Zu Jahresbeginn 2010 beherrschte das schreckliche Erdbeben in Haiti die Medienlandschaft. Aktuelle Schätzungen gehen von 316.000 Toten aus, der wirtschaftliche Schaden beläuft sich auf ungefähr 5,4 Milliarden Euro. Dies entspricht dem BIP Haitis, also der jährlichen Wirtschaftsleistung des Landes. Es ist die schlimmste Katastrophe dieses Jahrtausends und das ausgerechnet in einem Land, das zu den ärmsten Staaten dieser Welt zählt. Doch die Medien berichteten nach einigen Wochen kaum noch über die Erdbebenkatastrophe, die Macht der Bilder verebbte, das Interesse war verloren gegangen.
In unserer schnelllebigen, sensationsgeilen Zeit lässt sich dieses Phänomen häufig beobachten.
Denken wir nur an die Dreifachkatastrophe in Japan, welche die Medien den gesamten März beschäftigte. Doch heute haben sich diese Ereignisse abgenutzt, neue Nachrichten erscheinen nur noch selten in der Presse. Das kann Gefahren in sich bergen, da zum einen das Bewusstsein der Katastrophen in den Köpfen der Menschen in den Hintergrund rückt und zum anderen, weil die Fokussierung auf ein einziges Ereignis kurzzeitig das Interesse auf andere wichtige Nachrichten abschwächt. Manchmal behindern die Journalisten sogar die lebenswichtige Aufbauhilfe und erweisen den schicksalsgebeutelten Menschen dadurch einen Bärendienst.
“Wir interessieren uns nur für Haitianer, wenn sie sterben”.
Die amerikanische Journalistin, Amy Wilentz, spricht damit eine bittere Wahrheit aus. Doch wo lassen sich noch aktuelle Berichte über die Situation in Haiti finden? Fast nirgends und wenn doch, dann nicht in den bekannteren Medien. Unerträglich, wenn man weiß, dass das Land immer noch Hilfe benötigt und jegliche Hilfeleistungen zuallererst Aufmerksamkeit benötigen. Cholera, Korruption und Obdachlosigkeit gibt es weiterhin in Haiti. Der UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon sprach im April 2011 davon, dass 80 Prozent der Trümmer immer noch nicht beseitigt seien. Dazu kommt, dass 630.000 Menschen obdachlos sind und versuchen müssen ihr Leben unter diesen Bedingungen zu bewerkstelligen.
Auch die Ausbreitung der Cholera, die durch die katastrophale humanitäre Lage in Haiti erheblich beschleunigt wurde, wütet weiterhin und sorgt dafür, dass schätzungsweise 11.000 Menschen bis Ende November dieses Jahres an den Folgen der Krankheit sterben werden.
Die Korruption macht selbst vor den Spendenmitteln nicht Halt.
Erst am 14. August wurde bekannt, dass der Regionalvorsitzende einer britischen Hilfsorganisation, die nach eigenen Angaben durch Spendengelder 100 Millionen Dollar für Haiti eingenommen hat, unter massiven Korruptionsvorwürfen zurückgetreten ist. Unter der Verantwortung von Roland Van Hauwermeiren sollen mehrere Mitarbeiter Hilfsgüter veruntreut haben. Haiti befindet sich also weiterhin in einer schwierigen Situation. Deshalb sollten wir nicht vergessen, dass Haiti, aber auch andere krisengebeutelte Regionen, Jahre später immer noch Hilfe benötigen, auch wenn die Medienaufmerksamkeit bereits verschwunden ist.
Photo: United Nations Photo, via flickr
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