Dicht gedrängt gratulierten unzählige Gäste dem Verein zur Förderung der Rockmusik und wünschten den fast 400 Mitgliedern auch weiterhin gutes Gelingen
Zum 25jährigen Jubiläum der Musikinitiative Hammelburg e.V. stellten die freiwilligen Helfer des Vereins Großes auf die Beine oder besser gesagt auf die Bühne. Von Hammelburg bis Hamburg reisten acht Bands mit verschiedensten Musikstilen im Gepäck an und präsentierten ihr Programm, das für die Zuschauer nicht wenige Überraschungsmomente bereithielt.
Dass das Mammutprojekt “Castle Rock” am Ende doch noch so gut ausgehen würde, hatten wohl weder die gut 80 ehrenamtlichen Helfer, noch das teils völlig durchweichte Publikum gedacht. Nach einem sonnigen Start in das etwa zwölf Monate geplante Line-Up schien es, als ob Petrus sich gegen das Vorhaben hoch über der Saalestadt wenden würde. Doch der hatte die Rechnung ohne das Durchhaltevermögen der vielen Fans gemacht. Von strömendem Regen, der ab dem frühen Abend über das Festivalgelände prasselte, ließen sie sich nicht beeindrucken und feierten sich anstatt dessen von Höhepunkt zu Höhepunkt.
Mit den ersten drei Bands, die zum Auftakt der Geburtstagsfete die Bühne stürmten, wurde dem Publikum ein Querschnitt aus der Vereinshistorie geboten. Von den Urgesteinen “Double UC” über die “multiversischen Ghostbastärtz” bis hin zu einer der jüngsten Musikinibands, “Dumb”, war alles mit dabei, was 25 Jahre Musikgeschichte zu bieten hatten: Von den 70ern bis 90ern wurden sämtliche Spielarten des Rock aufgefahren.
Spaceman Spiff schwelgt in alten Musikini-Erinnerungen
Besonders gefreut haben dürfte sich gerade das jüngere Publikum auf einen Künstler, der vor noch nicht all zu langer Zeit aus Hammelburg ausgezogen ist. Denn Ausreißer “Spaceman Spiff” hat es von Hamburg wieder einmal in die Heimatstadt Hammelburg gezogen. Und statt ruhigen Tönen mit der Akustik-Gitarre holte er sich gleich zwei talentierte Musiker mit Schlagzeug und Bass dazu. Eine absolute Premiere! Nach drei Tagen intensiven Probens in den Kellern des Wasserhauses, war nun die Feuerprobe des etwas anderen Konzertes mit “Spaceman Spiff”. Interessante Details gingen aus dem persönlichen Gespräch mit Hannes Wittmer hervor: Schlagzeuger Johnny, der normalerweise nur auf seinen Tonträgern zu hören ist, war nun erstmals live zu erleben. Wenn schon “neu”, dann richtig, lautete die Devise des Frontmanns, der daneben gleich zwei bisher ungehörte Stücke für “sein” Hammelburg im Gepäck hatte. “Es war schon ein lustiges Gefühl, wieder im Wasserhaus zu proben. Wie in den alten Zeiten”, schwelgte Hannes kurz nach seinem Auftritt in Erinnerungen. Nur allzu gut hat er die eigene Anfangszeit in der Musikini noch vor Augen. Mit Getränkekisten, die er die Rathaustreppen hinunter getragen hatte, fing alles an. Auch sein Vater trage eine gewisse “Mitschuld”, dass er noch vor dem Bau des Wasserhauses im Jahr 2004 in den Verein eingetreten war. Die Mühen der letzten Jahre haben sich offenbar gelohnt. Jetzt blieben seine Fans trotz Regen und eines ungeplanten Deko-Wasserfalls tapfer stehen und feierten gemeinsam mit dem Ex-Frontmann der Taschenrocker in den hereinbrechenden Abend.
Übrigens: In Sachen Regen kennen sich “Timid Tiger” bestens aus. Bereits 2010 rockten die Jungs das Taubertal Festival und hielten die Zuschauer trotz Sturzbächen bei Laune. Diesmal kapitulierten jedoch die Himmelspforten. Beim Castle Rock auf Schloss Saaleck bedeutete das doppelt soviel Action auf der Bühne sowie im Publikum.
Angetrieben von elektronischen Drumsounds hüpfte die Menge im Takt der Base. Barfuß oder mit Schuhen ” das war hier ganz egal. Denn der vorhergegangen Regen störte bei dieser energiegeladenen Show niemanden. Und das Quartett gab von der ersten Minute an ordentlich Gas. Kurzerhand wurde das Publikum für das Cover eines Liedes aus einem Bollywood-Film genutzt, um diese im wahrsten Sinne des Wortes höchstpersönlich mit einzubinden. Einwandfreies mitlesen und dementsprechend lautstarkes mitsingen war garantiert. Nur wenige hatten die Kölner vor ihrem Hammelburger Debüt sprichwörtlich auf dem Schirm. Am Ende waren nicht wenige baff, ob der Show, die diese Herrschaften abgeliefert hatten.

Die Fans hatten die Sonne im Herzen
Dem in nichts nach standen “Mellow Mark” und “Pyro Merz”, die anlässlich des Musikini-Geburtstages eine Band mitgebracht hatten. Die “Ruffcats” sorgten für das nötige Instrumental und “Mellow & Pyro” für die restliche Stimmung. Der wieder einsetzende Regen störte auch diesmal kaum und die Pfützen wurden beim Hüpfen dezent umgangen. Wie angekündigt tanzte Jung neben etwas älter und erfreute sich nach diesem schwülen Tag an einer “kleinen” Dusche von oben. Oder wie ein Fan der Combo erzählte: “Den Regen merke ich gar nicht, Hauptsache man hat Sonne im Herzen!”, erzählte ein extra aus Wertheim angereister Fan der in rot, blau und grün bemalten Musiker.
Nicht weniger farbenfroh präsentierten sich die Headliner “Bakkushan”. Passend zu ihren Songtexten wie etwa “Alles war aus Gold” hüllten sie die Schlossbühne in sanfte Nuancen. Dem zarten Wechselspiel der Lichter setzten die Vier temporeiche musikalische Kontraste entgegen. Von “Baby, du siehst gut aus!” bis zur “Springwut” boten Daniel und seine Bandkollegen ein abwechslungsreiches Repertoire, das die Menge auch zu vorgerückter Stunde mitriss. Chapeau!
Das Zusammenspiel von Jung und Alt funktionierte reibungslos
Besser hätte es auch der erste Vorstand der Musikini, Burkhard Fenn, nicht ausdrücken können, als er den langen Tag Revue passieren ließ. Die Erwartungen, die sich das Team nach der monatelangen Vorbereitungszeit gesetzt hatte, seien völlig erfüllt worden. “Wir haben damit gerechnet, dass 500 Leute kommen. Und die waren da ” trotz der widrigen Wetterverhältnisse.” Es hätten im Laufe des Tages die wohl denkbar schlechtesten Bedingungen für ein Open Air geherrscht, die man sich vorstellen konnte. In Anbetracht dessen, sei das Beste herausgeholt worden, was nur eben möglich war. Ein großes Lob sprach Fenn auch in Richtung der gut 80 ehrenamtlichen Helfer aus. Reibungslos hätte das Zusammenspiel aus aktiven Musikini-Mitgliedern und Helfern, die bereits seit den Anfangstagen des Vereins mit dabei seien, funktioniert. Eine Großveranstaltung dieser Art hätten die meisten von ihnen noch nicht mitgestemmt. Erfahrung und jugendlicher Elan griffen hier Hand in Hand. Alt und Jung seien durch dieses Event wieder ein Stück näher zusammengerutscht. “Es gab viele Stellen, an denen man dachte, jetzt wird es brenzlig. Zweimal haben wir sogar überlegt, ob wir auf Grund des Regens abbrechen müssen.” Denn bis fünf Minuten vor dem Auftritt von “Bakkushan” stand wegen starker Regenfälle noch nicht fest, ob deren Show überhaupt stattfinden kann. Ansonsten wäre jedoch alles wirklich perfekt gelaufen, so Fenn. Und nicht nur das: Begeistert zeigte sich das Team nicht nur von den Künstlern, die durchwegs eine professionelle Show ablieferten, sondern vor allem auch von den Fans. Einige von ihnen waren hunderte von Kilometern angereist. Andere mieteten sogar einen großen Reisebus.
“Ich wünsche der Musikini Nachhaltigkeit. Die hat sie und die brauch sie auch für die Zukunft”, gratuliert auch Fenn seinem Verein zum 25. Schon während der Vorbereitungsphase habe sich gezeigt, welch guten Ruf der Verein auch bei den regionalen Behörden und Institutionen habe. Ein Umstand, der wahrlich nicht selbstverständlich sei. Insgesamt herrsche eine sehr freundschaftliche und zuvorkommende Atmosphäre, in der man sich hundert Prozent aufeinander verlassen könne. Das gelte es auch weiterhin zu pflegen.
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