Pedro Calderon de la Barca
Die Blumen
Die hellen Funken, welche dem Beschauer,
Genährt von Strahlen, die der Sonn` entsprühten,
Wann sie versank, des Lichtes Blick vergüten,
Sie leben selbst nur eine Blumentrauer.
Nächtliche Blüten sind`s: in krankem Schauer
Ermattet bald der Glanz, von dem sie glühten:
Denn, wenn ein Tag das Alter ist der Blüten,
Ist eine Nacht der Sterne Lebensdauer.
Nach schöner Lenze schnell verwelktem Prangen
Muss unser Wohl, muss unser Weh sich färben,
Ob Sonnen unter- oder aufgegangen.
Was könnte dauerhaft der Mensch erwerben?
Was wandelbar von Sternen nicht empfangen,
Die jede Nacht geboren wieder sterben?
( Übertragung von A.W. Schlegel aus: “Gedichte des Abendlandes”, Fischer Bücherei)
Analyse
Pedro Calderon de la Barca lebte eine Generation später als Lope de Vega, also von 1600 bis 1681, entstammte einer spanischen Adelsfamilie und wurde als Junge schon Waise, kurz nachdem er mit 14 Jahren auf ein Jesuitenkolleg ging, um Priester zu werden. -
Zuerst begann er ein juristisches Studium, das er aber irgendwann abbrach, um 1620 als Marineinfanterist sich zu betätigen. Zwischendurch nahm er, der schon in der Jugend sich mit Literatur beschäftigt hatte, an einem Literaturwettbewerb teil, den er auch gewann. Lope de Vega war der Initiator und er belobigte den Gewinner geziemend. -
Dann gehen die Biografien etwas auseinander, indem einige meinen, er sei bis 1635 in der spanischen Armee tätig gewesen, andere Urkunden aber anderes berichten. Ab 1635 übernahm er jedoch nach dem Tod von Lope de Vega die Stelle eines Hofdramatikers und schrieb dann seine sehr bekannten Dramen, Fronleichnamstücke und Zarzuelas (volkstümliche Stücke), also: “Das Leben ein Traum”, “Dame Kobold” oder der “Richter von Zalamea”, um nur einige zu nennen. 1640 bis 1642 trat er einer Schar von berittenen Kürassieren bei und nahm unter dem Feldherrn Olivares an einem Feldzug gegen das aufmüpfige Katalonien teil, wobei nachher sein Edelmut in der Stadt Tarragona
gerühmt wurde. Schließlich wurde er nach dem Tode seiner Frau Franziskaner, ließ sich zum Priester weihen und gelobte, nie wieder zu schreiben, was er bis 1653 auch tat. Als Kaplan in Toledo aber begann er, sich wieder der Literatur, seiner Leidenschaft zu widmen, um wieder zu schreiben. Sein Werk ist unglaublich tiefgreifend und sehr philosophisch und kann wohl mit den Werken von Shakespeare mithalten. In der alten Hofhaltung zu Bamberg finden im Juli jeden Jahres die bekannten Calderon-Festspiele statt. -
In dem oben aufgeführten Beispiel, dem Sonett “Die Blumen” vergleicht Calderon die Gewächse, die uns Freude bereiten (und von der Sonne, den Sternen stammen!) mit uns Menschen, die wir den Sternen ebenfalls (natürlich!) viel zu verdanken haben, also Sternenkinder sind, aus Sternenmaterie eben. Calderon ist also, wie wir sehen, unglaublich modern und es hat ja auch ein Verfahren der Inquisition gegen ihn gegeben, das müssen wir dabei bedenken.
Klaus Grunenberg
Photo: birgitH, via pixelio.de
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