Vaclav Havel war ein Gewinn für seine Freunde und für alle Tschechen. Und sein Tod kann diesen Gewinn nicht schmälern... (Foto: wikipedia.org)
Vaclav Havel wurde am 5. Oktober 1936 als unwissendes Kind geboren. Er ging zur Schule, machte danach eine Ausbildung als Chemielaborant, dazu ein Abitur am Abendgymnasium. Danach studierte er Wirtschaft an der Technischen Hochschule in Prag. Hat auch den Grundwehrdienst absolviert und zu der Zeit erste literarische Werke zu Papier gebracht. Danach wirkte im Theater „Am Geländer“ in Prag, zuerst als Bühnentechniker, dann als Regieassistent und Dramaturg. Parallel dazu nahm er ein Studium der Dramaturgie an der Theaterfakultät in Prag auf.
Als Mitautor der Zehn-Punkte-Proklamation, welche im Jahr 1969 erschien und die Politik der „Normalisierung“ nach dem Prager Frühling kritisierte, wurde er von der Staatssicherheit ständig beschattet und abgehört. Er wurde der Untergrabung der Republik beschuldigt. Nach dem Verbot der Ausübung künstlerischer und schöpferischer Tätigkeit wurde er einfacher Arbeiter. Und ein Dissident.
Quelle: http://www.bundestag.de/kulturundgeschichte/geschichte/gastredner/havel/havel1.html
Das Leben unter ständiger Beobachtung
… ist wie ein Leben im Rampenlicht. Das haben die Dissidenten mit den Stars gemeinsam. Die einen werden von den Paparazzis Tag und Nacht beobachtet, die anderen von der Staatspolizei. Und allein deswegen werden auch die Dissidenten schnell berühmt.
Die Staatspolizei spionierte die Dissidenten und deren Freunde in allen Lebensbereichen gewissenhaft aus. Und die Staatspolizei war wirklich gut! Sie wussten alles. Das führte oft zur Langweile bei den Beamten, weil sie über lange Zeitabstände nichts Neues erfahren konnten. Sie wussten ja bereits alles. So waren sie schon froh, wenn sie erfahren konnten, dass bei der Schreibtischlampe eines Dissidenten die Glühbirne gewechselt wurde.
Die Dissidenten hatten irgendwann nichts mehr zu verstecken. Die gängige völkische Heimlichtuerei wurde für sie überflüssig.
Einmal wurde ein schadenfroher Artikel über ein Dissidenten-Paar veröffentlicht, das auf einem Friedhof zur späten Stunde Liebe machte. Mit dem Hinweis, dass die Staatspolizei im Besitz der belastenden Aufnahmen ist. Doch veröffentlichen könnten sie die Bilder nicht, weil die Pornografie in der damaligen Tschechoslowakei strengstens verboten worden war.
Ja, die Staatspolizei versuchte mit allen Mitteln, die Dissidenten vor den Augen der Gesellschaft zu diskreditieren und sie von der Gesellschaft zu isolieren.
Ein Mensch, der sich nicht mehr isolieren lassen will
Nach der sorgfältigen Isolation als Dissident durch die Staatspolizei wollte sich Vaclav Havel nicht einmal mehr durch die Präsidenten-Würde isolieren lassen. Er besuchte weiterhin regelmäßig einen Stammtisch in Prag, an dem er sich mit verschieden Menschen traf, meistens mit Studenten. Und er quatschte mit den Menschen bis ins späten Abend.
Ja, der Stammtisch hat was für sich. Man muss bereit sein, sich zu den Gesellinnen und Gesellen zu gesellen, die an dem Stammtisch sitzen. Da kann man sich nicht mehr herausreden…
Wie schon Jesus sagte:
Nicht an deren Worten, an deren Taten sollt ihr sie erkennen.
Auf diese Weise ist z.B. auch der DeuTschechischer-Stamtisch in Pilsen entstanden.
Ist der Tod von Vaclav Havel ein Verlust?
Nein!Vaclav Havel war ein Gewinn für seine Freunde und für alle Tschechen. Und sein Tod kann diesen Gewinn nicht schmälern…
Ein einfühlsamer Bericht über einen wichtigen mitfühlenden Menschen!