Kunsthandel im Internet: Plattform für Schmeißfliegen

Worin sich das Internet zuallererst auszeichnet, ist eine neue Form der Berührungslosigkeit. Im nächsten Zuge eignet es sich bestens zur Täuschung und den Betrug, sehen wir einmal linguistisch von der Sprachreduktion ab. Stammelnde kurze Sätze. Statement Attitüden und schönfärbenden Darstellungen überwiegen. Saver Talk könnte man es nennen, getarnt mit Nicknames.

Worin sich das Internet zuallererst auszeichnet, ist eine neue Form der Berührungslosigkeit. Im nächsten Zuge eignet es sich bestens zur Täuschung und den Betrug, sehen wir einmal linguistisch von der Sprachreduktion ab. Stammelnde kurze Sätze. Statement Attitüden und schönfärbenden Darstellungen überwiegen. Saver Talk könnte man es nennen, getarnt mit Nicknames. Homepages wuchern wie Unkraut an die Oberfläche. Ein Heer von Mittelmäßigen stammeln sich ans Licht mit Hoffung auf Berühmtheit, ohne zu merken, dass das einzige was sie erreichen, die Gebührenzahlung an die Provider ist und Anbietern wie facebook oder youtube ihre Darstellungseitelkeit werbemäßig in Milliardengewinne umnutzen.

Buchverlage Kunsthändler und andere Blender

Wie bereits in den Achtziger Jahren die Kaufhäuser die Kunst entdeckten, um unter Ihrem Schirm Socken zu verkaufen, wachsen Literaturschmarotzer wie Pilze aus der Providerkrebszelle. Nehmen wir die Deutsche Literaturgesellschaft die sich eines seriösen Outfits bedient, die mit Tradition und namhaften Berühmtheiten wirbt. Auch die Literaturkritikerin Elke Heidenreich wurde dort ohne ihr Wissen verbraten. Die Deutsche Literaturgesellschaft Berlin hat ihren Sitz auf historischem Boden: Wo heute unser Verlagssitz ist, befand sich einst das »Romanische Café«, der berühmteste Treffpunkt der Literaten, Journalisten, Theater- und Filmleute im Berlin der Zwanziger Jahre. Ihre Werke fielen der Bücherverbrennung zum Opfer, sie selbst wurden verfolgt und mussten flüchten. In einer vielbeachteten Initiative erinnern wir in unserem Buchverlag an das Romanische Café und seine Autoren. Wir veröffentlichen die Bücher in unserer Bibliothek des Romanischen Cafés. Der hier großsprecherische genannte Verlagssitz ist nichts weiter als ein Briefkasten am Europacenter.

Ziel dieses Abzockerclubs ist es, die Leute zur Kasse zu bitten, ohne selbst ein Risiko zu tragen. 15.000,- EUR muss der Autor für eine 1000 er Auflage hinblättern, von der er nicht mal weiß, ob sie nicht im Digitaldruck gedruckt wird. Selbst wenn man denen einen Vertrag mit Karl Axxx unterschreibt, kommt die Rechnung auf dem Fuße. Auch eine Klage scheuen sie nicht. Die Anwälte werden gleich mit bedient.

Kunst Gemischtwarenläden

Besonders dreist sind die Kunstgalerienanbieter. Jeder hergelaufene Krankenpfleger, der es in seinem Beruf zu nichts gebracht hat, entdeckt nun seine Liebe zur Kunst, weil seine Mutti schon immer in ihrer Freizeit Blumen malte. Um jedes Freizeitwerk das im Schrebergarten entstand, als Kunst zu deklarieren, muss auch Beuys herhalten: Jeder Mensch ein Künstler. Eine Plattform ist da schnell eingerichtet und Darstellungssüchtige gibt es en masse. Und haben erstmal genügend Willige ihr Arbeiten eingereicht, werden sie zu Premiumabschlüssen genötigt und schon beginnt sich die Homepage zu tragen. So ganz nebenbei. Niemals hat der Möchtegerngalerist ein Bild in der Hand oder ein persönliches Wort mit dem Künstler gewechselt. Exemplarisch dafür die Seite Kunst-Leben. Ein zum größten Teil zusammengewürfelter Gemischtwarenladen auf der Eben des Kunstramsches, entwürdigend für ernst gemeinte Kunst durch Missbrauch des Begriffs. Wer dem Betreiber das sagt, wird sofort strafrechtlich und zivilrechtlich verfolgt. Also mit kleinkariertem Spießerverhalten belegt wie im Schrebergarten üblich, so kleinkariert wie die Seiten gestaltet sind: zusammengequetscht. Es stellt sich hier die Frage, ob ein Krankenpfleger die Legitimation und Qualifikation hat, Kunst per definitionem anzubieten.

Unterhaltungsfaschismus

Mit Einzug des Internet erleben wir die Freiheit des Banalen. Das Triviale macht Front, die Diktatur des Mittelmaßes ist längst führend. Und was sie auszeichnet, ist das Unverbindliche, die Berührungsarmut, die Illusion zu sein, was man nicht ist und dort zu sein, wo man nicht ist.

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