Erste Brandanschläge 1990: Türkenladen brennt. (Foto: doccumenta)
Postwurfsendung
Erfahrung eines Deutschen
Vom Arbeitsamt da komm ich her
Und sage Euch, offene Stellen für Deutsche die gibt’s nicht mehr.
Überall auf den Stufen und Kanten
Sitzen Asylanten mit ihren Verwandten.
Und draußen vor verschlossenem Tor,
sitzen geduldig die Deutschen davor.
Und wie ich so gehe am Rathaus vorbei,
da sehe ich nur Leute aus der Türkei.
Sie feilschen und füllen mit Geld ihre Taschen,
da gucken wir dumm, wir Deutschen, wir Flaschen.
Dann fahre ich nach Hause mit dem Bus,
vor mir sitzt ein wolgadeutscher Russ.
Noch wie ich da sitz und Zeitung lese,
kommt noch ein geflohener Vietnamese.
Ich gehe nach Hause, wer steht in der Diele,
ein wohnungssuchender Schein-Asyl-Tamile.
Auch an Rente ist für uns nichts zu holen,
denn leider, wir kommen ja nicht aus Polen.
Lieber Herr Blüm, komm sei unser Gast
Und gib uns Deutschen die Hälfte von dem,
was für Asylanten und Ausländer du übrig hast.
Der Ali macht Kohle mit Drogen,
wir Deutsche wir zahlen und werden betrogen.
Und darum ist die Geschicht hier zu Ende,
denn mit Kohl und der CDU gibt’s niemals die Wende.
Dies kann nur bewirken
Die Republikaner . REP
Die neue Kraft die Ordnung schafft.
Lieber Heinz Fromm!
Bei den Fernsehsendungen um die Thüringer Neonazizelle sehe ich sie beständig als Schattenmann am Rande der Bilder. Deswegen habe ich mich an Sie erinnert. Sie wissen sicher noch, damals, Anfang der Neunziger Jahre, der Neonazi Leutnant Michael Kühnen war grade auf dem Kasseler Westfriedhof beerdigt worden, er hatte den alten General von Butlar kurz vorher noch besucht und war auch häufig Gast des Neonazis Horst Steinhof, Chef der Republikaner Kassel. Sie können sich sicher noch erinnern, dass ich ihnen von der Karadruckerei erzählte, Kara heißt ja schwarz. Da hatte ich mich ja eingeschlichen, um über die Aktivitäten der Rechten zu recherchieren. Meine Recherche wurde ja im Spiegel unter “Dicke Bündel” veröffentlicht. Ich hätte es ja professionell dabei belassen können. Aber einmal wurde fast mein Haus abgefackelt und zum andern trug ich ihnen das vor, zum Schutz von Leben von Fremdkulturen, denn die Methoden die die Rechten dort ausknobelten: Kanacken abfackeln, keine Bekennerschreiben hinterlassen, kein Logo kein Fingerabdruck wie die depperten Linken, war Ziel der Rechten. Schon Anfang der Neunziger Jahre.
Das trug ich Ihnen doch vor. Freundlicherweise schickten sie mir zwei Agenten in den Schweizer Hof, die mich anzuwerben gedachten. Das war nicht meine Absicht, meine Absicht war, Ihnen mitzuteilen, was die Zukunft der rechten Gewalt bringen könnte: brennende Häuser mit Menschen drin.
Das müssen sie übersehen haben.
Ich hatte Ihnen auch erklärt, wie die Neonazis an der Waffe üben, wie sie über die beginnenden Mailboxen Sprengstoffmixturen über Kochrezepte vertrieben.
Also, lieber Hein Fromm, irgendwas müssen Sie da nicht richtig mitbekommen haben, obwohl Sie doch um die kriminelle Energie dieser rechten Führungselite wussten. Schließlich haben Sie ja mal in dem Zuchthaus Wehlheiden gearbeitet, wo die ihre Strafen absaßen.
Ich hatte mir mal die Mühe gemacht und zusammengerechnet, wie viele Jahre Zuchthaus im Gasthaus Gaslicht am Zisselbrunnen saßen, wenn die Führungselite der Republikaner tagte: 110 Jahre rechnete ich grob zusammen. Die Polizei saß auch mit im Raum, der MAD, Juristen und viele Mittelständische.
Glücklicherweise kann ich Ihnen diesen Brief noch schreiben. Ich bin dank meiner guten Nase nicht verbrannt.
Sie werden auch sicher über soviel Empathie verfügen, wie schmerzlich es für mich war, zuzusehen, wie hier ganz kleine Leute brannten oder in den Kopf geschossen wurden ohne jemand die Einschätzung mitteilen zu können ohne als Profilneurotiker abgestempelt zu werden, wie mir das bei den GRÜNEN in Kassel passiert ist.
Also, lieber Hein Fromm, für Sie wäre es an der Zeit, einmal aus dem Schatten herauszutreten.
Sagen Sie doch einfach: Ich habe das gar nicht ernst genommen. Und schon gar nicht von einem der Vorstrafen hat.
Gruss
Kovar
Karl Heinz Nagel
Kommentare
Schreibe den ersten Kommentar für diesen Artikel.