechten ist jetzt wichtig. Die Menschen, die jeden Tag leidvoll um ihr Leben bangen, hätten sich klügere und endlich ernsthaftere politische Entscheidungen verdient.
Es bleibt einfach keine Zeit für einen Sommerurlaub der Parlamente und Politiker, dafür ist dieses Problem viel zu wichtig- es betrifft die ganze Welt und muss rasch gelöst werden. Auch wenn es nicht von Heute auf Morgen funktioniert.
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