"Es waren für mich keine Heime, es waren ausgesprochene Zwangsanstalten oder Terrormühlen."
Sie heißen Andy B. (Name und Anschrift bekannt) nennen sich jedoch „MeaCulpa“. Wie kommen Sie zu diesem Namen?
Es ist ein Nickname, welchen ich bewusst gewählt habe. Erstens ist er im Einklang mit der katholischen Auffassung weltweit, dass alles Geschehene die Schuld der Mißbrauchten selbst, jedes Einzelnen ist; dass wir die Verführer waren. Zweitens soll dieser Nick ausdrücken, was selbst Nicht-Katholiken in den Heimen immer wieder vorgeworfen wurde: Ihr seid nichts wert, Ihr seid die Fortsetzung der ‘Erbsünde’, es ist alles Eure eigene Schuld.
Welcher Grund hat Sie nach England verschlagen?
Meine Mutter und zwei Schwestern lebten seit Kriegsende in England. Jedoch hatte ich keinen Kontakt zu ihnen hier in England, bis ich mir eine Existenz aufgebaut hatte. Die wussten noch nicht einmal, dass ich komme. Ich war nie ein Almosenempfänger, nicht von meiner eigenen Familie abhängig, auch heute nicht.
Zu meiner Zeit vor der Übersiedlung nach England muss ich ein wenig ausholen: Wenn man bedenkt, dass man für gehobene Stellungen jegliche Art von Lebensläufen ausfüllen musste, wird verständlich, dass man als ehemaliges Heimkind ohne Netz und doppelten Boden arbeitete. Es galt, die gesamte Heimzeit zu verschleiern und zu verstecken. Dieses hatte ich auch gut gemeistert, bis zur letzten Arbeitsstelle. Ein grosser Verlag in Süddeutschland, bei dem ich angestellt war, hat mir nach einigen Monaten Vertrauensbruch vorgeworfen. Die hatten herausgefunden, dass ich kein Bruder im Kloster war, sondern Heimkind. Auch, dass ich meine Kindheit nicht bei meiner Mutter in England verbrachte, usw. Nach Einschaltung eines Rechtsanwalt, wirkte sich alles zu meinem Nutzen aus.
Meine Heimzeit hat mich immer verfolgt.
Zu diesem Zeitpunkt wurde mir bewusst, dass für mich als ehemaliges Heimkind in Deutschland keine Zukunft lag. An einem Sonntag kam ich in London an. Am Montag morgen hatte ich den ersten Job, als wenn man auf mich gewartet hätte. So konnte ich zur sogenannten „Stunde Null“ ein neues Leben anfangen. Ich habe es nie bereut.
Waren Sie Heimkind in Deutschland?
Ja, für 12 lange Jahre, 9 Jahre in katholischer und 3 Jahre in staatlicher Zwangsverwahrung. Zudem musste ich als Fünfjähriger für sechs Monate in ein katholisches Altersheim. Warum, ist mir heute noch unklar; vielleicht um frühzeitig das Sterben zu lernen.
In dieser Zeit habe ich systematischen sexuellen Missbrauch, eine „Schwarze Messe“, wo man mir den Teufel austreiben wollte und natürlich die erzieherische Grundnahrung, Prügel, Prügel, Prügel bei den Katholiken erlebt.
Im staatlichen Erziehungsheim wurde ich nahezu dreimal totgeschlagen.
Sie haben sich mit dem Thema Heimkinder in der Nachkriegszeit beschäftigt. War es in allen Ihnen bekannten Heimen schlimm oder kennen Sie solche, in denen die Kinder und Jugendlichen anständig behandelt wurden?
Herr Jacob, hier darf ich sie gleich korrigieren. Es waren für mich keine Heime, es waren ausgesprochene Zwangsanstalten oder Terrormühlen.
Denn alles wurde mit Gewalt, mit Prügelstrafe durchgezogen. Oder glauben Sie wirklich, ich wollte als 12jähriger mit 2 Pferden Kartoffeln roden, oder ein Feld pflügen? Wie jeder in diesem Alter wollte ich Fussball, Handball spielen, Mühle, Dame und Mensch ärgere Dich nicht spielen. Spielen gab es nur, wenn man gut gearbeitet hat. So unterlag jegliches Tun einem brutalen Zwang.
Nach meiner Meinung unterschieden sich die Heime nur in Nuancen voneinander. Im Grunde waren alle gleich, es waren Terrormühlen, wo wir Kinder durch alle möglichen sogenannten Erziehungsmittel terrorisiert wurden. Ein Heim war schlimmer als das andere. Die Waffen der Schikanierung waren immer dieselben: Rohrstöcke, Weideruten, Rosenkränze, Schlüsselbunde, das Eckenstehen, Stillschweigen, und der gleichen. In einem Heim hatte man sogar polizeiähnliche Hartholzknüppel.
Sie sehen, dass ich leider nicht von Heimen, sondern nur von Terrormühlen sprechen kann. Ich möchte es mit der folgenden Aussage verdeutlichen. In einem Heim – ich war mittlerweile 17 Jahre – hatte man 8 richtige Gefängniszellen und einen ausgepolsterten Raum. Wenn man dort hineinkam, wurde man durch ein sogenanntes Rollkommando körperlich aufgemischt. Zu 3 Gelegenheiten haben mich Leute verkloppt, welche nicht zum Heimpersonal zählten und mir total unbekannt waren. Ich fühlte mich nach jeder dieser Folterungen dem Tode nahe, denn mit Prügel hatte es wenig zu tun; das war Folter pur.
Die Vermutung liegt nahe, dass es sich um geschultes Personal der nahe gelegenen (ein paar hundert Meter) Sicherheitsverwahrung gehandelt hat. Es ist historisch bewiesen, dass die zwei führenden Köpfe der Heimleitung schon zu Nazizeiten ihr Unwesen im Bereich der Sterilisation und Euthanasie getrieben haben und nach Kriegsende sofort wieder übernommen wurden. Dementsprechend waren die Methoden ausgerichtet. Hier wurde die totale Willensbrechung praktiziert. Meine Erlebnisse in diesem Heim sind Gegenstand einer neuen Studie einer deutschen Universität.
Wie stehen Sie zu den Empfehlungen der beiden Runden Tische?
Leute welche „nein“ meinen und mit „ja“ abstimmen, sollte man eigentlich als Handlanger der Täter-Organisationen bezeichnen. Jedoch überlasse ich das den Augen und dem Urteilsvermögen des Betrachters. Durch das „Ja“ haben diese Menschen generell den Weg verbaut, um unsere Sache auf die internationale Ebene zu bringen. Es war ein ausserordentlicher Schlag in das Gesicht jedes einzelnen ehemaligen Heimkindes. Ich lehne grundsätzlich alle Beschlüsse ab, da sie im Sinne der Täter erzielt wurden.
In welcher Form engagieren Sie sich für die Heimopfer?
Da ich durch lebenslanger Arbeit in den Medien, erst bei Verlagen, später dann in der IT-Branche, sehr gut plaziert bin, kann ich natürlich alles mit Rechnern und Netzwerken machen; das schliesst die verschiedenen Betriebssysteme ein. Ich habe schon vor längerer Zeit in verschiedenen Foren jedem Heimkind angeboten, für ihn einen eigenen Blog zu erstellen. Dieser Blog würde ihre Geschichte erzählen und von mir kostenlos betreut werden. Man kann nicht genug unterstreichen, dass diese Form der persönlichen Berichterstattung sehr wichtig ist und sehr effektiv sein kann.
Ich habe mich insbesondere für die Demo in Münster engagiert, da diese ja etwas in den Schatten geriet, durch die Demo in Bochum. Zu diesem Zweck habe ich auch einen Demo-Münster-Blog erstellt. http://heimkinder-demo-muenster.over-blog.de/
Durch meine Mitgliedschaft in SNAP, dem Internationalen Netzwerk für Überlebende von sexuellem Missbrauch bei Priestern (dieses schliesst natürlich alles ein), habe ich international viele Freunde gewonnen und mich daher den Zielen unserer Sache doch hauptsächlich international voll zur Verfügung gestellt und das nicht nur gegen die katholische Kirche. Neben Deutschland gibt es ein viel größeres Feld, welches es zu bearbeiten gilt. Denken wir nur an Irland oder im Moment an Australien. Jedoch helfe ich immer da, wo es brennt in dem dreckigen Morast, solange ich meine Hilfe von London aus bewerkstelligen kann. Auch nehme ich an Aktivitäten hier in London teil.
Um all dieses zu bewerkstelligen, benutze ich Skype mit Webcam, auch einen eigenen Chatserver und andere technische Hilfen. Des Weiteren habe ich in der Vergangenheit durch alle möglichen Websites, welche über meinen eigenen Servern laufen, auf dieses dreckige Geschäft weltweit aufmerksam gemacht, welches sich auch in Zukunft nicht ändern wird. Jedoch, wann immer meine deutschen Heimkinderkameraden meine Hilfe brauchen, bin ich bereit, diese zu leisten.
Wie sind Ihre Erfahrungen im Umgang mit anderen Heimopfern?
Man muss hier eines bedenken, nämlich dass alle ehemaligen Heimkinder im Selbsttraining das Überleben gelernt haben. Dieses macht sich insbesondere in der Forenwelt bemerkbar, ob international oder aber in den deutschen Foren.
Ich selbst war da auch kein Kind von Traurigkeit, weil ich leider immer sagen muss, was ich denke. Ansonsten wäre ich mir selbst untreu. Wenn ein neuer Tag anbricht, ist alles Schnee von Gestern für mich. Jedoch muss ich zugeben, was da manchmal abläuft, kann schon traurig wirken. Ich persönlich halte mit 3, 4 Ehemaligen, die ich sehr schätze, Kontakte.
Sollten Opfer an der Umsetzung der Empfehlungen mitwirken?
Unter keinen Umständen, da sie sich automatisch zu Werkzeugen der Täter machen. Zudem liegt keinerlei Mandat der Mehrheit der ehemaligen Heimkinder vor. Durch den Verhaltenskodex der „absoluten Schweigepflicht“, welcher in allen Verhandlungen praktiziert wurde, rudern alle im selben Boot. Das kann und darf nicht von den ehemaligen Heimkindern akzeptiert werden. Ich vertraue keinem dieser Leute, die denken, für diese Aufgabe der Mitarbeit bei der Fondsumsetzung in Frage zu kommen.
Welche persönlichen Hoffnungen speisen sich für Sie aus den Empfehlungen der Runden Tische?
Herr Jacob, es ist fair zu sagen: Absolut keine, da ich alles ablehne in der jetzigen Fassung.
Interviewer: Helmut Jacob
Zur besseren Verständlichkeit wurden die Antworten durch den Fragesteller leicht überarbeitet.
Photo: Oliver Haja, via pixelio.de

Ja, ich habe diese Gewaltätigkeit auch gesehen. Zwei Zöglinge beugten einen anderen durch Verdrehung der Arme vor, zwei andere Zöglinge fickten den abwechselnd in den Arsch, einem vorn mußte er einen Blasen, nachts: Wehe du beißt oder schreist! Als ich 1960 in Idstein ankam, nahm mir der Stubenälteste erstmal den zugeteitlen Qark weg und wegen meines Protestes bekam ich was auf die Fresse. Später unerlag ich dem nochmal und der hämmerte meinen Kopf auf die Fliesen und ich wäre tot gewesen, wenn ein Erzieher nicht eingeschritten wäre. Nach meiner zweiten Flucht, mußte ich Spießrutenlaufen, Spalier, also nackt durch eine Gasse laufen und die andern Zöglinge durften mit ihren schweren Lederschlappen draufschlagen. Wegen meiner Flucht waren alle bestraft worden. Manchmal gab es auch Erziehungsgespräche. Man wurde mit dem Erzieher Dahlmann in einem Raum gesperrt. Der holte zwei Paar Boxhandschuh aus dem Schrank, 6 Unze für sich und 12 für dich und dann durftest du dich wehren. Nach wenigen Minuten endete das meistens mit einem Leberhaken. In der Nazizeit wurde Dahlmann im Boxen dadurch bekannt. Einmal nur wars umgekehrt, der Zögling Dieter Baunach, Jugend-Hessenmeister schlug den Dahlmann nieder. Strafe: Feld und Kustallarbeit. Der Jacob hat recht, man sollte nicht nur diese Heimjammergeschichten in den Blickpunkt nehmen, sondern den prügelnden Umgang mit der Jugend damals schlechthin, wie man zu hause durch Schläge zu Zucht und Ordnung hingeprügelt wurde, wie die Erziehung darauf ausgerichtet war, einen fleissigen Steuerzahler für den Staat zurecht zu prügeln. Zehntausende Nachkriegskinder sind ja von den Eltern zur Kinderarbeit geprügelt worden, die der Staat dann zu ihrem Schutz in Heime verbrachte. Herr Jacob hat recht, die deutschen Heimzöglinge sollen höhere Entschädigungen wie die jüdischen und andere Zwangsarbeiter bekommen, überhaupt alle Kinder aus dieser Zeit, der Zeit der legitime Prügelstrafe sollen Entschädigungen bekommen. Entsprechend des Gleichbehandlungsprinzips wäre das nur gerecht.
Mea Culpa. Ein Insider weiß sofort: das ist eine Märchenmühle. Und jemand der einigermaßen Verstand hat, weiß, hier wird mit Leiden gebettelt, um für sich oder eine Interessenvertretung Geld oder Dienstleitungen abzuzocken. Und zuletzt, sein Bild ins Netz zu stellen und den Namen zu verheimlichen, das liegt auf dem Niveau von Trickbetrügern. Solange diejenigen die sich hier scheinbar altruistisch mit den Heimzöglingen beschäftigen, nicht stark machen für die Abschaffung der Zwangsarbeit im Grundgesetz, die ja die Gewalt gegen jene erlaubt, die Arbeit verweigern, kann es sich nur um Heuchler, Betrüger handeln.
Ich jedenfalls werde diesen Artikel einmal zum Anlass ffür eine Strafanzeige nehmen, um den Andy B. ermitteln zu lassen.
Ach Karl, Karl…
Wenn ich nicht in allen Punkten der gleichen Meinung bin wie Du, dann bin ich doch nicht gleich ein Heuchler oder Betrüger.
Natürlich darfst Du alle Menschen, die gegen die ehemaligen Zustände in den Kinderheimen ankämpfen und Entschädigung fordern, für Heuchler und Betrüger halten.
Wir haben endlich die Meinungsfreiheit, niemand wird dich dafür prügeln…
Der Beitrag von *Karl Nagel* ist an Dummheit und Hässlichkeiten in nichts zu überbieten. Dieser Beitrag zeigt, dass Herr Nagel hochgradig *neurotisch* ist, und sich zu Themen äussert, von den er keine Ahnung hat. Sorry für die klare Ansage, eigentlich sollte man auf solche Beiträge, wie sie von Karl Nagel abgeliefert wurden nicht reagieren…