KOMMENTAR

Skizze über die Eliten

Sie haben über Jahrhunderte hin Menschen und Völker geführt oder verführt. Wie der Hahn auf dem Hühnerhof haben sie sich aufgeführt, haben regiert, gekräht und dort den Hühnchen gezeigt, was Sache ist.

Sie waren Begatter, Behüter, Beschützer, ja, sie hatten wie ein Hahn das Sagen auf ihrem Hof. Und sie teilten sich auf in intelligente Eliten, Positionseliten oder in Machteliten, je nachdem, was die Natur ihnen gab oder die Eltern in geistiger Hinsicht. Aber sie hatten auch ihre Ehre und ihren Codex, der sie stützte wie die Stützstrümpfe eine Oma. -

Aber hallo: die Großmütter, sie könnten uns etwas erzählen, denke ich. Wenn sie ihre Enkel an die Hand nehmen und bis in den Kindergarten begleiten oder in die Schule und dort vielleicht fragen: Na, wie macht er sich, unser Kleiner? Und die Lehrerin murmelt: Eigentlich ist er wie immer, er ist halt unser schwarzes Schaf. Gut, diese Szene stammt aus “Schwarzes Schaf” von Ascanio Celestini, und ich sage dies gleich, denn Plagiate mag ich nicht, nein das möchte ich nicht (Hape Kerkeling). -

Ihr merkt schon, dass ich sehr vorsichtig mit Zitaten umgehe, habe da ganz schön Angst.

Weiter geht es aber mit den Eliten, die ihren Nachkommen, wenn wir jetzt mal den Adel betrachten, der ja offiziell abgeschafft wurde, aber immer noch latent wirkt, das beibrachte, was wir gerne Ehre und Anstand nennen. -

Und da sind wir beim Thema. Hier wird nämlich angeheizt, hier wird gebuhlt um verblichenes Glanzlicht, um anrauschende Eleganz, um Namen, die früher einmal groß waren und heute nur Schall sind (oder Rauch). Fragt sich nur, wer anheizt. Der Journalismus bestimmt, aber auch die, die es angeht, sie heizen tüchtig ein, eingedenk ihrer früheren Stellung vielleicht. Und es blüht die Kultur, es rauschen die Bälle, auf denen alte und neue Eliten sich tummeln und plötzlich, da steht alles still, da kommt etwas auf, etwas, das schon lange drohte, ein Geheimnis zwischen zweien oder mehreren und dann rauscht es wirklich in den Medien. -

Ja, unsere Eliten werden beobachtet. Und es hat ja auch seinen Grund. Hätten nicht seinerzeit elitäre Menschen über Krieg und Frieden verfügt, wäre alles vielleicht anders gelaufen. Ich meine die beiden letzten Weltkriege zum Beispiel, wo eigentlich immer die Vernunft zurückblieb und die anerzogene Aggressivität, manche sagen, die URSÜNDE, Vorfahrt hatte. Und auch Ian Kershaw meinte unlängst in einer Frageundantwortsendung, dass dieser unsägliche zweite Weltkrieg mit seiner Vernichtungstaktik niemals ohne willfährige Zuarbeit der sogenannten Eliten möglich gewesen wäre, was die emsige Durchführung betraf. Und das gegen alle Vorausahnung oder Vorausgewissheit, welch eine Probe für oder gegen die Intelligenz der sogenannten Eliten damals. Da haben wir es, das mit der Intelligenz. Diese schwebt bisweilen zwischen den Eliten, so scheint es.

Oder sie schlängelt sich direkt durch den Geist und den Körper hindurch, als suche sie eine gekappte Verbindung.

Vorsicht also, könnte man jetzt spätestens sagen, und Anteilnahme an denen, die sich hervortun und auf Ehre machen. Sie schauspielern oftmals schlecht, denn im Innern erkennen wir sie und wir warten nur darauf, dass die Maske fällt. Dann allerdings sind wir manchmal Zuschauer von Realsatire und Realtheater und können nur hoffen, dass der alte
Ehrencodex nicht zieht. Der nämlich war furchtbar melancholisch oftmals, doch nicht nur bei uns in Europa mit den ritterlichen Gebräuchen von Duell oder Selbstgerechtigkeit, auch zum Beispiel in Japan.

Heute übernehmen Blogger und offizielle Medien den Part des Schiedsgerichtes, aber manchmal, das ist wahr, denken wir einfach nicht an menschliches Leid, das wirklich da ist oder zugefügt wird. Zur Zeit sind bei uns in Deutschland wieder mindestens zwei Personen der politischen Öffentlichkeit oder Eliten im Zwielicht der Betrachtungen. Ich denke, wir können uns sicher ein Urteil darüber machen, wer einigermaßen ehrlich ist und wer nicht,
doch jeder von ihnen hat ein Recht auf Anteilnahme, die nicht zerstörerisch ist. Wir wollen nicht so tun, als wären wir überrascht, wenn der alte Ehrencodex doch einmal ziehen sollte, dann nämlich hätte wir Schuld auf uns geladen.

Kommentare

Schreibe den ersten Kommentar für diesen Artikel.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*