Das Zeitalter der Exzesse des Kasinokapitalismus geht unweigerlich seinem Ende entgegen. Das instabile globale Finanzsystem wird an sich selbst zugrundegehen. Die hilflosen Versuche das Ganze noch irgendwie zu stabilisieren hat wenig Aussicht auf Erfolg zu unterschiedlich sind die Interessenlagen und Machtverhältnisse, dass eine globale der Gesamtwohlfahrt der Menschheit dienende Lösung zustande kommen könnte. Da aber die Kooperationsbereitschaft sinkt und jeder versucht sich soweit irgend möglich individuell abzusichern, bleibt wie 1929 nur ein noch schwerer Zusammenbruch der Weltwirtschaft und des Weltfinanzsystems als realistische Perspektive.
Die Master of Desaster in den Regierungen, Parlamenten, Zentralbanken, den Finanzaufsichtsbehörden sowie der Vorstände der großen Investmentbanken, die sich als Sifi einen Dispens bereits von den Regierungen zusichern haben lassen, alle sind Beteiligte am kollektiven Gesamtergebnis. Gier hat die Banker angetrieben durch hochspekulative Geschäfte sich schnellen Reichtum zu verschaffen. Angst und Unkenntnis der Politik hat dazu geführt, dass die Politik sich zur Geisel der Großbanken, Hedgefonds, Private-Equity-Gesellschaften hat machen lassen. Wenn es aber an einer glaubwürdigen Gegenmacht des selbstzerstörerischen Finanzsystems fehlt, dann leistet es am Ende ganze Arbeit.
Die Ansprüche der Weltgesellschaft an den derzeitigen und zukünftigen Einkommen sind illusionäre
Das Weltfinanzsystem dient dazu durch den kumulativen Aufbau einer Schuldenpyramide die Inkonsistenz der unterschiedlichen Ansprüche an den realen Wirtschaftsleistungen zu verschleiern. Intransparenz ist geradezu unerlässlich, um die Erkenntnis in den breiten Massen der Weltbevölkerung zu verhindern, dass Forderungen, die auf dem Papier oder in Computersystemen bestehen auch tatsächlich bedient werden könnten. Ob die asiatischen Gläubiger und Gläubiger aus den Ölstaaten einschließlich Russland jemals ihre Forderungen gegenüber den USA auch durch entsprechende Leistungen ” sprich Realtransfers ” bedient bekommen, ist eine unsinnige Spekulation. Vergesst einen großen Teil eurer Dollar-Forderungen oder Forderungen auf amerikanische Staatsanleihen. Die dadurch entstehenden Vermögensverluste dürften diese Gläubigerländer selbst in schwere Turbulenzen stürzen.
Die fehlkonstruierte europäische Währungsunion wird einen globalen Finanzcrash ebenso wenig überleben. Egal ob mit oder ohne Eurobonds, mit oder ohne Wirtschaftregierung der Eurozone, all dies sind keine hinreichenden Bedingungen um den Zusammenbruch der Eurozone noch aufzuhalten. Der Kern liegt in den völlig außer Kontrolle geratenen Gläubiger-Schuldner-Beziehungen. Die meisten OECD-Staaten zuzüglich der BRICS, haben durch zweifelhafte Verschuldungspraktiken seit mindestens zwei Dekaden, die Frage einer gerechten sozialen Einkommensverteilung sowohl entsprechend den wirtschaftlichen Leistungsbilanzen gegenüber dem Ausland wie auch innerhalb ihrer Landesgrenzen zwischen der arbeitenden Bevölkerung und den Kapitaleinkommen immer weiter ignoriert. Durch massive Ausweitung der Konsumentenverschuldung konnte der Konsum vorübergehend aufrechterhalten werden. Jetzt zeigt sich, dass große Teile der Bevölkerung diese Schuldenlasten nicht länger tragen können. Die Staaten haben ebenfalls als Puffer für die ansonsten unvermeidliche Einkommens- und Vermögensverteilung von den Reichen hin zu den Armen, sich selbst verschuldet. Dieser trendmäßige Zuwachs an der Staatsverschuldung gepaart mit der Privatverschuldung großer Teile der Haushalte und auch der klein- und mittelständischen Industrie, führt zu einem Gefahrenpotential, dass nur durch eine massive Korrektur der Gläubiger-Schuldner-Beziehungen wieder in ein langfristig erträgliches Gleichgewicht gebracht werden kann.
Eine derartige Neuordnung ist jedoch im Sinne einer gezielten politischen Aktion äußerst unwahrscheinlich. Das politische System hat sich zu sehr mit den großen Vermögen liiert. Vieles ähnelt daher dem Ancien Régime vor der französischen Revolution. Der satte Geldadel hat jeden Realitätssinn verloren und ist zu eigenständigen Reformen nicht bereit. Von daher bleibt nur der Weg zu Revolten. Wir sehen dies bereits in der arabischen Welt und jetzt sogar in Israel. Die alten Machtoligarchien haben die Legitimation gegenüber den eigenen Bevölkerungen verloren. Die gewaltsame Repression führt jedoch nicht mehr zu einer Stabilisierung. Libyen und Syrien zeigen die Grenzen der Repression auf, wenn die Not in der Bevölkerung immer größer wird.
Das Zeitalter der Austerität
Das sich Nachfrageschwäche im Zuge der umfassenden Vertrauenskrise des globalen Finanzsystems durch Kreditausweitung immer weniger kompensieren lassen wird, müssen die Menschen wieder lernen mit einer harten Budgetrestriktion zu leben. Man kann eben auf Dauer nicht mehr ausgeben als man einnimmt. Die die Ansprüche der Reichen sich ja auf Kapitaleinkommen stützen und dieses mit hoher Verzinsung sich immer stärker ausweiten sollte, wird deren Vermögenseinkommen am stärksten einbrechen. Ihre überzogenen Ansprüche auf das Weltsozialprodukt werden schrumpfen, ob sie wollen oder nicht. Am Ende werden also alle verlieren, da sie nur noch entsprechend ihren Einkommensverhältnissen leben können. Dafür wird dieses System jedoch stabil sein und nicht von Weltfinanzkrisen erschüttert werden. Das ist der Preis, der jetzt für die Exzesse des Zeitalters des Kasinokapitalismus zu entrichten sein. Der Gürtel wird enger geschnallt, ob wir wollen oder nicht.
Photo: Gerd Altmann, via pixelio.de
Sarkozy legt Sparprogramm auf.
http://www.bloomberg.com/news/2011-08-23/sarkozy-prepares-deficit-reduction-blueprint-for-election-year-austerity-.html