VDE-Studie offenbart hohe Energieeinsparpotenziale von Krankenhäusern

Deutsche Krankenhäuser könnten bundesweit jährlich ca. 600 Mio. Euro Energiekosten und dabei sechs Mio. Tonnen umweltschädliches CO2 einsparen. Zu diesem Ergebnis gelangt das neue VDE-Positionspapier “Blue Hospital”, das von einer interdisziplinär besetzten Expertengruppe der Deutschen Gesellschaft für Biomedizinische Technik im VDE erarbeitet wurde. Die Nachhaltigkeit des Gesundheitswesens ist im Rahmen

542694_R_K_B_by_Gerd Altmann_pixelio.de.jpgDeutsche Krankenhäuser könnten bundesweit jährlich ca. 600 Mio. Euro Energiekosten und dabei sechs Mio. Tonnen umweltschädliches CO2 einsparen. Zu diesem Ergebnis gelangt das neue VDE-Positionspapier “Blue Hospital”, das von einer interdisziplinär besetzten Expertengruppe der Deutschen Gesellschaft für Biomedizinische Technik im VDE erarbeitet wurde.

Die Nachhaltigkeit des Gesundheitswesens ist im Rahmen des demographischen Wandels eine der wichtigsten Herausforderungen unserer Gegenwart. Um diesen Wandlungsprozess, welcher sich insbesondere im Gesundheitsmanagement widerspiegelt, Rechnung zu tragen und ihn mit einem Begriff zu besetzen, wurde der Begriff „Blue Hospital“ eingeführt. Dahinter verbirgt sich die Kombination von Qualität, Ökonomie und Effizienz in allen Bereichen des Krankenhauses mit dem Ziel der langfristigen Wirksamkeit. Dieser Ansatz die Chance, bisher ungenutzte Einsparpotenziale auszuschöpfen, deutliche Effizienz- und Qualitätssteigerungen zu erzielen und damit den Medizintechnikstandort Deutschland nachhaltig zu stärken.

Das Spektrum der Technologien und Maßnahmen reichen dabei von klassischen Energiesparkonzepten über die Emissionsminderung bis hin zu integrierten Lösungen für den umfassenden nachhaltigen und verantwortungsvollen Umgang mit wertvollen Ressourcen. Durch das Zusammenspiel von moderner Gebäudeautomation, effizienten klinischen Pfaden und intelligenter Heizungs-, Lüftungs- und Klimatechnik, Medizintechnik sowie Informations- und Kommunikationstechnik lassen sich nicht nur Energieeinsparungen von bis zu 40 Prozent, sondern auch deutlich mehr Patientenkomfort und damit Wettbewerbsvorteile erzielen.

Die oberste Ebene und wichtigste Zielsetzung des „Blue Hospital“ Konzepts ist die Verbesserung der medizinischen Patientenversorgung bei gleichzeitiger Einbeziehung der wirtschaftlichen Effizienz des Krankenhauses als entscheidender Faktor. Um die Chance „Blue Hospital“ zu nutzen, müssen dem VDE zufolge vor allem drei Aufgaben angegangen werden: die Optimierung der Betriebsabläufe bzw. Netzwerke und der Kapazitätsauslastung, die Erneuerung und Modernisierung der Medizinprodukte sowie der informations- und kommunikationstechnischen Systeme sowie die Verbesserung der Energieeffizienz in Gebäuden. In allen drei Bereichen ist eine enge Zusammenarbeit zwischen Bauherrn, Nutzern, Architekten bzw. Betriebsorganisationsplanern und dem Personal erforderlich, um – wie von der VDE-Expertengruppe geplant – Werte für künftige Standards und Zertifikate zu erarbeiten und signifikante Verbesserungen zu erreichen.

Der VDE-Studie zufolge sind zahlreiche Krankenhäuser auch heute noch stark abteilungsbezogen und funktionsorientiert organisiert.

Die gemeinsame Nutzung von Ressourcen, ganz gleich ob es sich um Räume, Personal oder Geräte handelt, ist nicht die Regel. Dadurch bedingt entstehen insbesondere an den Abteilungsschnittstellen redundante Vorhalte- und Prozesskosten, längere Wartezeiten und unklare Verantwortlichkeiten. Traditionell wurden und werden die Handlungsweisen im Krankenhaus vom Aufnahmedruck bestimmt. Die Folge ist, dass nachlaufende Prozesse durch ad-hoc-Entscheidungen leicht unter Stress geraten. Dadurch entstehen zahlreiche Ressourcenengpässe – angefangen von Wartezeiten innerhalb der Diagnostik bis hin zur Überbuchung der OP-Kapazitäten.

Ein Engpass kommt selten allein

Ein Engpass an einer Stelle verursacht wiederum andere Engpässe im weiteren Verlauf der übergeordneten Prozesskette. Das erforderliche „trouble-shooting“ zur raschen tagesaktuellen Problemlösung führt einerseits zu erheblichem Koordinationsaufwand, andererseits zu weiteren Reibungsverlusten zwischen den beteiligten Abteilungen und Berufsgruppen.

Nach Einschätzung des VDE bedeutet der Paradigmenwechsel zu mehr Nachhaltigkeit im Gesundheitswesen für alle Beteiligten eine große Chance. So können Unternehmen der Medizintechnikbranche durch die Entwicklung effizienter Medizinprodukte, strukturierte Investitionen und neue Geschäftsmöglichkeiten ihre Marktchancen erhöhen und einen wichtigen Beitrag zur deutschen Innovationsführerschaft im Zukunftsmarkt “Blue Hospital” leisten. Auch Architekten, Krankenhausplaner, Leistungserbringer und Kostenträger bietet das Zukunftsthema wichtige Vorteile – von der Geschäftsfelderweiterung, Wettbewerbsdifferenzierung und Marktpositionierung über Energie- und Kosteneinsparungen bis hin zu Effizienz-, Qualitäts- und Imagesteigerungen.

Allerdings ist “Blue Hospital” kein Selbstläufer, warnt der VDE. Um den Paradigmenwechsel zu beschleunigen und die Chancen für das Gesundheitswesen und den Wirtschaftsstandort zu nutzen, sind aus Sicht der VDE-Experten alle Beteiligte (Architekten, Planer, Hersteller, Politik, Ärzte, Patienten, Krankenhausbetreiber und Mitarbeiter) gemeinsam gefordert. Die VDE-Empfehlungen umfassen dabei insbesondere wichtige Impulse für die Implementierung des “Blue Hospitals” um nachhaltig die Vorreiterrolle Deutschland für technologische Anwendungen im Gesundheitswesen zu sichern.

Photo: Gerd Altmann, via pixelio.de

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