"Vom Schaffe wird koinr reich", seufzt die schwäbische Hausfrau, wenn sie sich das Familieneinkommen anschaut. Und natürlich hat sie recht.
Nun hat die Dame Merkel und ihr schwäbischer Hausmann, Finanzminister Schäuble, einen Bundes-Haushalt vorgelegt, dessen Neuverschuldung über der des letzten Jahres liegt. Obwohl die Steuereinnahmen in 2010 gewachsen waren. Obwohl mitten in der internationalen Finanzkrise ein Abbau der Staatsschulden sinnvoll wäre.
Obwohl die letzte Ausgabe der zehnjährigen deutschen Staatsanleihe keiner so recht kaufen wollte. Denn der Bonität einer Bundesrepublik, deren Schulden weiter wachsen, mag man nicht trauen. Statt dessen will die schwarz-gelbe Koalition, mit Blick auf die nächste Wahlen, eine nette, kleine Steuersenkung unter die Wähler bringen. Auf Pump. Versteht sich.
Die zitierte schwäbische Hausfrau würde in einer solchen Lage sparen. Und außerdem würde sie darüber nachdenken, wie sie ihre Einnahmen erhöhen könnte. Denn während die Schulden für alle Deutschen steigen, gibt es eine kleine, marktradikale Minderheit, die immer reicher wird.
Seit 2002 klafft die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander. Wer über das in den letzten Jahren drastisch gewachsene Vermögen verfügt, der kann mit den Staatsschulden, deren Folgen im Gesundheits– und Bildungssektor gut zu besichtigen sind, gelassen umgehen.
Für die Millionen von Hartz-IV-Empfängern sieht das anders aus. Während die Hausfrau ihre Einnahmen nur durch mehr Arbeit — Überstunden, Neben-Job, Heimarbeit — steigern kann, haben Regierungen eine andere Möglichkeit: Sie erhöhen Steuern.
Warum sollten ausgerechnet die Reichen keinen angemessenen Beitrag zum Haushalt leisten? Immerhin war das seit Jahrzehnten üblich: In den siebziger Jahren betrug der Spitzensteuersatz noch 56 Prozent. Heute liegt er zwischen 42 und 45 Prozent.
Es war die Schröder-Fischer-Regierung, die den Reichen erst nur noch 51 Prozent, dann 48,5 Prozent und zuletzt schäbige 42 Prozent zumuten wollte. Dass die Sozialdemokraten in einer großen Koalition mit der CDU dann noch die Mehrwertsteuer von 16 auf 19 Prozent erhöhten, wirkte wie ein Brandbeschleuniger im einstürzenden Haus sozialer Gerechtigkeit
Wenn jetzt der GRÜNEN-Parteitag in Kiel einen Spitzensteuersatz von nur 49 Prozent verlangt, dann ist man sich darin mit dem alten Koalitionspartner Steinbrück einig: Den Millionär, das scheue Wesen, will Rot-Grün keinesfalls verschrecken. Trotz aller dramatischer Oppositionsgesten: Es gibt eine übergroße Koalition im Bundestag, die an den ungerechten Verhältnissen im Land nichts ändern will.
“Vom Schaffe wird koinr reich”, seufzt die schwäbische Hausfrau, wenn sie sich das Familieneinkommen anschaut. Und natürlich hat sie recht. Reich wird man, wenn man möglichst viele andere für sich arbeiten lässt. Und superreich dann, wenn man auf den Niedergang ganzer Staaten spekuliert.
Wer sich mit seiner Haushalts-und Steuerpolitik auf die Seite der Reichen schlägt, der kann von seinem Posten — in den Redaktionen, der Politik und im Staatsapparat — immerhin gut leben.
Photo: Rainer Sturm, via pixelio.de
“…………haben Regierungen eine andere Möglichkeit: Sie erhöhen Steuern.”
Weil:
Es ist nie genug Geld da, um ausstehende Schulden zu begleichen, weil alles Geld in Form von Krediten durch die Geschäftsbanken geschöpft wird, und diese nur die Kreditsumme schöpfen, aber nie die bis zur Rückzahlung des Kredits fälligen Zinsen.
Der Staat kommt deshalb – wie alle – immer mit mehr Geld aus, aber nie mit weniger. Jeder Schuldner benötigt immer mehr Geld, das er jemand anderem abjagen muss, um die nicht mitkreierten Zinsen aufzubringen. Zinsen erfordern deshalb immer neue und weitere Kredite.
Phase 1: Inflation. Da nun das Geld des gemeinen Bürgers weniger wert ist, muss er zur Bank gehen, um für ein Darlehen zu bitten, dass er sein Geschäft führen kann etc..
Phase 2: Wenn die (private!!!) Zentralbank zufrieden ist, dass es genügend Bürger mit Schulden gibt da draussen, dann wird die Bank den Geldzufluss verringern, indem sie keine Darlehen offeriert.
Phase 3: Zurückzusitzen und warten, bis die Leute genug verschuldet sind, um sie bankrott erklären zu lassen, was wiederum der Bank erlaubt, von Ihnen wirkliche Werte für Pfennige zu beschlagnahmen, Geschäfte und Wohneigentum ( und Infrastruktur wie jetzt in Grichenland) etc.
Diese Phasen wiederholen sich immer wieder je nach “Wirtschaftraum”. Geld ist Schuldenbasiert und entsteht, (aus NICHT) dadurch, dass jemand (Privatpersonen, Firmen, Staten) ein Darlehen bei der Bank aufnimmt. Die Spareinlagen brauchen die Banken nur für “Eigenkapitalbedarf”.
Die meisten Leute, die vom Wirtschaften der Schwäbischen Hausfrau reden, haben absolut keine Ahnung davon – Frau Merkel schon gar nicht.
Deswegen etwas Aufklärung:
Die Schwäbische Hausfrau gibt stets weniger Geld aus, als sie zur Verfügung hat. Selbst in ganz miesen Zeiten versucht sie, wenigstens ein bisschen auf die hohe Kante zu legen.
Schulden für Konsum / Luxus zu machen ist ihr ganz und gar unvorstellbar. Allenfalls nimmt sie Schulden murrend hin, wenn z. B. eine Immobilie angeschafft werden soll, die anders nicht finanziert werden kann – also nur für bleibende Werte.
Gilt für den Schwäbischen Hausmann übrigens genau so – ich weiß, wovon ich rede: ich bin einer …
Hätte Frau Merkel dies verstanden, sie hätte einen gewissen Herrn Schäuble längst in die Schranken verwiesen und schon vor Jahren NULL neue Schulden geduldet. Auch hätte sie längst darauf bestanden, dass unverzüglich mit der Tilgung der von früheren Regierungen gemachten Schulden begonnen wird.