BUNDESHAUSHALT

Der schwäbische Hausmann: Vom Schaffe wird koinr reich

Es ist mal grade drei Jahre her, da hatte der Reden­schreiber der Kanz­lerin ihr einen denk­wür­digen Satz für einen CDU-​Parteitag auf­ge­schrieben: „Man hätte ein­fach nur die schwä­bi­sche Haus­frau fragen sollen“, sagte Merkel damals. „Sie hätte uns eine Lebens­weis­heit gesagt: Man kann nicht auf Dauer über seine Ver­hält­nisse leben.“

"Vom Schaffe wird koinr reich", seufzt die schwä­bi­sche Haus­frau, wenn sie sich das Fami­li­en­ein­kommen anschaut. Und natür­lich hat sie recht.

"Vom Schaffe wird koinr reich", seufzt die schwä­bi­sche Haus­frau, wenn sie sich das Fami­li­en­ein­kommen anschaut. Und natür­lich hat sie recht.

Nun hat die Dame Merkel und ihr schwä­bi­scher Haus­mann, Finanz­mi­nister Schäuble, einen Bundes-​Haushalt vor­ge­legt, dessen Neu­ver­schul­dung über der des letzten Jahres liegt. Obwohl die Steu­er­ein­nahmen in 2010 gewachsen waren. Obwohl mitten in der inter­na­tio­nalen Finanz­krise ein Abbau der Staats­schulden sinn­voll wäre.

Obwohl die letzte Aus­gabe der zehn­jäh­rigen deut­schen Staats­an­leihe keiner so recht kaufen wollte. Denn der Bonität einer Bun­des­re­pu­blik, deren Schulden weiter wachsen, mag man nicht trauen. Statt dessen will die schwarz-​gelbe Koali­tion, mit Blick auf die nächste Wahlen, eine nette, kleine Steu­er­sen­kung unter die Wähler bringen. Auf Pump. Ver­steht sich.

Die zitierte schwä­bi­sche Haus­frau würde in einer sol­chen Lage sparen. Und außerdem würde sie dar­über nach­denken, wie sie ihre Ein­nahmen erhöhen könnte. Denn wäh­rend die Schulden für alle Deut­schen steigen, gibt es eine kleine, mark­tra­di­kale Min­der­heit, die immer rei­cher wird.

Seit 2002 klafft die Schere zwi­schen Arm und Reich immer weiter aus­ein­ander. Wer über das in den letzten Jahren dras­tisch gewach­sene Ver­mögen ver­fügt, der kann mit den Staats­schulden, deren Folgen im Gesund­heits– und Bil­dungs­sektor gut zu besich­tigen sind, gelassen umgehen.

Für die Mil­lionen von Hartz-​IV-​Empfängern sieht das anders aus. Wäh­rend die Haus­frau ihre Ein­nahmen nur durch mehr Arbeit — Über­stunden, Neben-​Job, Heim­ar­beit — stei­gern kann, haben Regie­rungen eine andere Mög­lich­keit: Sie erhöhen Steuern.

Warum sollten aus­ge­rechnet die Rei­chen keinen ange­mes­senen Bei­trag zum Haus­halt leisten? Immerhin war das seit Jahr­zehnten üblich: In den sieb­ziger Jahren betrug der Spit­zen­steu­er­satz noch 56 Pro­zent. Heute liegt er zwi­schen 42 und 45 Prozent.

Es war die Schröder-​Fischer-​Regierung, die den Rei­chen erst nur noch 51 Pro­zent, dann 48,5 Pro­zent und zuletzt schä­bige 42 Pro­zent zumuten wollte. Dass die Sozi­al­de­mo­kraten in einer großen Koali­tion mit der CDU dann noch die Mehr­wert­steuer von 16 auf 19 Pro­zent erhöhten, wirkte wie ein Brand­be­schleu­niger im ein­stür­zenden Haus sozialer Gerechtigkeit

Wenn jetzt der GRÜNEN-​Parteitag in Kiel einen Spit­zen­steu­er­satz von nur 49 Pro­zent ver­langt, dann ist man sich darin mit dem alten Koali­ti­ons­partner Stein­brück einig: Den Mil­lionär, das scheue Wesen, will Rot-​Grün kei­nes­falls ver­schre­cken. Trotz aller dra­ma­ti­scher Oppo­si­ti­ons­gesten: Es gibt eine übergroße Koali­tion im Bun­destag, die an den unge­rechten Ver­hält­nissen im Land nichts ändern will.

“Vom Schaffe wird koinr reich”, seufzt die schwä­bi­sche Haus­frau, wenn sie sich das Fami­li­en­ein­kommen anschaut. Und natür­lich hat sie recht. Reich wird man, wenn man mög­lichst viele andere für sich arbeiten lässt. Und super­reich dann, wenn man auf den Nie­der­gang ganzer Staaten spekuliert.

Wer sich mit seiner Haushalts-​und Steu­er­po­litik auf die Seite der Rei­chen schlägt, der kann von seinem Posten — in den Redak­tionen, der Politik und im Staats­ap­parat — immerhin gut leben.

Photo: Rainer Sturm, via pixelio.de

Kommentare

Dieser Artikel hat 2 Kommentare.

  1. “…………haben Regie­rungen eine andere Mög­lich­keit: Sie erhöhen Steuern.”

    Weil:

    Es ist nie genug Geld da, um ausstehende Schulden zu begleichen, weil alles Geld in Form von Krediten durch die Geschäftsbanken geschöpft wird, und diese nur die Kreditsumme schöpfen, aber nie die bis zur Rückzahlung des Kredits fälligen Zinsen.

    Der Staat kommt deshalb – wie alle – immer mit mehr Geld aus, aber nie mit weniger. Jeder Schuldner benötigt immer mehr Geld, das er jemand anderem abjagen muss, um die nicht mitkreierten Zinsen aufzubringen. Zinsen erfordern deshalb immer neue und weitere Kredite.

    Phase 1: Inflation. Da nun das Geld des gemeinen Bürgers weniger wert ist, muss er zur Bank gehen, um für ein Darlehen zu bitten, dass er sein Geschäft führen kann etc..

    Phase 2: Wenn die (private!!!) Zentralbank zufrieden ist, dass es genügend Bürger mit Schulden gibt da draussen, dann wird die Bank den Geldzufluss verringern, indem sie keine Darlehen offeriert.

    Phase 3: Zurückzusitzen und warten, bis die Leute genug verschuldet sind, um sie bankrott erklären zu lassen, was wiederum der Bank erlaubt, von Ihnen wirkliche Werte für Pfennige zu beschlagnahmen, Geschäfte und Wohneigentum ( und Infrastruktur wie jetzt in Grichenland) etc.

    Diese Phasen wiederholen sich immer wieder je nach “Wirtschaftraum”. Geld ist Schuldenbasiert und entsteht, (aus NICHT) dadurch, dass jemand (Privatpersonen, Firmen, Staten) ein Darlehen bei der Bank aufnimmt. Die Spareinlagen brauchen die Banken nur für “Eigenkapitalbedarf”.

  2. Die meisten Leute, die vom Wirtschaften der Schwäbischen Hausfrau reden, haben absolut keine Ahnung davon – Frau Merkel schon gar nicht.
    Deswegen etwas Aufklärung:
    Die Schwäbische Hausfrau gibt stets weniger Geld aus, als sie zur Verfügung hat. Selbst in ganz miesen Zeiten versucht sie, wenigstens ein bisschen auf die hohe Kante zu legen.
    Schulden für Konsum / Luxus zu machen ist ihr ganz und gar unvorstellbar. Allenfalls nimmt sie Schulden murrend hin, wenn z. B. eine Immobilie angeschafft werden soll, die anders nicht finanziert werden kann – also nur für bleibende Werte.
    Gilt für den Schwäbischen Hausmann übrigens genau so – ich weiß, wovon ich rede: ich bin einer …
    Hätte Frau Merkel dies verstanden, sie hätte einen gewissen Herrn Schäuble längst in die Schranken verwiesen und schon vor Jahren NULL neue Schulden geduldet. Auch hätte sie längst darauf bestanden, dass unverzüglich mit der Tilgung der von früheren Regierungen gemachten Schulden begonnen wird.