Glasmurmel als Objekt der Meditation

Lohnt es sich überhaupt, über eine Glasmurmel zu meditieren? Ja. Ein buddhistischer Mönch kann sogar über das Tropfen Tau auf seinem kahlen Kopf erfolgreich meditieren. Und erfolgreich zu meditieren bedeutet vor allem, keine vorschnelle Schlüsse zu tätigen, sondern einfach weiter zu meditieren… Es ist ein wenig kompliziert, über das Denken

533030_R_K_by_Gisela Peter_pixelio.de.jpgLohnt es sich überhaupt, über eine Glasmurmel zu meditieren? Ja. Ein buddhistischer Mönch kann sogar über das Tropfen Tau auf seinem kahlen Kopf erfolgreich meditieren. Und erfolgreich zu meditieren bedeutet vor allem, keine vorschnelle Schlüsse zu tätigen, sondern einfach weiter zu meditieren…

Es ist ein wenig kompliziert, über das Denken nachzudenken, zu meditieren

Das bildhafte Denken ist für jeden Menschen ab der Geburt der Anfang von Allem. Das sprachliche Denken, Begriffs-Denken kommt erst später dazu, wenn die Bilder ihren Nahmen, ihre Bezeichnung bekommen. Und dann sucht man natürlich auch nach den Zusammenhängen zwischen den Bildern. Einerseits durch weitere Beobachtung, andererseits durch verbale Erklärung. Die immerwährende Frage “WARUM???” lernen wir als Kinder am schnellsten.

Auch wenn die Beobachtung immer noch im Vordergrund steht, aus der Ungeduld unserer Herzen heraus suchen wir allzu schnell nach Erklärungen. Und das einmal Erklärte beobachten wir dann nicht mehr so sorgfältig. Wir wenden uns schnell anderen “geheimnisvollen” Bildern zu. Das Geheimnisvolle, das Unbekannte zieht unsere Aufmerksamkeit schnell an, das bereits Bekannte und Erklärte gehört zum Alltag.

Die Bilder des magischen Denkens

Das magische Denken gründet gerade in der Anziehungskraft des Unbekannten, des Geheimnisvollen. Es wird dann aber eher durch unsere Gefühle gelenkt als durch Fakten. Weil die Fakten ja noch unbekannt sind. Die Gefühle wandeln das Denken vornehmlich zum Angst- und Wunschdenken um. Deswegen gab es immer schon gute und böse Geister, gute und böse Feen usw. Die “Bösen” sind Produkte unserer Angst, die “Guten” sind vor allem dazu da, um unsere Wünsche zu erfüllen. Unsere Gefühle fördern also mehr unsere Phantasie als das übrige “Denken”. Und die Phantasie schaft sich ihre eigene Bilder und Inhalte. Das magische Denken…

Oft sind die bösen Bilder (Geister, Feen, Kobolde) den guten zahlenmäßig überlegen, was von der Dominanz der Angstdenkens zeugt. Das Wunschdenken lässt sich aber nicht so leicht in den Schatten stellen. In den Märchen kommt es oft zu Begegnungen des kleinen Helden, der kleiner Heldin mit einem bildhaften Gegenüber – z.B. mit einer alten Frau, von der anfangs niemand weiß, ob sie eine gute oder böse ist. (Fee, Hexe, egal was…)

Das überwundene Problem der Überproduktion

Dank der ungeheuerlichen ÜBERKAPAZITÄT unserer Hirne (wir nutzen nur ungefähr 30% davon) können wir nicht anders, als Phantasiebilder zu produzieren, das magische Denken zu praktizieren. Doch durch die sachliche Erklärbarkeit unserer geheimnisvollen Umwelt, durch die Aufklärung, schwindet die Menge an dem Unbekannten und Geheimnisvollen. Daher bekommen wir für die magische Art zu denken nicht genug Anregung, nicht genügend Inspiration.

Das eigentliche Problem besteht aber darin, dass wir irgendwann nicht mehr genauso neugierig beobachten wie früher, als wir noch nur ganz wenig wussten. Entweder weil uns die Bilder des Alltags bereits ausreichend erklärt erscheinen oder oft aus Zeitmangel – unsere Wahrnehmung scheint geschwächt zu sein. Zu sehr an den Alltag angepasst

Die stille, fast meditative Beobachtung, in der wir die Bilder einfach nur WAHRNEHMEN, ohne gleich auf unsere Ängste oder Wünsche zu hören oder möglichst schnell zu irgendwelchen Schlüssen zu kommen, ist bei uns seit eh und je etwas unterentwickelt…

Photo: Gisela Peter, via pixelio.de

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