Die Kanadier begehren gegen das Abkommen von Durban auf. (Foto: Alex Indigo/flickr)
Beim Klimagipfel in Durban hatten die Delegierten nach langen Ringen einen Fahrplan für ein neues Klimaschutz-Abkommen verabschiedet, denn das Kyoto-Protokoll von 1997 – das bislang einzige globale Klimaschutzabkommen – läuft im Jahr 2012 aus. Laut dem mehr als hundert Seiten umfassenden Paket soll das Kyoto-Protokoll fortgeschrieben werden. Das Nachfolgeabkommen soll bei der nächsten Klimakonferenz in Katar 2012 ausgearbeitet werden und 2020 in Kraft treten. Die Umsetzung ist aber noch ungewiss.
Der kanadische Umweltminister Peter Kent erklärte nur wenige Tage nach Durban vor Journalisten, das Kyoto-Protokoll sei für Kanada „ein Ding der Vergangenheit“. Sein Land mache von seinem Recht Gebrauch, sich offiziell von Kyoto zurückzuziehen. “Kyoto funktioniert nicht”, teilte Kent zur Begründung mit. “Das Kyoto-Protokoll umfasst nicht die beiden größten Emittenten, die USA und China, und kann somit nicht funktionieren”, sagte Kent.
Kent bezeichnete die Unterzeichnung des Kyoto-Protokolls als einen der größten Fehler der vorigen Regierung. „Es ist jetzt deutlich, dass Kyoto nicht der Weg hin zu einer weltweiten Lösung beim Klimawandel ist. Es ist allenfalls ein Hindernis“, erklärte der Umweltminister.
Um die Ziele unter Kyoto 2012 zu erreichen, hätte Kanada entweder jedes Fahrzeug von der Straße nehmen oder den gesamten Landwirtschaftssektor schließen und die Heizung jedes Gebäudes in Kanada kappen müssen, sagte Kent. Kanada produziere aber kaum zwei Prozent des weltweiten Treibhausgasausstoßes.
Kanada ist damit die erste Nation, die das Kyoto-Protokoll ratifiziert hat und sich vorzeitig aus dem Abkommen zurückzieht. Auch Japan und Russland hatten im vergangenen Jahr bereits angekündigt, einer Verlängerung nicht zustimmen zu wollen. Der CO2-Ausstoß steigt unterdessen weiter an. Die weltweiten CO2-Emissionen – welche als Hauptursache für die globale Erwärmung angesehen werden – sind zwischen 1990 und 2010 um 45% angestiegen und haben ein Rekordhoch von 33 Milliarden Tonnen im Jahr 2010 erreicht. Tendenz stark steigend.
Quellen
Kanada verabschiedet sich vom Kyoto-Protokoll
Forscher als Politikberater
“Der die Welt rettende Professor ist gescheitert”
Nach und nach setzt sich die Vernunft durch. Es gibt aber nach wie vor Länder, wie z. B. Deutschland, an deren Wesen mal wieder die Welt genesen soll – nur DE selber wird wohl dann am “Stock” gehen.
@ Krishna Gans
1.) Wenn Sie großflächigen Teersandabbau und dessen schlimmen Folgen als “Vernunft” definieren…..
2.) Weil ein Land aus reinen Profitgründen aus Kyoto ausschert, kann man doch nicht sagen, dass sich nach und nach Vernunft durchsetzt. Ihr Wunschdenken hat mit der Realität nichts zu tun. Nie war der internationale Konsens über das Klimaproblem so groß wie heute! Selbst noch vor Kurzem klimaskeptische Staaten sehen nun die dringende Notwendigkeit für Klimaschutz! Ist das die “Vernunft” die Sie meinen? Dann haben Sie wohl Recht, Herr Gans!
@ Michael Krüger
Das Ausscheiden Kanadas hat rein wirtschaftliche Interessen:
1.) Kandada müsste Strafzölle wegen Nichteinhalltung des Kyoto-Protokolls zahlen. So entgeht Kanada diesen Zahlungen.
2.) Kanada plant den großflächigen Abbau von Teersanden. Kyoto würde diese überaus umweltschädlichen Nutzungen ausbremsen.
http://www.klimaktiv.de/article227_12632.html
Kanada will nicht nur im eigenen Land Klimaschutz verhindern, sondern auch Fortschritte im internationalen Klimaschutz. Seit das Land durch den Abbau von Teersand zu einem der größten Öllieferanten geworden ist, spielt der frühere Vorreiter im Klimaschutz immer mehr eine destruktive Rolle, wie dies Saudi-Arabien schon lange tut. Kanada isoliert sich international. Denn in Durban hat kein Land mehr Zweifel an der Klimaproblematig und an der Notwendigkeit von Klimaschutzmaßnahmen mehr gelassen.
Die Botschaft von Kanada ist ganz simpel: Wir ziehen den kurzfristigen Profit durch umweltschädlichste großflächige Teersandproduktion der internationalen Verantwortung vor. Eine rechtsliberale klimaskeptische und lobbygeprägte Regierung in Kanada macht es möglich!
Offenbar ist genau das die Richtung, in die auch Klimaskeptiker hierzulande die Politik steuern wollen.
Aber nie war der internationale Konsens so groß, was die Anerkennung des Klimaproblems betrifft. Kanada hat sich selbst international isoliert!
Jeder Klimaskeptiker, der über die aktuelle Haltung Kandas feixt, sollte sich ernsthaft überlegen, ob der dem großflächigen Teersandabbau in Kanada unterstützt. Denn nur wegen diesem ist Kanada aus dem Kyoto-Vertrag ausgestiegen:
Knapp 80.000 Quadratkilometer Land hat allein die Regierung der Provinz Alberta inzwischen zum Abbau von Ölsand freigegeben – mehr als die Fläche des Freistaates Bayern. Um den Rohstoff aus dem Boden zu gewinnen, werden zuerst im Tagebau riesige Flächen Wald gerodet. Dann pflügen die größten Bagger der Welt die Erde um und graben nach dem bitumenhaltigen Sand.
http://www.zeit.de/2008/46/E-Teersand
http://www.zeit.de/online/2008/45/bg-teersand
http://www.dradio.de/dlf/sendungen/umwelt/1096998/
Das überrascht und erfreut mich Herr Gans,
wenn wir also mal davon ausgehen, dass Kanada seine Aussagen zu Klimawandel und Klimaschutz ernst meint und nicht einfach die letzte Gelegenheit zur Vermeidung von Strafzahlungen genutzt hat, dann sehen Sie es also als vernünftig an, dass Kanada für das Erreichen der Klimaschutzziele die Beteiligung der USA und Chinas für nötig hält, dass es begrüßt, dass China bei den Verabredungen in Durban mitmachen will und es selbst sich auch an den Zielen beteiligen will.
Ja, damit hatte ich nicht gerechnet, dass sich auch bei Ihnen die Vernunft durchsetzt
Wortverdreher am Werk.
Mit Vernunft meinte ich eigentlich “nur”
gemeint.
Alles andere ist Erfindung