ANALYSE

Auf den Spuren der Literatur – Teil 38

Wer war Paul Fleming und was hat er uns zu sagen? Paul Fleming war ein deutscher Arzt und Schriftsteller, einer der bekanntesten Barockdichter neben Andreas Gryphius und Martin Opitz oder Grimmelshausen.

“Ein getreues Herz zu wissen” wäre die Alternative gewesen, ich meine aber, dass es einmal wertvoll war, auch die harte und im Grunde grausame Situation eines für Geld kämpfenden Söldner zu betrachten, die gibt es ja wohl heute auch noch.

“Ein getreues Herz zu wissen” wäre die Alternative gewesen, ich meine aber, dass es einmal wertvoll war, auch die harte und im Grunde grausame Situation eines für Geld kämpfenden Söldner zu betrachten, die gibt es ja wohl heute auch noch.

Paul Fleming

Lob eines Soldaten zu Fuße

Ich bin ein Mann im Feld, mein kühner Mut ist groß,
ist größer als ich selbst. Ich fürchte keinen Stoß,
ich scheue keinen Schuss. Die Liebe so zu leben
hat mir in meinen Sinn von Jugend an gegeben,
dass ich mich was versuch. Es wird nicht jedermann
zum Kriege auserkoren. Wer Pulver riechen kann,
auf Balg und Stoß besteht, nicht die Kartaunen scheuet,
der ist ein Mann wie ich; ist einer, der sich freuet,
wenn jetzt der laute Lärm mit vollen Spielen geht
und uns der kühne Feind im blanken Felde steht.
So bin auch wahrlich ich`s. Wir treuen Kameraden
stehn als für einen Mann: die schießen, jene laden.
Wir wechseln emsig um. Wir schrein einander zu,
dass keiner etwa nicht, was ihm verfänglich, tu.
Wir fechten brüderlich; der Feind wird abgehalten,
dass er, wie stark er kommt, die Ordnung nicht kann spalten.
Wir weichen keinen Schritt. Gleich wie ein jeder steht,
da fällt, da stirbt er auch. Was bleibt uns mehr zurück
um unser aller Tun, um Unglück oder Glück,
als wenn man stirbet wohl! Wohl aber sterben ist,
wenn man mit Lust, ohn` Schmerz so bald sein Blut hingießt,
gleich wie es hier geschicht. Die ritterlichen Wunden
empfängt man im Gesicht. An mir wird nicht gefunden,
dass sie am Rücken sei. Die Stürme und die Schlacht,
die gestern noch geschah, sind unser Zier und Pracht.
Die Tugend sieht so aus: Wenn dann nach vielen Streichen,
nach langer Fechtenszeit die müden Feinde weichen,
da sind wir Herren erst, da wachset uns der Mut,
der zwar nie kleine war: da kriegt man Geld und Gut,
mehr als man haben will. Wir machen frische Beute.
Das Vaterland wird froh. Wir retten Land und Leute
und machen sie auch arm, nachdem, wie`s Glück uns fällt.
Die Herren sind uns gleich, wir stehen feil ums Geld.

(Aus: “Deutsche Barocklyrik”, Reclam, leicht geändert)

Analyse

Wer war Paul Fleming und was hat er uns zu sagen? Paul Fleming war ein deutscher Arzt und Schriftsteller, einer der bekanntesten Barockdichter neben Andreas Gryphius und Martin Opitz oder Grimmelshausen. Seine kurze Lebenszeit dauerte nur von 1609 bis 1640. Nach seinem Studium der Medizin in Leipzig wurde Opitz zu seinem Vorbild. Martin Opitz hatte eine Anleitung zum Dichten das “Buch von der deutschen Poeterey” geschrieben. -

Nach einem kurzen Leben mit vielen Reisen bis nach Russland und Persien starb Paul Fleming auf der Fahrt nach Reval zu seiner Braut an einer Lungenentzündung und liegt in Hamburg begraben. Er ist der Dichter des Liedes: “Ein getreues Herz zu wissen”, das er seiner Freundin widmete, der älteren Schwester seiner Braut, die aber dann einen anderen geheiratet hat. Fleming ist ein typischer Vertreter seiner Zeit, des Barock, des 30-jährigen Krieges. In seinem hier behandelten Gedicht betrachtet er aus der Sicht eines Söldners die Welt und sagt ganz frei, was die Landsknechte denken und dass sie schließlich, wenn auch tapfer (und deutsch!) kämpfen, dies doch für jeden Dienstherren tun würden.

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Im Besonderen betrachtet, ist dieses Gedicht von Fleming, der auch “gekrönter Dichter” war, also “poeta laureatus” oder wie man später sagte:  “poeta doctus”, schon fast modern,
denn er hatte sich, wie gesagt, an Martin Opitz orientiert und wir sehen an diesem Beispiel
schon die weitere Entwicklung bis heute in der deutschen Dichtung.

Klaus Grunenberg

Photo: birgitH, via pixelio.de

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