Die Causa Christian Wulff ist nur die Spitze eines Eisberges - Ein Aufschrei

Verantwortung statt Resignation

Um es via Pofalla-Sprech zu sagen: Manche Fresse kann man allmählich nicht mehr sehen. Meine eigene eingeschlossen. Denn blicke ich morgens, noch immer übel gelaunt ob der peinlich-hilflosen Salami-Selbstmitleid-Taktik des sich selbst und die “Würde des Amtes” verteidigenden Noch-Bundespräsidenten Christian Wulff übel gelaunt in den Spiegel, muss auch ich mich fragen: Tue ich als Staatsbürger dieses Landes eigentlich genug, um zu helfen, die Dinge zum Besseren wenden.

Das Gebot der Stunde!

Das Gebot der Stunde!

Die Antwort: natürlich nicht! Denn ein Lied Konstantin Weckers lehrt uns bekanntlich: “Genug ist nicht genug.” Genug kann nie genügen!

Die Bundesregierung hat sich selbst übertroffen

Schließlich sind die Herausforderungen riesengroß. Schon bald nach dem Amtsantritt der schwarz-gelben Bundesregierung mutmaßte ich auf der “alten” Readers Edition, diese Berliner Koalition könnte als Regierung der nationalen Schande in die Geschichte eingehen. Die Merkel-Bundesregierung dürfte sich diesbezüglich sogar noch selbst übertroffen haben. So unbeliebt wie heute war Deutschland schon lange nicht in Europa. In der von den Banken ausgelösten Krise (bis heute wurde niemand der Verantwortlichen dafür  zur Verantwortung gezogen), stürzte u.a. in Folge der Bankenrettungen über die Steuerzahler  ganze Staaten in eine Schuldenmisere. Schnell ist man dabei nun von einer “Staatsschuldenkrise” zu sprechen. An der die Banken keine Schuld tragen?

Nun diktiert Merkel-Deutschland, Frankreichs Möchtegern-Napoleon Sarkozy dabei mit sich schleifend, Europa – dabei besonders hart die “bösen” Südstaaten – möge am deutschen (Spar-)Wesen genesen.  Die Folge dieser rigiden Austeritätspolitik dürfte eine Rezession sein. Deutschland selbst mag dieses Jahr vielleicht noch mit einer wirtschaftlichen Stagnation davonkommen. Die Exportwirtschaft auf die sich Deutschlands “Erfolge” nahezu einzig stützen, könnte schon bald schwächeln: Wer in Europa soll denn die deutschen Exporte noch bezahlen, wenn gespart wird, dass es nur so knackt? Europa steht vor einer der schwersten Krisen seit vielen Jahrzehnten.

Ein Riesenskandal. Doch uns beschäftigt der blasse Bundespräsident

All das ist ein Skandal. Sogar ein Riesen-Skandal! Aber wir müssen uns mit der Causa eines ansonsten blassen Bundespräsidenten beschäftigen, der wohl besser Provinz-Landesfürst geblieben wäre, als ausgerechnet das moralisch so hoch (übertrieben hoch?) bewertete Amt des Bundespräsidenten zu besetzen. Um nicht falsch verstanden zu werden: Sicherlich müssen das tun! Denn im Grunde ist das Kind längst in den Brunnen gefallen: Wulff hat mit seinen Ungeschicktheiten und peinlichen Fehltritten sich selbst und das Amt des Bundespräsidenten beschädigt. Offenbar bereits so stark, dass sich bereits Stimmen zu Wort melden, die der Meinung sind, dieses Amt des “Grüßaugusts” könnte der deutsche Staat sich eigentlich künftig schenken. Die wirklich wichtigen Funktionen desselben könne doch dann der Bundestagspräsident übernehmen …

Während des die Sachverhalte nicht sonderlich weiter erhellenden, eher alles noch verschlimmernden, weil von peinlichen  Selbstentschuldigungen triefenden Interview-Antworten des Bundespräsidenten auf ARD und ZDF beschlich einen das Gefühl sich nun endgültig für den bedenklich niveaulosen Zustand von herrschender Politik hierzulande  fremdschämen zu müssen.

Die Pressefreiheit und die “Bild”

Noch dazu war in puncto Pressefreiheit die “Bild”-Zeitung in Schutz zu nehmen. Auch in diesem Falle natürlich selbstverständlich einzufordern. Obwohl es sich um ein mächtiges Zentral-”Organ” in Sachen Massenverblödung eines ganzen Landes handelt. Ein Blatt, dem von Forschern bescheinigt wird, im Grunde nicht (immer)  sonderlich journalistisch zu Werke zu gehen . Krawall- und Kampagnezeitung eben.  Hauptsache die Story kurbelt den Umsatz an. Da wird schon mal gehobelt. Und da fallen Späne. Fließt Blut durch die Zeilen. Und die tägliche Tittenmaid sorgt für Entspannung oder Unterhaltung. Je nachdem.

Apropos Pressefreiheit: Wo bleibt der Mut “mächtiger Presse” bei den wirklich großen Skandalen. Wie etwa dem eingangs beschriebenen. Steht das großartige europäische Projekt nicht nah am Abgrund? Wo bleibt der mediale Aufschrei? Stattdessen: Funkstille oder Beschwichtigungen und Tuten in völlig falsche Hörner …

Wie es also in der “Bild”  zuging (und sicher noch immer in dieser [Un]art munter weiter geht), erfuhr einst der investigative Journalist Günter Wallraff, der dort verdeckt als Redakteur Hans Esser angeheuert hatte.  Um sich so sein eignes Bild zu machen. Nachzulesen ist das in “Der Aufmacher. Der Mann, der bei Bild Hans Esser war”. Wallraff wurde hinterher bedroht und beschattet bis ins Schlafzimmer hinein. Vermutlich hatte (und hat nach wie vor?) “Bild” auch einen ganz guten Draht zum BND. Ein wirklich mächtiges Organ also. Von dem sogar neulich ein Boris Becker (“Ich bin drin”) wusste: Mit dem legt man sich an…

Ist Christian Wulff tatsächlich so naiv, das nicht auch zu wissen? Fühlte er sich bei “Bild” so sicher, wie inmitten der “Maschsee-Connection”? Oder wie bei Maschmeyers in trauter Runde?

Gott, von solch Personal lassen wir uns vertreten und regieren?!

Merkels Grusel-Chaos-Kabinett ist doch auch nicht besser. Die lassen die Finanzmärkte unter sich regieren? Na, die werden schon wissen warum! Vielleicht, weil Mutti Merkel alles richtig macht für die Richtigen? Haben wir das wirklich verdient? Heißt es nicht, jedes Volk habe die Regierung, die es verdient?

Der blasse, ach so arme Wulff, ist da doch nur die Spitze eines gewaltigen Eisberges. Muss er aber trotzdem – oder gerade deswegen – weg? Muss das Ehepaar Wulff das “Ehrenwerte Haus” (Bayern 3-Comdian Chris Boetcher; köstlich!), also das Schloss Bellevue verlassen? Ich denke, es wird sich früher oder später nicht vermeiden lassen.

Demokratie ist keine einfache Sache

Wahrlich! Nur wir, das Volk, wollen wir sie denn wirklich? Manchmal frage ich mich das beim morgendlichen Blick in den Spiegel. Und mir kommen da nicht selten Zweifel. Demokratie macht freilich Mühe. Obrigkeitshörigkeit gehört endlich abgelegt, Desinteresse beiseite gelassen und Ignoranz wie Arroganz vom Platz verbannt! Demokratie heißt, sich persönlich einmischen. Die momentan regierenden Politikerinnen und Politiker haben doch das Land, seine Organe und Institutionen nicht im Besitz, mit dem sie schalten und walten können wie es ihnen oder der Lobby die sie jeweils vertreten gerade in Sinn kommt oder passt. Wir, der Souverän hat sie beauftragt, es in unser und unserem Lande Sinne, Wohl und Wehe auf Zeit möglichst gut zu regieren. Regieren ist auch Dienen. Geschieht dies nicht – und ich denke davon kann schon lange keine Rede mehr sein – sollte das Volk Bemühungen ins Werk setzen, die diesen Zustand wieder herstellen!

Freilich schwillt die Wut über die Niveaulosigkeit von regierender Politik hierzulande mehr und mehr an, nimmt das bedenklich Kopfschütteln und die Verzweiflung über den sich tagtäglich aufs Neue offenbarenden Mangel an klugen Politikpersonal im Amte allmählich zu – indes: Noch überwiegt Resignation. Dies jedoch, nach dem Motto, man könne doch sowieso nichts ändern, schreibt etwa Stéphane Hessel in seinem Büchlein “Empört euch!” ist das Schlimmste.

Resignation ist gefährlich. Wut alleine reicht nicht. Sich zu empören über etwas, das Colin Crouch als Postdemokratie  (einem Zustand in welchem wir uns wohl längst befinden; wir können es überprüfen) bezeichnet, ist dagegen ein erster notwendiger Schritt. Ein Schritt, dem ein Handeln folgen muss, soll sich etwas zum Besseren verändern. Vielmehr sollte Resignation zugunsten der Übernahme von Verantwortung weichen. Gefragt sind Staatsbürgerinnen und Staatsbürger, welche an ihrem Ort und ihrer Stelle jeweils nach ihren Möglichkeiten die Verantwortung für eine funktionierende Demokratie und ein möglichst gerechtes Staatswesen, im Sinne einer lebenswerten starken Polis zu übernehmen bereit sind.  Findet das nicht in genügendem Maße statt, bleiben uns  zwei Möglichkeiten: 1. Die Spiegel in die wir morgends als erstes zu schauen pflegen abzumontieren. 2. Üben das Gesicht zu einer Grimasse zu verziehen, die wie ein Lächeln aussieht. Wir haben die Wahl. Noch…

Passt zur Causa Wulff: Oliver Kalkofe – Die wahre Presseerklärung von Christian Wulff

Der AB von Diekmann (via WDR)

Photo/Quelle: Gerd Altmann via Pixelio.de

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kommentare

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  1. „Die momentan regierenden Politikerinnen und Politiker haben doch das Land, seine Organe und Institutionen nicht im Besitz, mit dem sie schalten und walten können wie es ihnen oder der Lobby die sie jeweils vertreten gerade in Sinn kommt oder passt.“
    Doch, haben sie, und zwar genau deshalb: „Wir, der Souverän hat sie beauftragt, es in unser und unserem Lande Sinne, Wohl und Wehe auf Zeit möglichst gut zu regieren. Regieren ist auch Dienen. Geschieht dies nicht – und ich denke davon kann schon lange keine Rede mehr sein – sollte das Volk Bemühungen ins Werk setzen, die diesen Zustand wieder herstellen!“

    Es ist nämlich völlig egal, welche Parteien die Bundesregierung bilden, ebenso ist es völlig egal, welche Parteien die Bürger wählen. Mit der Abgabe der Wählerstimmen haben die Bürger nichts anderes getan, als sich den Politikern machtlos auszuliefern. Denn egal, welche Regierungskoalition gebildet wird, die daran beteiligten Politiker/-innen haben nur eines im Sinn: sich und ihre Schäfchen ins Trockene zu bringen. Die Interessen des Volkes sind denen völlig gleichgültig. Vor der Wahl gibt es zwar tolle Statements, was die alles machen würden, aber tatsächlich sind es nur Lippenbekenntnisse.

    „Gefragt sind Staatsbürgerinnen und Staatsbürger, welche an ihrem Ort und ihrer Stelle jeweils nach ihren Möglichkeiten die Verantwortung für eine funktionierende Demokratie und ein möglichst gerechtes Staatswesen, im Sinne einer lebenswerten starken Polis zu übernehmen bereit sind.“
    Nun, dann will ich Ihnen mal erzählen, wie so ein Engagement vor Ort abläuft. Sie fangen, wenn Sie sich zum Beispiel lokal in einer Partei engagieren wollen, immer ganz klein an. Sobald Sie da einen Vorschlag machen, was man vielleicht anders oder besser machen könnte, um zum Beispiel die Bürger stärker an Entscheidungen zu beteiligen oder vorschlagen, ein Problem dem zuständigen Landtagsabgeordneten der eigenen Partei vorzutragen (weil der bessere Möglichkeiten hat, im Landesverband gehört zu werden), dies aber von den meisten anderen Parteimitgliedern und besonders vom Vorsitzenden der Ortspartei, ganz anders gesehen wird, laufen sie schon vor die Wand.

    Ist Ihnen das zweimal passiert, glauben Sie gar nicht, wie schnell sich selbst diejenigen, die sich vorher nicht so gut verstanden haben, zusammenrotten, um gegen einen vermeintlichen Störenfried vorzugehen.

    Oder wagen Sie es mal, als kleiner Pimpf in einer Partei Entscheidungen zu kritisieren. Holla, da geht aber die Post ab. Sie erkennen dann schnell, dass man in einer Partei nur eine Chance hat, wenn man mit dem Strom schwimmt und das Gemauschele mitmacht.
    Das sind eigene Erfahrungen, die mich davon überzeugt haben, dass es völlig sinnlos ist, sich politisch innerhalb einer Partei zu betätigen.

    Meine Ausführungen haben übrigens nichts mit Resignation zu tun, sondern entsprechen der Realität.

  2. Resignation

    Das trifft sicherlich auf viele Bürger zu,vor allem auf die armen Bürger und das sind locker 15 Millionen Menschen, wenn nicht mehr. Vom Niedriglöhner über Hartz IV bis hin zu den “armen” Rentnern. ( gibt ja auch reiche Rentner)

    Wir wählen- aber wir wählen nur Repräsentanten. Ich kann jedenfalls in Deutschland keine Demokratie erkennen. Demokratie ist für mich auch, das ich angehört werde bei einer Behörde, Widerspruch einreichen kann- ohne das ich “fertig” gemacht werde und ohne das ich nur aufgrund eines berechtigten Widerspruchs wie Dreck behandelt werde. Das ist alltäglich in mindestens 860 Behörden dieses Landes.

    In Deutschland sind die Bürgerrechte und Menschenrechte mit Füssen getreten, nur mit dem Unterschied, das wir frisches Wasser haben und (noch) nicht erschossen werden, wenn man auf andere Länder sieht.

    Volksbefragungen werden nicht gestattet, Abwahlen sind nicht möglich.
    Verwantwortung der Politiker- weit gefehlt. Schadensbegrenzung ist nicht möglich.

    Schlimm auch, das wir als Volk nicht informiert sind, welche Verträge geschlossen werden, die eben in XX Jahren in Kraft treten, wenn längst die nächste Regierung an der Macht ist. Was wissen wir schon, was unsere Kanzlerin in der Welt vertraglich sichert- und uns Bürger verkauft.

    Hätten wir gewusst, wie Kohl uns verkauft hat bei der Wende, wir hätten dem Mauerfall niemals zugestimmt. Und der EU erst Recht nicht.

    Also ich spüre schon jeden Tag ein klein wenig Resignation…. und Angst wenn ich an die Zukunft meiner Kinder denke… und auch wenn ich an die Altersarmut denke, denn Arbeit ist nicht in Sicht- und schon gar keine, von der man leben kann- als “kleine Frau mit 58″.

    Herzlichst, Friedoline

  3. Wulf war ein Mitglied der Jungen Union und auch Mitglied im Niedersächsischen Landtag.- Doch plötzlich erschien der, bis dato, wenig bekannte Wulff 1994, wie Kai aus der Kiste, als Landesvorsitzender??

    Es ist nur Wenigen bekannt, dass Wullff auch zu der Seilschaft des Andenpaktes gehörte, von deren Mitgliedern einige schon einen unrühmlichen Abgang aus Funktionen hatten, Koch, Pflüger, Jung usw. um nur einige zu nenen. Andere, wie Bouffier haben sich wieder in neue Ämter wählen lassen.

    Das diese Seilschaft angeblich nicht mehr existent sein soll, ist, sage nicht nur ich, zu bezweifeln.

    Pikant an der Historie von Wullf ist ein Vorfall um den ehemaligen SPD Ministerpräsidenten Glogowski. Dieser nahm wegen einer für ihn ausgerichteten Geburtstagsfeier der Stadwerke Hannover und anderer Wirtschaft, wegen des Vorwurfes der Vorteilsnahme, seinen Hut und ging.
    Die Inititive zu der ganzen Aktion ging von dem damaligen Oppositionsführer der CDU Christian Wulff aus. Wulff verstieg sich sogar dazu, die Forderung nach Kürzung der zustehenden Bezüge für einen ehemaligen Ministerpräsidenten zu stellen; ein bis dahin einmaliger Vorgang.

    Auch den Vorwurf der Vorteilsnahme gegen einen seiner derzeitigen Vorgänger, Johannes Rau, blieb nicht ohne Wulffs Einwand der Verworfenheit, wegen Johannes Raus Flugzeugaffaire.
    - Nun erfährt Wulff am eigen Leibe, wie es den Vorgenannten zumute gewesen sein mochte.

    Der Lacher des Monats wird sein: “Who’s Afraid of . . . . . ?”

    Und wie schon ein anderer CDU Fürst, wird auch ein Wullf nicht in die Annalen der Geschichte eingehen, sondern wohl eher in deren Anus.

  4. @HP Horn: Stimme Ihnen zu, was die Parteien und das Wirken in den Parteien anlangt.
    Man sieht ja gerade am Werdegang der Grünen wie bzw. wo oder als was eine Partei landen kann, die mit hehren Zielen antrat.
    Auch weiß ich wie Leute in Parteien (wie etwa d. SPD) leiden mussten und müssen, bzw. diszipliniert werden, weil sie mit Elan etwas vorwärtsbringen und verbessern wollen, damit aber nicht auf Linie liegen.
    Oft kann man auf den Gedanken kommen, die Parteien hätten sich erledigt. Mir scheint jedoch eine Demokratie kann nicht völlig auf sie verzichten.
    Aber wäre es nicht bereits ein Fortschritt, wenn es mehr plebiszitäre Elemente von Demokratie gäbe?
    Und kann man als Einzelner nicht doch etwas bewirken – allein indem man etwas unterlässt bzw. etwas tut, indem dem Mainstream der Rücken gekehrt wird?

    @Friedoline: Dass viele in Resignation versinken angesichts von Demütigungen und Zumutungen vielfältiger Art ist gut zu verstehen.
    Sind aber die Millionen zu Resignation verdammter Menschen nicht ein gewaltiges Pfund mit dem man Wuchern könnte, sprich: etwas auf die Beine stellen könnte?
    Leider fehlt eine Bündelung und Ermutigung dieses an sonsten verlorenen gesellschaftlichen Potentials. Hier versagen auch die Gewerkschaften gewaltig.
    Wir bräuchten vielmehr eine funktionierende, sich engagierende Zivilgesellschaft, die Verantwortung übernimmt.

    Ich kann nur empfehlen Stéphane Hessels “Empört euch” zu lesen!
    Waren die Bedingungen der Résistance zu Zeiten der Besetzung durch die deutschen Faschisten – zwar anders als heute – jedoch aber vom Ausgangspunkt her betrachtet ziemlich aussichtslos? Aber die Leute haben es trotzdem versucht. Unter Einsatz des Lebens.

    (Noch), sagte im vergangenen Jahr ein Gewerkschafter zu mir, müsse hierzulande niemand damit rechnen erschossen zu werden, wenn er für seine Rechte auf die Strasse geht. Und er fügte hinzu: “Wir waren in den vergangenen Jahren einfach zu lieb!”

    Auf Gedeih oder Verderb muss die demokratische Zivilgesellschaft auf die eine oder andere Weise Verantwortung übernehmen. Ansonsten steht wohl mehr auf dem Spiel als wir uns jetzt vorzustellen in der Lage sind.

    • @Claus-Dieter Stille

      “Empört euch” ist ein gutes Buch und viele Menschen empören sich auch, aber das reicht eben nicht. Aber ein Buch ist ein Buch und nur “Worte”. Es gibt sehr viele gute Bücher, auch von Goetz Werner oder anderen, die sich für etwas einsetzen. Oder Prof. Butterwegge, etc.etc.

      Nehmen wir die Hartz IV Empfänger- die meisten davon leben im Osten. Da ist schon mal eine ganz andere Mentalität und auch noch der Sozialismus in vielen Köpfen. Man kann nicht 40 Jahre Sozialismus wegdrücken in 20 Jahren- zumal die Leute dort auch kaum Chancen haben. Sie machen was der Staat sagt und fügen sich- und sie halten so gut es geht zusammen in einigen Bereichen. Mehr nicht. Wer schwarz arbeiten kann, der tut es- ich sehe es mittlerweile als “Notwehr” an.

      Normalerweise müssten jeden Tag 1000-ende H4-ler vor dem Kanzleramt stehen und demonstrieren. Und zwar- ohne, das man vorher eine Genehmigung einholt. Aber dazu sind die Menschen zu bequem? und scheuen auf jeden Fall die Konsequenzen.

      Hier wo ich wohne, interessiert das niemanden, was man mit den Unterdrückten macht. An meinem Wohnort gibt es ca. 2400 H4-ler, wobei da sehr viele ältere, wie ich ( die immer berufstätig waren ) dabei sind, und aber auch sehr viele Ausländer-die sich gar nicht trauen, etwas zu sagen. Gerade in 3 Städten meiner Umgebung sind die härtesten Jobcenter, die man sich denken kann.
      Seit 5 Jahren schreibe ich gegen Hartz IV, erkläre die Dinge, weise auf Fehler hin, schreibe Petitionen, Eingaben und Widersprüche und einiges mehr.

      In den Köpfen der Gesellschaft- vor allem bei den “gebildeten” muss sich etwas ändern, denn gerade die intelligenten Leute müssten doch kapieren, was hier los ist. Aber solange die Menschen nicht selber betroffen sind, reagieren sie nicht-oder aber was noch schlimmer ist, sie hauen in die Medienkerbe-”wer nicht arbeitet- soll auch nicht essen”
      Alle- die etwas ändern könnten, sehen weg.

      Ich habe wenig Hoffnung, das sich etwas ändert. Die Regierungen seit Schröder wissen genau, das (finanziell) arme Menschen nicht mal mehr das Geld aufbringen können, nach Berlin zu reisen oder in die nächste Großstadt, denn das Geld fehlt letztlich am Essen. Und wie wir alle wissen: ” erst kommt das “Fressen” und dann die Moral.

      Meine Verantwortung liegt darin, jeden Tag aufs neue mein Umfeld aufzuklären, gegen die Dinge anzugehen und nicht aufzugeben.
      Nur um auf der Strasse zu landen, bin ich mit 58 zu alt und auch mittlerweile zu geschwächt.

      Und was will man in diesem Land organisieren- wenn ein Bundespräsident auf unsere Kosten sein Leben finanziert, Politiker generell in die eigene Tasche wirtschaften ( ist ja nix Neues ) und was gegen Ämter tun, die ihre Macht ausüben? Widerstand geht nicht immer ohne Gewalt- das ist meine Überzeugung. Schon der Vergleich mit “Wir sind das Volk” ärgert mich immer, weil es damals eine andere Situation war. Heute würde kein Leipziger mehr auf die Strasse gehen und das rufen. Sie sind nämlich durch die Wende noch weiter unten angekommen als sie es jemals waren. Was nutzt die Reisefreiheit wenn kein Geld mehr da ist?
      Wir sind durch Kohl gesamteinheitlich verkauft worden.

      Würde es Widerstände geben, dann bin ich sicher, das man nur zu gerne die “EuroGendFor”ausprobieren würde. Vielleicht ist mal jemandem aufgefallen, das bereits bei den Castor Transporten aus der Truppe welche dabei waren. “Zum anlernen” sozusagen.

      Deutschland schafft sich ab, aber nicht wie Herr Sarrazin das meinte, sondern politisch. Mit der EU haben wir keinerlei Chancen nationale Gesetze anzugreifen bzw. deren Umsetzung zu gewähren.

      Artikel 20 GG ist ein Hohn- aber ich bin sicher, den Deutschen wird das Lachen generell noch vergehen. Mein einziger Vorteil ist, das ich in jedem Wald überleben kann. In der Gesellschaft nicht.

      Ihr letzter Absatz ist zutreffend, aber ehe sich die Deutschen gemeinsam erheben, geht ein Kamel durchs Nadeloehr.

      Herzlichst, Friedoline

  5. Passt ebenfalls zum Them (via NachDenkSeiten)

    Eine Botschaft mit nur zehn Zeichen
    Kommunikation auf elektronischen Umwegen: Manche Unionspolitiker sprechen auf Mailboxen, andere schreiben SMS – wie Karl-Theodor zu Guttenberg, der nun angekündigt hat, mit der CSU über ein mögliches Comeback 2013 zu reden. Doch seine Botschaft lässt viele Fragen offen.
    Quelle: Süddeutsche Zeitung

    Anmerkung unseres Lesers H.H.: Einem potentiellen Wahlvolk, das offenbar bereit ist, einen Betrüger mit offenen Armen in seinen Reihen wieder aufzunehmen, dem kann man nur zurufen: Ihr habt einander verdient! Dass Seehofer und die CSU-Granden offenbar genau mit dieser “Was-kümmert-mich-mein-Geschwätz-von-gestern”-Mentalität spekulieren, wirft ein bezeichnendes Schlaglicht auf den Zustand unserer Gesellschaft.

    • Ja stimmt ja alles.
      Würde die SPD hingehen und zu ihren alten Werten zurückfinden, dann brauchte auch keiner die CDU zu wählen.

      Wir kommen doch gar nicht drum herum – um eine dieser Parteien. Grün braucht man auch nicht mehr wählen, FDP hat sich erledigt- die einzigen kleinen Parteien wären die ÖDP und die Piraten- Aber auch die kriegt man nicht ohne eine “Großpartei”.

      Wenn ich wählen soll zwischen Cholera und Pest – wähle ich lieber irgndwas anderes. Aber ich brauch mich dann wenigstens nicht zu schämen.

      Mit der Wahl erreichen wir nichts mehr- und das wissen die “da oben”. Sie tüten sich die Taschen voll und das Volk wird zwangsverblödet und zwangsverrentet und zwangsverarmt.

      Wer Guttenberg zurück will, der ist sowieso nicht mehr zu retten.

  6. Und noch etwas Bedenkenswertes (via Die Zeit/NachDenkSeiten):

    Virus der Grandiosität bei Wulff, Guttenberg und Co
    Mächtige gewöhnen sich an eine Art psychischen VIP-Zustand. Der Psychologe Hans-Jürgen Wirth erklärt, wie Politiker in den Rausch eines übersteigerten Narzissmus geraten.

    …Fehler sind tatsächlich menschlich, wir alle begehen sie. Doch so, wie etwa Herr zu Guttenberg von seiner “großen Dummheit” spricht, oder Herr Wulff von seinem “großen Fehler”, scheint es sich um manipulative Versuche zu handeln, an das Mitgefühl und Verständnis des Publikums zu appellieren. Was beide nicht sagen, ist: Ich habe da mit kalkulierter Absicht gehandelt, ich habe mir eben einen Vorteil – einen verdächtig günstigen Kredit, oder mehr Ansehen über eine abgeschriebene Doktorarbeit – verschaffen wollen. Ich wusste, dass das ein Risiko enthält, und ich hätte darüber besser nachdenken sollen. Von der Dimension des absichtlichen Kalküls wollen solche Ausreden nichts preisgeben…

    Sobald der frühe Idealismus in den Rausch eines übersteigerten Narzissmus umkippt, gewöhnen sich Mächtige gern an eine Art psychischen Vip-Zustand: Ich kann mir das leisten, denn ich leiste Ungewöhnliches. Wenn auf dem Grund der Seele auch Selbstwertprobleme liegen, verführt die Macht dazu, das vor sich und anderen zu verbergen. Das Gefühl für die eigenen Grenzen schwindet…
    Wenn sich Personen, die Verantwortung tragen, amoralisch verhalten, hat das sozialpsychologische Auswirkungen. Zynismus, Resignation und eine negative Weltsicht werden gefördert. Daher wäre es falsch, all das leichtzunehmen.
    Quelle: Die Zeit

    • Diese Leute haben den völligen Realitätsverlust und denken nur noch an sich selber.

      Herr Wulff meint tatsächlich,er bleibt bis zum Ende seiner Amtszeit.( Ich befürchte, er könnte das schaffen )

      Ausgesorgt hat er so oder so. Dumm, das unsere Kanzlerin diesen Kandidaten durchgeboxt hat. Reines Parteiinteresse. Im Grunde kann man sich nur noch an die Stirn fassen.