Mit einem ausgelassenen Hip Hop Jam hat die Musikinitiative Hammelburg ihr Herbstprogramm 2011 eröffnet
Knapp fünf Wochen nach dem großen Jubiläums-Open Air auf der Schlossbühne hat das Wasserhaus am vergangenen Samstag erstmals wieder eine illustre Schar an Künstlern nach Hammelburg geholt. Die regionalen Formationen „Lauertal Connection“ und „Dichtungsring“ traten an diesem Abend gemeinsam mit den Ludwigsburger Szenegrößen „Kniffler’s Mum“ an. Trotz prominenter Empfehlung fand sich jedoch nicht die erhoffte Besucherzahl ein.
Mit ihrer im vergangenen April erschienenen EP „Nicht noch eine Hip Hop Band“ haben sie bereits X-Factor Jurymitglied „Das Bo“ überzeugen können. „Wenn die irgendwo bei Euch um die Ecke sind, dann guckt rein“, empfahl der „’türlich, ’türlich“-Interpret, den die Nachwuchskünstler im Rahmen eines Festivals kennen lernen durften, einen Konzertbesuch von „Kniffler’s Mum“ auf dem Videoportal YouTube. In Hammelburg konnte der Experten-Ruf, den sich bereits mehr als 3200 User im Internet angesehen hatten, allerdings nicht ganz so viele Gäste locken. Das baden-württembergische Sextett, das bereits bei der ersten Ausgabe von „Hammelburg moves“ im Frühjahr 2010 überzeugen konnte, ließ sich davon allerdings nicht beirren. Zumal das Publikum sichtlich Spaß bei der Sache hatte.
Von Anfang an gaben die extravaganten Herren, die sich nach eigenen Angaben komplett selbst vermarkten und rund 30 Gigs im Jahr spielen, Vollgas. Von vorne bis hinten durchdacht, lieferten sie eine perfekte Bühnenshow, die bis ins kleinste Detail stimmte. „Wir sind heute da, um Euch auf das nächste Level von Party zu bringen“, kündigte Rapper Chris gleich zu Beginn an. In den darauf folgenden 60 Minuten hielt die Truppe, was sie versprochen hatte. Da begeisterten technisch anspruchsvolle Gitarren-Soli, spontane Freestyle-Einlagen, die Dank der Publikumszurufe mit viel Leben erfüllt wurden, und auch Ausflüge zu Michael Jackson und Co., die selbst Skeptiker noch einmal in Richtung Bühne zogen. Lametta und übergroße Banner, die alle Anwesenden zum Mitsingen einluden, taten dann ihr Übriges, um am Ende für lautstarke Zugabe-Rufe zu sorgen. „Wenn man vor dem Publikum steht und sieht, wir haben ein Lächeln auf dem Gesicht, dann weiß man, wir haben Spaß“, betonen „Kniffler’s Mum“ nach dem Auftritt noch einmal, dass es ganz gleich sei, ob sie vor fünf oder 500 Menschen auftreten würden. „Wir geben immer 100 Prozent!“
Botschaften mit Köpfchen lassen das Publikum aufhorchen
Doch schon bevor die beiden frechen Frontmänner „Razcal“ und „Frontal“ mit ihrer Band als Haupt-Act die Bühne enterten, war neben dem Feiern nicht selten aufmerksames Zuhören angesagt. Nachdem die Maßbacher „Lauertal Connection“ den Abend standesgemäß mit dem Schlachtruf „Hallo Hammelburg – Hallo Heimat!“ eingeläutet hatten, ging es sofort zur Sache. Von Anfang an schafften es Philly, Bio, Schmitti und Uni, unterstützt von DJ ZigZag, die Zuhörer in ihren Bann zu ziehen. Aufforderungen wie: „Hände in die Luft, denn das ist Hip Hop“ wurden ebenso prompt Folge geleistet wie der Feststellung „Ich fühl’ mich mit Hip Hop einfach fantastisch!“ aus vollem Halse zugestimmt. Mit durchwegs lebensfrohen Botschaften mit Köpfchen gelang ihnen ein rundum erfolgreicher Auftakt in die Herbst-Winter-Saison, der sich sehen, aber vor allem hören lassen konnte. „Stellt Euch die Welt vor ohne Musik“ riefen sie am Ende ihres Sets in Richtung Gäste. Weder die Organisatoren, noch das Publikum im Saal mochten sich das gern näher ausmalen.
Mussten sie auch gar nicht, denn mit „Dichtungsring“ betrat die zweite vielversprechende Crew die Runde. „Wir sprechen über Dinge, über die nicht jeder spricht“, empfahl sich die in Bad Kissingen gegründete Truppe, die den ein oder anderen Anwesenden nicht selten an die bekannte Freisinger Hip-Hop-Band „Blumentopf“ erinnert haben mag. Seit 1992 rappen letztere ungeniert und direkt über heikle Themen. Und auch in Hammelburg waren ein ums andere Mal kritische Zeilen zu vernehmen. „Ich bin enttäuscht vom Rap aus Deutschland“ folgt da einem Track über „FCKW“ und auch à capella bekommen die Gäste etwas über „Chorknaben auf Sprachreisen“ zu hören. „Wer sein Hirn nicht mehr verwendet, verliert Profil“ lautet da nur eine der vielen Botschaften an diesem Abend. Dem Begriff „Wort-Akrobaten“ machten „Dichtungsring“, die sich mit „Highway to Hell“ selbst in Rockgefilde wagen, jedenfalls alle Ehre.
Hip Hop hat auch im Rock geprägten Wasserhaus seine Daseinsberechtigung
Obschon die Runde fast beschaulich wirkte: Für die Verantwortlichen an diesem Abend war es dennoch eine schöne Veranstaltung. Natürlich hätten sie sich gefreut, ein paar mehr Leute im Wasserhaus begrüßen zu dürfen. Diejenigen, die da waren, hätten das Ganze aber dennoch zu einer völlig runden Sache gemacht, die einmal mehr gezeigt hätte, dass man im Wasserhaus auch ein in dieser Region nur selten besetztes, aber deshalb nicht minder anspruchsvolles Genre zum Zuge kommen lässt. Hip Hop, der hat in ihren Augen auch in einem Verein zur Förderung der Rockmusik seine vollste Daseinsberechtigung. Immerhin ist mit „Kronoflash“ ebensolcher auch in den Reihen der Wasserhaus-Bands zu finden.
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