Ein Brandanschlag ist ein schlimmes Verbrechen. Darauf muss die Gesellschaft rasch und richtig regieren. Erst recht, wenn dem Täter politische Motive zum Zündeln veranlassten. Im nordrhein-westfälischen Bergkamen hat es einen solchen Anschlag auf einen Moschee-Rohbau der Islamischen Gemeinschaft Milli Görüs (IGMG) gegeben. Gott sei Dank kamen dabei keine Menschenleben zuschaden. Der Anschlag reihte sich ein in eine Brandanschlagserie, welche Bergkamen an den letzten beiden Juli-Wochenenden beunruhigte. Inzwischen ist ein Täter verhaftet worden. Erste Befürchtungen, dass der Brandstifter womöglich einen rechtsradikalen Hintergrund hat, gelten offenbar als bestätigt.
Der Täter gehörte dem Kreisverband der NPD an
Der Inhaftierte Björn M. (23), der einen Teil der Anschläge gestanden habe - stehe “dem rechten politischen Spektrum nahe”, vermeldet der Polizeibericht. Die NPD bestätigte unterdessen (vier Tage nachdem die Polizei meldete, die Brandstiftungsserie sei aufgeklärt), Björn M. habe einige Zeit “unserem Kreisverband angehört”. Angeblich habe er sich jedoch “weitgehend passiv und unauffällig” verhalten. Er würde nun “aus der Gemeinschaft der NPD” entfernt. Wollen die Nationalen sich ein Saubermannimage verpassen? Was allerdings nichts daran ändert, dass rechtsextremistische Strukturen in und um Bergkamen existent sind. Es soll eine “Ortsgruppe Bergkamen” des Zusammenschlusses “Nationaler Widerstand Unna” geben, wollen örtliche Antifaschisten wissen.
Dass der mutmaßlich auch für den Moschee-Neubau verantwortliche, inzwischen verhaftete Brandstifter gefasst wurde, führte bei vielen Bergkamenern zu Erleichterung. Denn Brände wurden zuvor auch in ein einem Wohnhaus gelegt. Dort wohnen überwiegend Migrantenfamilien.
Vorwurf an den Bürgermeister: Warum eilte er nicht sofort zum Tatort?
Schnell war von “Fremdenhass in Bergkamen” (WDR-Lokalzeit) die Rede. Und offenbar gibt es auch einen braunen Bodensatz in und um die Stadt Bergkamen, der entsprechende Straftaten wie die 9 Brandstiftungen keimen läßt. Der Stadt Bergkamen und erst nicht den deren Einwohnern in Gänze macht ganz bestimmt niemand einen Vorwurf in diese Richtung. Der Gemeindesvorsitzende der IGMG, Isa Altin, zeigte sich nur enttäuscht darüber, dass Bergkamens Oberbürgermeister Roland Schäfer nicht sofort nachdem er Kenntnis von dem Anschlag auf den Rohbau der Darul-Erkam-Moschee erhalten hatte, zum Tatort geeilt sei, um den Gemeindemitgliedern sein Mitgefühl auszudrücken.
Müllcontainer-Brand = Moschee-Brand?
Dem WDR-Politmagazin Monitor, das am vergangen Donnerstag in einem Beitrag über Islamfeindlichkeit und Volksverhetzung u. a. auch über die Brandanschlagserie in Bergkamen berichtete, gegenüber rechtfertigte Oberbürgermeister Roland Schäfer (SPD) so:
“Entschuldigen Sie mal, wir haben über 400 Einsätze unserer Feuerwehr jedes Jahr. Über 400 Feuerwehreinsätze. Da kann ich nicht zu jedem Brand hinkommen. Das ist einfach auf der selben Ebene für mich wie das Anstecken von Müllcontainern, wie das Abrennen von gelben Säcken.”
Nun ja, da hat sich der OB sicher nicht gerade glücklich ausgedrückt, behaupte ich mal vorsichtig. Es mag zwar nicht so gemeint gewesen sein: doch diese Begründung klingt irgendwie zynisch. Dementsprechend sieht sich Schäfer nun reichlich Kritik ausgesetzt. Doch statt der Moschee-Gemeinschaft sein Mitgefühl auszudrücken, beschwert sich Bürgermeister Schäfer: der Monitor-Beitrag sei so geschnitten, dass seine Worte aus dem Zusammenhang gerissen worden seien. Überdies sei er zunächst von einer unpolitischen Brandstiftung in einem Rohbau ausgegangen…
Doch da es sich bei diesem um den Rohbau einer Moschee gehandelt hat, wäre ein Gang zum Tatort und der Ausdruck des Mitgefühls gegenüber deren Gemeinde immerhin eine Geste gewesen, die sicherlich sehr gewürdigt worden wäre. Nun aber ist eine schlechte Stimmung entstanden. Der OB bekommen seit Tagen Beschimpfungen via E-Mail und der Kamener Ratsherr Kaya Gercek (wie der OB SPD-Mitglied) forderte Schäfer über die Zeitung zum Rücktritt auf.
Der Fall schlägt via Medien auch im Ausland Wellen
Inzwischen hängt die Sache quasi an der großen Glocke. Auch im Ausland schlägt der Fall Wellen. Etliche Medien greifen ihn auf. Auch das türkische Massenblatt “Hürriyet” (Freiheit) schickte einen Reporter und berichtete. Sicherlich wird die Geschichte nun nicht nur in der Europa- und Deutschland-Ausgabe der Zeitung, sondern auch im türkischen Mutter-Blatt und fernab Bergkamens zum Aufreger.
Die Zurückhaltung des Bürgermeisters mag womöglich damit in Zusammenhang stehen, dass die Islamische Gemeinde Milli Görüs jahrelang wegen islamistischer, antidemokratischer und antisemitischer Tendenzen in der Kritik und auch unter Beobachtung gewisser Staatsorgane stand bzw. noch steht. Vielleicht vermied der OB deshalb allzu große Nähe zur IGMG-Gemeinde? Wahr ist jedoch auch, dass sich der deutsche Ableger von Milli Görüs (Nationale Sicht) nach 2001 unter neuer Führung von solchen Haltungen distanzierte. Auch steht die Bergkamener IGMG-Moschee-Gemeinde – soweit bekannt – nicht im Verdacht, den zuvor erwähnten Tendenzen in irgendeiner Weise Vorschub zu leisten.
Die Lage ist vertrackt. Musste es dazu kommen? Ich meine, nein. Der Generalsekretär von Milli Görüs Deutschland, Oguz Ücüncü, hat recht:
“Ein islamfeindlicher Brandanschlag auf eine Moschee ist nicht vergleichbar mit dem Anstecken von Müllcontainern oder dem Abbrennen von gelben Säcken.”
Nun ist eigentlich nur zu hoffen, dass Bürgermeister Roland Schäfer doch noch den Schneid aufbringt, auf die Moschee-Gemeinde in Bergkamen zuzugehen und die entsprechenden mitfühlenden, vertrauensbildenden Worte auszusprechen. Ist das denn wirklich so schwer?
Was die Brandanschläge in Bergkamen insgesamt angeht, so ist wohl mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass dem phyischen Brandstifter geistige Brandstifter zu seinen Taten erst inspiriert haben. Entsprechend muss künftig schon frühzeitig reagiert werden. Leider liest man immer wieder davon, dass die Mittel für Vereine die gegen Rechtsextremismus ankämpfen und Aufklärung bzw. Hilfe für Aussteiger aus der rechten Szene leisten von der Bundesregierung immer mehr eingedampft bzw. ganz gestrichen werden.
Möge in Bergkamen die Vernunft obsiegen und Friede einkehren. Wenn nun bloß keiner die These aufstellt, der Brandstifter sei nur ein Einzeltäter oder Verwirrter gewesen!
Photo/Quelle: Stefanie Hofschläger via Pixelio.de
“Er würde nun “aus der Gemeinschaft der NPD” entfernt. Wollen die Nationalen sich ein Saubermannimage verpassen? Was allerdings nichts daran ändert, dass rechtsextremistische Strukturen in und um Bergkamen existent sind”
Nur fällt hier wieder auf, dass NPD und Rechtsextremismus hirnlos ohne auch nur einen Moment über die eigene Aussage nachzudenken in einen Topf geworfen werden.
So definieren wir Rechtsextrimismus als politische Ideologie unter anderem mit einem antipluralistischen sowie antidemokratischen Gesellschaftsverständnis.
Wenn man sich ein wenig mehr informieren würde über die besagte Partei, dann wüsste man das die o. g. dinge nicht zutreffend sind und in keinerlei zusammenhang zu den Parteizielen stehen.
Um jetzt mal plump zu werden….das ist genauso, als wenn ich sagen würde der Bürger mit Migrantenhintergrund und akademischen Abschluss steht auf der selben Stufe wie der Jugendliche mit Migrantenhintergrund der mich Abends in einer dunklen Ecke mit einem Messer bedroht und abzockt, was ich mir jedoch nicht anmaße.
Schlussfolgernd kann ich daraus nur schliessen, dass der Autor sich entweder nicht genügend Gedanken über seinen Text gemacht hat oder den Massenmedien auf den Leim gegangen ist.