“Depression” auf dem Prüfstand

Ein polnischer Psychologe enthüllt: Wir haben es mit einem ökonomisch motivierten Betrug zu tun Was eine “Depression” ist, weiß eigentlich jeder. Aber was sich wirklich hinter diesem Wort verbirgt, wird wohl nicht von allen verstanden… Gebrochenes Herz, der Tod eines Nächsten oder Verlust des Arbeitsplatzes können plötzlich bewirken, dass sich

Baum_web1.jpgEin polnischer Psychologe enthüllt: Wir haben es mit einem ökonomisch motivierten Betrug zu tun

Was eine “Depression” ist, weiß eigentlich jeder. Aber was sich wirklich hinter diesem Wort verbirgt, wird wohl nicht von allen verstanden… Gebrochenes Herz, der Tod eines Nächsten oder Verlust des Arbeitsplatzes können plötzlich bewirken, dass sich in unserem Leben Trauer einnistet, Kummer, Verzweiflung, Leid Also Gefühle, die einen Menschen von Anfang an auf seinem Lebensweg begleiten.Im Frühjahr 2010 erschien auf dem polnischen Büchermarkt ein Buch von Jaroslaw Stukan*, einem Psychologen, Psychotherapeuten. Titel des Buches: “Toxische Psychologie und Psychiatrie. Depression und Selbstmord”**. Das Buch wurde schon ins Deutsche übersetzt und erscheint voraussichtlich bald auch auf dem deutschen Markt.

In diesem für den durchschnittlichen Leser einigermaßen verständlichen Werk beweist der Autor, dass die “Depression” in dem allgemein angenommenen Kontext nicht existiert und nur einen ökonomischen Betrug darstellt, wobei die sog. Antidepressiva der dritten Generation nicht als Medikamente gegen “Depression” bezeichnet werden dürften.

Nach Stukan ist das Prozedere des angeblichen “Heilens” durch die angeblichen “Antidepressiva” indirekt und/oder direkt für steigende Selbstmordraten in der Welt verantwortlich. Laut dem Autor muss also angenommen werden, dass der beobachtete und vorhergesehene Anstieg von “depressiven Erkrankungen” und die Zunahme von Selbstmorden Probleme sind, die durch die Pharmaunternehmen produziert wurden. Diese Unternehmen tragen dem Autor nach die volle Verantwortung für den Tod von zigtausend Menschen.

Klare und scharfe Worte, durch die das Buch den Leser zum Denken anregt. Anregt auch dazu, auf das Thema der Depression nicht durch das Prisma einer biologischen Krankheit zu schauen, was die Psychiatrie mit ihren Hypothesen immer suggeriert, sondern unter dem Gesichtspunkt  eines schnell  wachsenden pharmakologischen Geschäfts. Stukan belegt auf einfache Weise, dass die Einführung von solchen Krankheiten, wie “leichte” und “mittelschwere Depression” in die geltende “Klassifizierung  der psychischen Erkrankungen” (ICD-10), uns das Recht auf Leiden geraubt hat. Natürliche “Störung” (bewirkt zum Beispiel durch den Tod eines Nächsten, Trennung von einer geliebten Person, Arbeitsplatzverlust und Zukunftsängste, die damit verbunden sind) wird als “Krankheit” definiert und sofort mit chemischen Substanzen behandelt.

Was für ein Paradox?! Es reicht nicht, dass wir einen Zusammenbruch erleben. Dazu erfahren wir noch in der Praxis von “Herrn Doktor”, dass wir “psychisch krank” seien

Obwohl ich mit einigen Ansichten des Autors nicht einverstanden bin, (vor allem dann, wenn das Wort “Psychiatrie” in einem Zusammenhang mit “Professionalität” gebraucht wird), betrachte ich dieses Buch als einen wichtigen, empfehlenswerten Beitrag. Vor allem für die Leser, die leiden und noch nicht in der psychiatrischen Praxis gelandet sind. Da dieses Buch höchstwahrscheinlich bald auch auf dem deutschen Büchermarkt erscheint, bemühte ich mich um ein Gespräch mit dessen Autor.

Andrzej Skulski – Wie kam es dazu, dass endlich jemand mutig genug war und aus dem Kreis der sog. Spezialisten, deren Struktur ziemlich verkrustet ist, ausbrach und darüber geschrieben hat?

Jaroslaw Stukan – Am Anfang war ich verwirrt von dem Wissen, das jeder polnische Psychiater oder Psychologe aus der Studienzeit mit sich nimmt. Ich rede hier darüber im Kontext: Gesundheit kontra Krankheit. Weil ein Psychiater im Vergleich zu einem Psychologen ein total anderes Wissen über das emotionale Leben eines Menschen hat, um nicht zu sagen, dass er dieses Wissen gar nicht besitzt (ich rede hier über Ausbildung und nicht über persönliches Wissen).

Ich habe ca. 5 Jahre mit Kindern gearbeitet, jedoch nicht in Strukturen des Gesundheitswesens, bis ich schließlich dorthin kam. Rückblickend haben diese Jahre Arbeit in mehreren Einrichtungen der psychischen Gesundheit gereicht, dass ich auf das Gesundheitssystem und die Behandlung von “psychischen Krankheiten” und anderen damit verbundenen Problemen kritisch schauen konnte. Ich betreute zig Patienten mit verschiedenen “Störungen” und habe Diagnosen gestellt, wobei ich sie oft zum Psychiater geschickt habe. Ich habe nach den Richtlinien gearbeitet, wie es sich gehört, so wie ich ausgebildet wurde. Schließlich wurde aus der Routine eine aufmerksame Beobachtung. Es kann sein, dass meine persönlichen Erfahrungen hier Einfluss nahmen, weil zu dieser Zeit mein eigenes Leben sehr schwierig verlief und voller Leiden war. Wenn also in die Praxis oder die Klinik ein Patient kam, schaute ich auf ihn immer mehr als einen Menschen, der mit simplen Schwierigkeiten des tagtäglichen Lebens zu tun hat, bzw. mit seiner “Unvollkommenheit”, die klinisch als “Persönlichkeitsstörung”  bezeichnet wird, unzufrieden ist; aber wer ist perfekt?

Vorsehung_web1.jpgDas, was ich sage, mag für viele Psychologen seltsam erscheinen, gerade für diejenigen, die im Gesundheitswesen nicht gearbeitet haben – fast jeder, wenn er noch nicht klinisch gearbeitet hat, sieht immer in seinem Gegenüber eine Person, die Hilfe benötigt und nicht einen Kranken. Eben, “sie” wissen vieles nicht Was musste ich tun als ich eine Mutter mit Kind aufnahm, das lebendig und beweglich war und nicht in der Schulbank ruhig sitzen blieb, was nach Meinung der Lehrerin ADHS bedeutete? Was musste ich mit einer Frau machen, deren Ehemann wegging, weil ihr Zusammenleben nicht mehr klappte? Wenn die Arbeit verloren ging und man deswegen traurig war, etc? Abgesehen von all den Aktivitäten, wie psychologische Hilfe, darunter Psychotherapie, musste ich das “Klassifikationsbuch der psychischen Krankheiten” aufmachen und eine Diagnose benennen. Einfach so, weil das dazu gehört. Anders geht es nicht. Diese unglückliche Diagnose war leider zu oft die “Depression”. Leider, weil das die Menschen, die psychisch völlig gesund waren, ohne jeden Grund in die Pharmakabehandlung mit toxischen Substanzen, genannt Antidepressiva, manövrierte. Wieso? Ich hatte keine Ahnung…

Und da habe ich angefangen nachzudenken, was für die Routine nicht förderlich ist. Als zu diesen Tatsachen noch mein tiefes Interesse für das Thema “Selbstmord” hinzu kam (ich habe mehrere Jahre Suizidalpatienten geführt) ” besonders viele mit der Diagnose “Borderline” ” hatte ich schon keine Zweifel mehr, dass ich einer Gehirnwäsche unterzogen wurde. Wahrscheinlich in der subtilsten Materie der Psychologie und Psychiatrie: bei der “Depression”, habe ich solche “Lücken” entdeckt, dass man sie nicht rational füllen konnte. Das alles führte dazu, dass ich dieses Buch geschrieben habe.

Ich denke nicht, dass ich aus der Reihe tanzte. Vielmehr kehrte ich auf den richtigen Weg eines echten Psychologen zurück. Wenn man aber von “aus der Reihe tanzen” spricht, dann nur aus der klinischen Psychologie, ohne jetzt eine dieser Perversionen zu nennen, wie beispielsweise die Neuropsychologie, mit der ich mich auch beschäftigt hatte. Diese Wissenschaftsbereiche sind für mich bis heute sehr wichtig, aber ihr Zustand, der durch faule und reflektionslose Wissenschaftler kreiert wird, nach meiner Meinung sehr viel zu wünschen übrig lässt. Diese Wissenschaft und ihre Wissenschaftler sind auch im großen Maße von pathologisierender, akademischer Psychiatrie abhängig. Pathologisierend, weil sie natürliche Zustände des menschlichen Geistes als Krankheit bezeichnet und chemischer “Behandlung” unterzieht.

- Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass man bei den jungen Kollegen in diesem Bereich schon da und dort Interessierte finden kann, die den jetzigen Zustand, der in der Psychiatrie und Psychologie vor zu finden ist, kritisieren. Ich weiß auch, dass der Druck von der Seite des jetzigen Systems, dem sie ausgesetzt werden, sehr groß ist. Wie haben Ihre Fachkollegen auf Ihr Buch reagiert?

- Psychiater reagierten auf “Konsylium24.pl” (geschlossenes Ärzteforum – Anm.: A.S.). Dort habe ich zum Beispiel über die Idee gelesen, mein Buch aus den Verkaufsregalen zu ziehen und darüber, dass ich von der Arbeit im Gesundheitssystem entlassen werden soll. Dort finde ich wohl tatsächlich keine Arbeit mehr; Psychologen haben nicht reagiert. Zwei davon, die ich kenne, waren nach der Lektüre des Buches “beleidigt”. Vor allem bewegte sie die Tatsache – sie haben das falsch verstanden – dass ich angeblich die Psychologie attackieren, angreifen würde. Nichts ist weiter von der Wahrheit entfernt! Das Buch hebt in extremer Art und Weise den Berufsstatus eines jeden Psychologen an. Bitte stellen sie sich vor, dass eine ähnliche Arbeit, die ich über die “Depression” geschrieben habe, über fast jeden emotionalen Zustand, der in der Klassifizierung  ICD-10 aufgelistet ist und dort als “Störung” oder “Krankheit” bezeichnet wird, geschrieben werden kann. Hier gilt die einfache Tatsache: Ein Psychiater mit seiner Haus-Apotheken-Tasche wird hier überhaupt nicht gebraucht, nicht benötigt; ja! Er kann sogar schädlich sein.

Maskenfrau_web1.jpgIch finde keine Begründung für die Platzierung  in der “Klassifikation” von solchen Zuständen, wie Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben bei Kindern, Trennungsangst, psychomotorische Hypoaktivität, übermäßiges Essen, sog. Persönlichkeitsstörung und viele andere. Es sind keine “psychischen Störungen” und keine “psychischen Krankheiten”. Es sind Elemente unserer Kultur, die nicht nur voll von schönen, wunderschönen Kreationen ist. Sie hat auch ihre Schattenseiten. Das Erbe, das von manchen “Kranken” in sich getragen wird, ist ein Element dieser Kultur. Ein Erbe, was man von den Eltern bekommt, die die Form beeinflusst haben. Das trägt zu seinem Leiden bei. Manchmal auch zum Leid der anderen, aber keiner von diesen Zuständen ist angeboren.

Ich bin der Meinung, dass eine Klassifizierung von allen diesen Zuständen existieren müsste, die eine Alternative zu der psychiatrischen darstellt. Und da fast alle dort platzierten Zustände einen Charakter von emotionaler Disharmonie  haben, sollte sie von den Psychologen bearbeitet und betitelt werden, damit die Leute nicht in die Praxen kommen müssen, um nur zu fragen, ob sie gesund oder krank seien – persönlich hatte ich viele solche Fälle. Darüber hinaus, alle Zustände der emotionalen Disharmonie (einer permanenten oder vorübergehenden) werden mit den Methoden von psychologischer “Hilfe” geheilt (eine davon ist die Psychotherapie). Psychologie in diesem Zusammenhang ist in jeder Hinsicht völlig unabhängig von der Psychiatrie.

- Auf dem polnischen Büchermarkt ist Ihre Arbeit, die die psychiatrische (und psychologische) Praxis demaskiert, eigenartig, hat also einen außergewöhnlichen Wert. An welche Gruppe von Lesern möchten Sie mit ihrer Hilfe herankommen und was möchten Sie diesen Lesern dadurch vermitteln?

- Viele Menschen wissen um diese Tatsachen oder verstehen sie intuitiv, sind also gar nicht überrascht davon, worüber ich schreibe. Was mich von anderen Spezialisten unterscheidet, ist nur der Mut, darüber direkt sprechen und schreiben zu wollen. Meiner Auffassung nach schreibe ich über Tatsachen und bewege eine Thematik, die für einen Psychologen typisch ist – es ist mein Gebiet. Ich schreibe über einen natürlichen Zustand eines Menschen, weil nach meiner Meinung das Leiden so einen natürlichen Zustand darstellt. Und da es keine Krankheit ist, habe ich ein ganz normales Buch aus dem Bereich meiner Spezialisierung geschrieben – damit sollte darauf aufmerksam gemacht werden, wie absurd es ist, dass das natürliche Leiden keine Krankheit ist, was doch so offensichtlich ist; dabei bezeichnet jeder Psychiater, der in den Medien auftaucht, dieses natürliche Leiden als Krankheit – “Depression” – die man “unbedingt behandeln” müsse. Ist es nicht absurd? Und noch was: Macht sich zu diesem Thema überhaupt jemand Gedanken, solange er auf diese Tatsachen nicht mit Nachdruck aufmerksam gemacht wird?

Daher glaube ich nicht, jemanden überzeugen zu müssen, dass ich im Recht bin oder nicht. Ich denke, dass ich über sehr klare Dinge schreibe. Wenn hier einer jemanden überzeugen sollte, dann bestimmt nicht ich die Anderen. Eher muss die Psychiatrie die Anderen versuchen davon zu überzeugen, dass menschliches Leid eine “Krankheit” sei, so wie sie es immer tut. Vielleicht werden viele damit einverstanden sein. Ich stelle jedoch fest, dass Psychiatrie, anhand ihrer Repräsentanten, keinen vollständigen Kontakt mit der Realität besitzt. Soviel zum Meritum meines Buches.

Natürlich hat dieses Buch auch einen dunklen “Hintergrund”. Um schreiben zu können, dass das Leiden ein natürlicher Geisteszustand ist, musste ich der These widersprechen, die von klinischer Psychologie und Psychiatrie propagiert wird, dass “Depression” eine “Krankheit” sei. Einen anderen Weg gab es nicht. Zusätzlich sehe ich viele Bedrohungen seitens solcher Einstellung der Psychiatrie und Psychologie dem Leiden gegenüber, über die ich hier vielleicht nicht sprechen werde. Wenn ich aber auf die Frage direkt antworten müsste, dann möchte ich sagen:

  • Dass jedem Psychiater die Hand zittern sollte, bevor er einer leidenden Person ein Rezept verschreibt und dass er mehr Zeit für ein einfaches, menschliches Gespräch aufbringt.
  • Dass sich Psychologen ernsthaft mit Fragen der Standardisierung und Pathologie im Vergleich zu angeblichen “psychischen Störungen” befassen. Wenn man bedenkt, dass ohne Festlegung von Standards keine Pathologie feststellbar ist, hat die Psychologie eine entscheidende  Rolle zu spielen. Ich habe keine Zweifel, dass bis jetzt dieser Zweig der Wissenschaft unter diesem Gesichtspunkt zu passiv war und daher die Mitverantwortung für die heutige Situation trägt.
  • Schließlich will ich an die Patienten herantreten. Ich möchte, dass ein leidender Mensch weiß, dass er nicht krank ist, was eine “professionelle Hilfe” nicht ausschließt, die wir beim Leiden erbringen. In unseren Gedanken findet schon eine Revolution statt und es gibt jetzt schon ernste Veränderungen. Es kann sein, dass es in der Zukunft dazu kommt, dass man aufhört über “psychische Krankheiten” zu sprechen, weil es hier um nichts anderes geht, als um einfache Ehrlichkeit und gesunden Menschenverstand.

Eine Chance für dieses Buch sehe ich also mehr in der Zukunft. Die junge Generation kann den Inhalt durchaus annehmen, später könnten viele von diesen Personen Medizin oder Psychologie studieren, etc. Viele von ihnen werden Professoren sein und vielleicht dann, wenn wir nicht mehr da sind, wenn auf Basis dieses und anderer, ähnlichen Bücher, studiert wird, wird man anfangen, sie den Studenten zu präsentieren – dann ja. Das wird dann die Revolution im Denken sein.

- Und die letzte Frage: Welche Pläne haben Sie für die Zukunft? Sind andere derartige Publikationen geplant? Über eine ähnliche Thematik? Und wenn ja, welche Themenbereiche werden sie berühren?

- Ich möchte, dass ähnliche Bücher in Polen erscheinen. Ich kenne jedoch niemanden der in Polen dieses Thema so anschneidet, der kritisch auf die sog. psychischen Störungen oder das Gesundheitssystem und seine “Behandlungsmethoden” schaut. So kann man nur hoffen, dass irgendein polnischer Verleger endlich die Bücher von Thomas Szasz oder Peter Breggin in Polnisch verlegt.

Gesicht im Laub1.jpgUm auf die Frage zu antworten: Das Buch erschien nur darum, weil ich mich bei Untersuchungen des “Selbstmord”-Phänomens auf den Zustand konzentrieren musste, der damit unmittelbar zusammenhängt – dh.: auf die sog. Depression. Anfangs hatte ich also eine “ganz normale” Ansicht über “Depression” gehabt, genau die, die von jedem ausgebildeten Psychologen und Psychiater präsentiert wird. Aber dank dieser Untersuchungen, dank Erfahrungen aus der Praxis, aber auch dank der schwierigen Fragen, die man sich selbst stellt, kam ich zu den Schlussfolgerungen, die ich in diesem Buch zum Teil beschrieb. Aber die Grund-, sogar die Ausgangsfrage ist: “Inwiefern unterscheidet sich die “Depression” vom Leiden?”

Zusammenfassend: Bis vor kurzem habe ich den Selbstmord als Hauptproblem, mit dem ich mich befassen sollte, bezeichnet. Jetzt kam auch noch die Problematik von Norm und psychischer Pathologie dazu. Ich werde noch darüber schreiben. Es wird nicht sofort geschehen, weil das große Konzentration und Erweiterung des Wissenstandes verlangt. Ich denke, dass unter anderem eine Arbeit entsteht über das Thema: Psychologie des Leidens. Es wird zum Teil eine Fortsetzung der “Toxischen Psychologie und Psychiatrie” sein. Sie wird jedoch ohne kontroverse Themen erscheinen. Wie gesagt, ich werde dort die These erläutern wollen, dass das Leiden ein natürlicher Geisteszustand ist und keine “Krankheit”.

Ich habe auch daran gedacht, mehrere Bücher zu schreiben, die ähnlich sind, wie das hier Besprochene ” jedes würde dann einer bestimmten “psychischen Erkrankung” gewidmet und würde erklären, dass das keine pathologischen Zustände sind. Mit der Zeit gab ich jedoch diese Idee auf. Wenn ein ähnliches Buch erscheint, wie die “Toxische Psychologie und Psychiatrie”, dann wird es ein Buch sein, das alle psychischen, geistigen Zustände unter die Lupe nimmt, die die Psychiatrie und Psychologie als “Störungen” oder “Krankheiten” bezeichnen, womit man nicht einverstanden sein darf. Es wäre also im Grunde eine neue, psychologische Klassifizierung, in der die gleichen Geisteszustände, wie in der Psychiatrie in einer ganz anderen Art und Weise beschrieben würden – eben als nicht krankhafte Zustände. Ob ich jedoch dieses Buch schreibe, weiß ich nicht. Etwas schriftstellerische Erfahrung habe ich bereits und kann einschätzen, dass es mindestens vier Jahre dauern würde, und in so langer Zeit kann vieles passieren. Versprechen will ich also nichts, aber ich unterstreiche, ich sehe diese Problematik als sehr wichtig an, nicht nur für Psychiater und Psychologen, aber auch für die gesamte Bevölkerung. Unsere Kultur wird rückwirkend dadurch bestimmt, was wir für normal und anormal halten. Mein Buch hat eben diesen Hintergrund. Ich zeige unter anderem auf, in welch einem großen Grad wir erlauben, uns zu manipulieren, aber wir manipulieren auch die anderen. Paradoxerweise geschieht es ohne böse Absichten, es ist uns nicht einmal bewusst.

Und so in etwa kann man mein Buch zusammenfassen: Wir leben in einer Welt der Fiktion und sind daran selber schuld.

- Danke für dieses Gespräch.

Autorisiertes Interview

Das Buch wurde ins Deutsche übersetzt. Interessierte Verlage werden gebeten Kontakt mit dem Interviewautor auf zu nehmen.

*Jaroslav Stukan repräsentiert keine Organisation, keine Bewegung. Im oben genannten Buch lesen wir: “Diese Arbeit vertritt nicht den Standpunkt der Psychiatrie und Psychologie. Für den hier veröffentlichen Inhalt und die vorgestellte Sichtweise ist nur der Autor verantwortlich.” Und weiter: “Ob ich es jedoch bestreite oder nicht, dieses Buch wird einer antipsychiatrischer Strömung zugeordnet. Ich bin jedoch kein Gegner der Psychiatrie, bin aber auch kein Befürworter. Ich observiere nur kritisch das, was mich umgibt und ziehe meine Schlussfolgerungen.

** Mit Erlaubnis des Autors eine Leserprobe aus diesem Buch – Das Kapitel: “System”  (ISBN: 978-83-915222-5-7).

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