Dieser Satz wird dem zum Heiligen erklärten Laurentius zugeschrieben. Der Legende nach hat er diesen geäußert, als er von römischen Christenverfolgern nach den Schätzen der Kirche befragt worden sein soll. Laurentius aber hatte alles vorhandene Geld der Glaubensgemeinschaft vor seiner Verhaftung noch schnell unter die Armen verteilt, so konnte er diese Antwort geben.
Lange ist es her. Heute beläuft sich das Vermögen der evangelischen und katholischen Kirchen, ihrer Unterverbände, Werken und Institutionen auf gewaltige Summen, nämlich alles in allem auf knapp 500 Milliarden Euro. Das Buch des Hamburger Politologen Carsten Frerk stützt sich auf heutzutage bezifferbare Informationen, auch wenn die Informationsbehinderung der Kirchen dazu führte, dass der Autor sich teilweise auch nur auf fundierte Schätzungen berief. (Violettbuch Kirchenfinanzen. Wie der Staat die Kirchen finanziert. Aschaffenburg 2010. ISBN 978-3865690395)
Drei Jahre trug Frerk Zahl um Zahl zusammen.
Forscher lasen Bilanzen und Haushaltspläne, befragten Finanzverantwortliche und leisteten enorme Recherchenarbeiten, denn wenn es um das Heiligste geht, das Geld, versiegen die Verkündigungen von Amtskirchen. Man zieht lieber das Mittel des Tarnens und Täuschens vor, auch wenn gelegentlich eher erzwungen als freiwillig, Zahlen über kirchliche Brauereien, Cityimmobilien, Stiftungsvermögen und Weinberge veröffentlicht werden. Eine zusammenfassende Übersicht gibt es von den Kirchen jedoch nicht. Da funktioniert die Ökumene reibungslos.
Die sich immer wieder durch ihre Wohltaten zur Schau stellende Caritas, die mit dem Klingelbeutel von den Gläubigen eingesammelten Gelder „verarbeitet“, hat laut Frerks Recherchen, mit einer dschungelartigen Verschachtelung von örtlichen und verbandlichen Unabhängigkeiten und Finanzkompetenzen ein ausgeklügeltes organisatorisches Gewusel errichtet, das schlichtweg nicht zu entwirren ist, aber in jedem Fall immer Finanzbedarf „zum Wohle der Bedürftigen“ ausweist.
Aufseiten der Protestanten sollen dagegen die Haushaltspläne zahlreicher Landeskirchen mit Sperrvermerken zu Haushalts- und Vermögensfragen versehen sein. Angaben über Sondervermögen, Stiftungen und Immobilien werden einfach nicht veröffentlicht. Warum auch, denn wer spendet dann noch?
Für bemerkenswert hält der Autor auch die Tatsache, dass der kirchliche Grundbesitz in der Bundesrepublik nie erfasst wurde, sodass man auf Schätzungen angewiesen ist. Frerk belegt in Kapitel 10 seines Buches, dass alles in allem rund 6,8 Milliarden Quadratmeter Land im Eigentum der katholischen und evangelischen Kirchen stehen. Teils unverkäufliche Kirchenarreale, teils aber auch marktgängige Filetstücke in den Citys Deutschlands.
Das Grundeigentum der Kirchen beträgt somit dreimal die zusammengerechnete Fläche der Großstädte München, Hamburg, Berlin und Bremen.
Auf evangelischem Grund, so die Frerkrecherche, stehen alleine 75.062 Gebäude. Der Wert aller kirchlichen Gebäude und Grundstücke in Deutschland beträgt nach seriöser Einschätzung rund 212 Milliarden Euro.
Natürlich darf man den Einwand nicht vernachlässigen, dass die Kirchen ja auch laufende Ausgaben für Seelsorge, Sozialarbeit und Personal haben. Den aber decken die Kirchen nicht aus dem Vermögen, sondern hauptsächlich aus laufenden Einnahmen wie rund 8,5 Milliarden Euro Kirchensteuern und guten 9,5 Milliarden Euro aus staatlichen Quellen (Zuschüsse, Dotationen und Entschädigungen für die Zwangsenteignung von Kirchenländereien im Rahmen der Säkularisierung beim Reichsdeputationshauptschluss von 1803). Mit weiteren Geldern aus den öffentlichen Kassen werden subventioniert oder extra beglichen: Polizei- und Militärseelsorge, Denkmalpflege, Hilfswerke, Kindertagesstätten, Bibliotheken, Schulen. Alleine 10 Milliarden Euro bekommen die Kirchen durch steuerliche Privilegien vom Staat, der auch großzügig auf rund 3,4 Milliarden Euros aufgrund Abzugsfähigkeit der Kirchensteuer verzichtet.
Die Kirchenbanken verwalten rund 21 Milliarden Euro als Einlagen von Kirchen und Bediensteten.
Hilfswerke wie Misereor finanzieren sich zu 49 Prozent aus Spenden und nur zu acht Prozent aus diözesanen Mitteln, firmieren aber als „Bischöfliches Hilfswerk“.
Lesenswert: „Finanzen und Vermögen der Kirchen in Deutschland“. Autor Carsten Frerk.
Aber, es ist ja alles wesentlich humaner geworden. Heute werden die Bürger nur abgezockt. Früher kostete es das Leben, wenn sich die Kirche an ihren Opfern bereicherte: so den Sachsen im Frankenreich, den Sarazenen im Orient, den Indianern in frühen spanischen Kolonien.
Die Frage ist nur, warum sich der Staat von kirchlichen Würdenträgern dazu zwingen lässt, den Reichtum der Kirchen jährlich um Milliarden zu vermehren?
Dabei hat doch das „christliche Glaubensreich“ nicht vordringlich mit Kontoständen zu tun. Sagte doch der Überlieferung nach Christus, der „Erlöser der Menschheit“: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt“ (Johannes 18, 36) und er warf die Kapitalisten der damaligen Zeit aus dem Tempel (Markus 11,15). Das ging aber nur 200 Jahre gut. Dann kam ein römischer Kaiser Anfang des 4. Jahrhunderts auf die Idee, das Christentum zur Staatsreligion zu erheben. Schluss war es mit der Vielgötterei. Aber das hatte seinen Preis: Die erste christliche Staatskirche raubte, brandschatzte und mordete wie ihre nachfolgenden Kirchen, immer im Verbund mit der jeweiligen Staatsmacht, über insgesamt satte 1500 Jahre hinweg. Eine lange, blutige Geschichte, denn immerhin brachten es die Vertreter des christlichen Glaubens auf ihren Kreuzzügen, bei Ketzer- und Hexenverbrennungen, der gewaltsamen Missionierung der „Heiden“ von Sachsen bis Südamerika auf mehr gemordete Menschen als Hitler und Stalin zusammen.
So etwas wie öffentliche Reue und strikte Verurteilung dieser Übeltaten oder ein öffentliches Stirnblutigschlagen seitens der Rechtsnachfolger sind mir nicht bekannt.
Jedenfalls haben sich die weltweiten Raubzüge gelohnt. Das größte Wirtschaftsimperium der Geschichte basiert auf ähnlichen Grundlagen, nur eben viel gigantischer wie der Zwergstaat Monaco, auf Mord und Raub.
„Die Wirtschaft steht im Dienst der Menschheit“, sagte noch treuherzig Papst Paul VI. vor rund 40 Jahren (Enzyklika über den Fortschritt der Völker). Es gibt bis zum heutigen Tage auch Mahner aus dem Bereich der Kirchen. Doch will man sie dort hören?
Der Schweizer Wirtschaftsprofessor Hans Christoph Binswanger (ein Geld- und Wachstumskritiker) vergleicht die „Glaubensgemeinschaft der Ökonomen“ (Credo der Shareholder: „Ich glaube an die Kräfte des Marktes, die alles so wunderbar regieren“) mit den Kirchen, die in den Spitzenzeiten des Börsenbooms und des sogenannten Turbokapitalismus keinerlei Kritik äußerten, offenbar beeindruckt von den Renditen.
Plötzlich hört man insoweit Vorwürfe gegenüber den Methoden der Bankenmanager. Wahrscheinlich aber nur deshalb: Auch die Kirchen haben sich verzockt.
Wahrscheinlich sitzt dieser Schock auch beim Papst ganz tief, und da lenkt der schon gerne einmal ab und kümmert sich um „ethische Fragen“ wie Sterbehilfe, künstliche Befruchtung und Abtreibung. Schon wieder versucht insbesondere die katholische Kirche, massiv in politisches Geschehen einzugreifen. Sie bringt gezielt ihre Anhänger in schwierige Gewissensfragen und -konflikte.
Wir leben ein Leben; weshalb und wieso in dieser Form sei einmal dahingestellt (die mir sehr sympathischen buddhistischen Meister haben erkannt: Durch unser Handeln in vorigen Leben bestimmten wir die heutige Existenz. Unser Handeln in der heutigen Existenz bestimmt unser Erscheinen im nächsten). Die Christen sagen, das Leben ist ein Geschenk unseres Gottes. Aber wenn es einem geschenkt wurde, man es also erhalten hat, gehört es dem Beschenkten. Es wäre anmaßend, wenn dann der angenommene Geber die Behandlung des Geschenks bestimmen wollte. Aber nach den eigenen Thesen der christlichen Kirchen ist das ja auch nicht der Fall. Trotzdem will der Papst suggerieren, dass die Kirche zu bestimmen habe, dass Leben nicht genommen werden dürfe (auch wenn es nur durch künstliche Eingriffe, nämlich durch Apparatemedizin, existiere).
Die schlichtweg schändliche Kampagne für ein „Leben“ um jeden Preis entspringt einem absolut pervertierten Gedankengut.
Und nun soll der Capo dieser Wirtschaftsmacht im Bundestag sprechen. Eine hohe Anzahl an Abgeordneten wird an dieser Show nicht teilnehmen, mit der eine abgehalfterte und sich selbst entblödende Regierung noch einmal so etwas wie Glanz ins Haus holen will.
BRAVO rufe ich und wundere mich zugleich, wenn ich höre, die Plätze der fehlenden Abgeordneten werden eingenommen von *ehemaligen Abgeordneten des Bundestages*, für die es eine Ehre zu sein scheint, den Worten eines Mannes zu lauschen, gegen den vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte ein Strafverfahren anhängig ist wegen *Verbrechen gegen die Menschlichkeit gem. Art. 7 IstGH-Statut“ (siehe auch www.kanzlei-sailer.de).
Die ehrenwerten Protestabgeordneten sind deshalb aufgerufen:
Nehmt an dieser Juxveranstaltung teil und zeigt dem Kerl den Rücken.
Photo: Madrid2011jmj, via flickr
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