Angela Merkel fehlt die notwendige menschliche Wärme, um in der Eurokrise die Krisenländer und auch innerhalb Deutschlands viel Sympathie auf sich zu ziehen. Sie bleibt die kühl berechnende Machtpolitikerin, die sie immer war. Das schafft emotionale Spannungen, die im politischen Raum bedient werden müsse. In diese Lücke stößt jetzt Ursula von der Leyen. Sie will die soziale Kälte, die Merkel in der Disziplinierung der Schuldenländer zwangsläufig ausstrahlt, kompensieren. Mit ihrer emotionalen Europa-Euphorie, will sie ein Gegengewicht zur den Euro-Skeptikern in der schwarz-gelben Koalition aufbauen.
Dahinter steckt natürlich auch ein politisches Kalkül. Es ist nur besser verpackt als die ruppige Haltung der harten Kerle der Euro-Kritiker. Von der Leyen spielt, die Ersatzmutti, die alles wird gut, den verunsicherten in und außerhalb Deutschlands, die Angst vor tiefgreifenden Konsequenzen einer Spaltung der Währungsunion nahmen möchte. Parallel dazu verfolgt sie auch das Ziel sich weiter in der Nachfolgediskussion um Merkel zu bringen. Sie wäre eben gerne die Kanzlerin der Herzen.
Von der Leyen kann auch anders
Bei der Umsetzung des Hartz-IV-Urteils zur angemessenen Existenzsicherung für Kinder hat sie sich dagegen als harter Hund gezeigt. Ihr Versuch durch direkte Zuwendungen an die betroffenen Kinder eine deutliche Verbesserung für diese zu erreichen ging gründlich schief. Wegen bürokratischer Hürden und einer Bildungschipkarte, die diskriminierend wirkt, haben die großspurig verkündeten Wohltaten nur wenige bedürftige Kinder erreicht. An der Einigung zwischen der SPD und der CDU im Bundesrat hatte sie am Ende keinen Anteil. Da hatten die drei Granden im Bundesrat Ulrich Beck, Horst Seehofer und Wolfgang Böhmer einen tragfähigen Kompromiss unter sich ausgehandelt. Nachdem man also auf ihrem eigentlichen Gebiet keine persönlichen Erfolgsmeldungen verbreiten kann, sucht sie eben außerhalb ihres Ressorts nach neuen Betätigungsfeldern.
Der Zickenkrieg mit ihrer Nachfolgerin Kristina Schröder im Familienministerium ging dann ja auch schief.
Mit einem Westerwelle, der als Außenminister in der Europa-Politik weitgehend abgemeldet ist, einem Rösler der als Wirtschaftsminister diese Lücke nicht füllen kann, bietet es sich an, sich als begeisterte Europäerin in der Koalition und bei den Bürgern zu profilieren. Es kostet ja nichts. Dabei wird immer deutlicher, sie wird Merkel immer ähnlicher. Sie besetzt schon mal vorsorglicher die Position der Ersatzmutti.
Photo: Wuttke09, via flickr
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