Auftakt zum Wagner Jahr: Der neue Mannheimer Ring

Den ersten November schloss das Mannheimer Nationaltheater mit seiner nun zweiten Inszenierung Wagners‘ Rheingold für die letzten elf Jahre und erteilte den Startpfiff für das Wagnerjahr 2013. Mit der Neuproduktion unter der Leitung von Generalmusikdirektor Dan Ettinger und der Regie von Achim Freyer gelang dem Mannheimer Nationaltheater sowohl eine außergewöhnliche,

3200_das_rheingold_111.jpgDen ersten November schloss das Mannheimer Nationaltheater mit seiner nun zweiten Inszenierung Wagners‘ Rheingold für die letzten elf Jahre und erteilte den Startpfiff für das Wagnerjahr 2013. Mit der Neuproduktion unter der Leitung von Generalmusikdirektor Dan Ettinger und der Regie von Achim Freyer gelang dem Mannheimer Nationaltheater sowohl eine außergewöhnliche, extravagante und surreale Produktion des Vorabends des Rings, als auch eine debattenreiche Vorstellung zu liefern.

Die Zuschauermeinung über die Vorstellung geht auch hier größtenteils auseinander. Im Mittelpunkt der Bühne eine große Scheibe, die sich zu Beginn unter den Klängen der butaforische Ur-Instrumente schwingenden, schwebenden Rheintöchter dreht. Planetoiden und Puppen, eine leuchtende Hand als Ring und ein durchsichtiger Zylinder als Tarnkappe in einem unglaublich prachtvollen Lichtspiel. All das zusammen schenkte den Zuschauern im Mannheimer Nationaltheater ein wahres Augenfest. Gegen Ende hin fielen die weißen Schalen der Bühnenbekleidung und es zeigte sich gar die kahle Bühne nach Brechts Art.

Die Vorstellung verstört so manchen Zuschauer mit der ungewöhnlichen Epatierung und zur Schau Stellung des Zwerges Alberichs als der Führer. So mag sich selbst ein orthodoxer pragmatischer Wagnerianer die Frage stellen, wo Freyer denn nun das Gold und den Rhein in dieser anmutigen Inszenierung gelassen habe. Ob fliegende Stühle überdimensional große Speere, Hammer oder symbolreiche Kostüme – all das ist nur Attrappe – verdeckt und schmückt zugleich den Realismus der Show.

Über ein Vierteljahrhundert hat Richard Wagner an seiner Tetralogie gearbeitet, in der er den mittelalterlichen Nibelungenstoff mit der nordischen Mythologie verknüpfte und damit eine Gestalt für all die ästhetischen und politischen Themen seiner Zeit schuf, denen es noch Jahrhunderte zu überstehen galt. Zeitlos so scheint es ist Wagners Werk. Der Ring des Nibelungen, oder nun auch der Mannheimer Ring, besteht aus insgesamt vier Abschnitten: Das Rheingold, Siegfried und die Götterdämmerung. In das Rheingold stiehlt der Zwerg Alberich den Rheintöchtern das Rheingold und schmiedet daraus einen Ring, der ihm unermessliche Macht verleiht. Die Riesen Fasolt und Fafner haben Wotan die Burg Walhall gebaut und verlangen die Göttin Freia, die Göttin der Fruchtbarkeit und des Frühlings, des Glücks und der Liebe, als Lohn. Nur sie allein schenkt den Göttern die ewige Jugend. Stattdessen bietet Loge den Riesen Alberichs Gold und Freia als Pfand. Wotan und Loge berauben Alberich um Gold und Ring, den er aus dem roten Rheingold schmieden lassen hat. Wotan löst die Göttin Freia mit dem Hort bei den Riesen los. Im Streit um den Hort erschlägt Fafner seinen Bruder Fasolt. Erda warnt Wotan vor dem Ring und prophezeit das jehe Ende der Götter. Am Ende deutlich zu hören – die Melodie der Walküre.

Jede Inszenierung einer Oper oder eines Schauspiels zeigt das Werk, den Autor und den Szenaristen von einer anderen Seite und somit bleibt Wagner nie Wagner selbst. Nein es war Freyer und Ettinger in seiner schlichten und doch begeisternden Form, die das Werk rekreierten.

Die Show begeistert mit Licht und Schattenspiel unter Verwendung simpelster Elemente das zu erschaffen, was nicht auf der Bühne zu stehen scheint. Die Bühne ändert sich jedoch nicht, sie dreht sich bloß, immer und immer weiter und weiter. Einmalig, herausragend und überwältigend. Lohnenswert für jeden passionierten Operngänger.

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