Lynchjustiz

Hängt den Iran: Deutsche Freiheit an der Straße von Hormus

Wenn man den Deutschen morgen am Tag den Export ihrer Automobilindustrie verbieten sollte, würde der Verteidigungsminister einen seiner Lieblingssätze wiederholen: “Wir können nicht Exportnation sein, ohne auch politische Verantwortung zu übernehmen. Ein Baustein ist der Beitrag unserer Streitkräfte.” Denn 159,4 Milliarden Euro, die im letzten Jahr in diesem Sektor umgesetzt wurden, sind nicht irgendwas: Auf diese Summe zu verzichten, träfe den Nerv der deutschen Wirtschaft.

Der Krieg rückt näher. Und die freiwillig blinden deutschen Medien werden, wenn er denn begönne, erzählen, der Iran habe es ja nicht anders gewollt. (Foto: Carsten/flickr)

Der Krieg rückt näher. Und die freiwillig blinden deutschen Medien werden, wenn er denn begönne, erzählen, der Iran habe es ja nicht anders gewollt. (Foto: Carsten/flickr)

Den Nerv der iranischen Wirtschaft, deren Öl-Exporte, will die Europäische Union Ende Januar treffen: Im untertänigen Gefolge der USA soll ein Öl-Embargo gegen den Iran beschlossen werden. Denn mit dem neuen Gesetz zum Verteidigungshaushalt drohen die USA allen ausländischen Banken, auch den staatlichen Notenbanken, sie vom amerikanischen Markt auszuschließen, wenn sie mit der iranischen Zentralbank Ölgeschäfte machen. Eine Sprecherin des US-Außeninisteriums kommentierte die Folgsamkeit der Europäer: “Das zieht die Schlinge um den Iran wirtschaftlich zu.”

Offiziell zielt die Lynchjustiz der USA auf die unbewiesene Behauptung, der Iran baue Atomwaffen.

Eine nützliche Verdächtigung, die 2003 schon als Vorwand für den Irak-Krieg diente. Es ging damals um Öl, und es geht heute um Öl. Um jene knapper werdende Ressource, die wie Blut in den Adern der Industrieländer pulsiert. Einen solch bedeutenden Stoff mag die USA, mögen die europäischen Mächte nicht in der Hand eines unbotmäßigen Staates wissen. Denn der Iran, der Staat mit den zweitgrößten Ölreserven der Welt, will keineswegs immer so wie die Industrieländer wollen.

Was die westlichen Länder im Nahen Osten wollen ist eindeutig: Israel soll der einzige Atomstaat in dieser Gegend bleiben. Anders als im Fall Iran ist der Atomwaffenbesitz Israels bewiesen. Eine Drohung gegen Israel, zum Beispiel die Streichung der immensen ausländischen Subventionen, ist bisher nicht bekannt. Auch ist das Atomprogramm des israelischen Staates seltsam unkommentiert. So bleibt Israel der drohende Knüppel über den Köpfen jener nahöstlichen Länder, die eine unabhängige Außenpolitik verfolgen.

Es gibt augenscheinlich zweierlei Atomwaffen: Gute und schlechte.

Schon der Atomwaffensperrvertrag teilt faktisch die Kernwaffen in Gut und Böse auf. Einige der im Vertrag legitimierten Atom-Mächte, natürlich immer wieder auch und gern die USA, modernisieren ihre schmutzigen Arsenale und entwickeln sogar neue Waffen statt abzurüsten. Im Sperrvertrag ist auch die Weitergabe von Atomwaffen an Nichtatomwaffenstaaten verboten. Die Stationierung amerikanischer Atomwaffen, zum Beispiel in Deutschland, wird sicher unter der Rubrik gute Atomwaffen geführt. Jedenfalls wurde die vorgeblich souveräne deutsche Republik wegen dieser etwa 20 Atombomben im Fliegerhorst Büchel (Rheinland Pfalz) bisher nicht mit einem Embargo bedroht. Vielleicht, weil die Bundesrepublik, anders als der Iran, nicht als militärisch aggressiv gilt.

Seit 1990 ist Deutschland an einer wachsenden Zahl an Auslandseinsätzen beteiligt. Seit zehn Jahren sogar an einem verfassungswidrigen Krieg in Afghanistan. Das ist natürlich nichts gegen die USA, die seit 1945 auf rund 40 Kriege in anderen Ländern kommt, obwohl das Territorium der USA in dieser Zeit nie angegriffen wurde. In der selben Zeit hat der Iran einen einzigen Krieg geführt: Zur Verteidigung seines Staatsgebietes gegen den Irak. Der allerdings führte seine militärische Aggression mit freundlicher Unterstützung der USA. Damals wie heute schweigen die deutschen Mainstream-Medien über die ungleiche Verantwortungsverteilung von Angriffskriegen und Kriegsbereitschaft.

Die USA werden kurzfristig 80 Kampfjets an den, dem Iran feindlichen Nachbarn Saudi Arabien liefern. Wie selbstverständlich heizt die amerikanische Kriegsmarine die Spannungen mit dem Iran durch die Entsendung eines Flugzeugträgers in die Straße von Hormus an. In der offiziösen Zeitschrift des US-Außenministeriums “Foreign Affairs” fordert Matthew Kroenig, der bis Ende Juli 2011 Sonderberater des US-Verteidigungsministeriums war: “Es ist Zeit den Iran anzugreifen.” Der Krieg rückt näher. Und die freiwillig blinden deutschen Medien werden, wenn er denn begönne, erzählen, der Iran habe es ja nicht anders gewollt. Und wenn es hart auf hart kommen sollte, wird man lesen oder hören können, dass in der Straße von Hormus mal wieder die deutsche Freiheit verteidigt wird.

Kommentare

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  1. Volle Zustimmung!

    Aber geben Sie die Hoffnung nicht auf: Vielleicht macht Deutschland bei einem Angriffskrieg gegen den Iran ja – wie seinerzeit in Libyen – zumindest bei den Kampfhandlungen nicht mit.
    Wenn dann das iranische Regime in die Knie gebombt wurde, wird der deutsche Außenminister sicherlich wieder verkünden, das dies natürlich in erster Linie ein Verdienst unserer Zurückhaltung ist.

    Ich wünschte mir, Europa und besonders die deutsche Regierung hätte mal soviel Rückgrat, dass sie das Vorgehen der USA massiv kritisiert und auch mal was zu Israel sagt.
    Aber darauf können wir noch lange warten.

  2. die freiwillig blinden deutschen Medien?
    Daran besteht massiver Zweifel. Freiwillig? Nicht der spur. Die höchst unfreiwillig blinden deutschen Medien erfüllen lediglich Ihre Pflicht. Denen wir unseren amerikanischen Freunden gegenüber eingegangen sind. Für ihre Freundschaft mit uns. Welche unsere damalige Regierung mit der damaligen amerikanischer Regierung beschloss. Verpflichtungen, einseitig, für immer und in aller Ewigkeit. Also nicht blind, sondern frisch, fröhlich und spontan. f

  3. Es kommt Deutschland immer teurer zu stehen, daß die politisch Verantwortlichen, seit 1945 nichts getan haben, den 2. Weltkrieg zu beenden und zu einem Friedensvertrag zu kommen.

    Deutschland befindet sich immer noch im Kriegszustand, im Waffenstillstand zwar, aber im Kriegszustand.

    Das Sagen haben die Siegermächte, allen voran die USA.

    Die deutsche Politik versucht alles, dies den Deutschen zu verheimlichen.

    Dadurch ist sie zusätzlich erpressbar.

    Das erklärt alles.

  4. Wer nach Hitler-Regime, Holocaust und 2. Weltkrieg die iranische Atombombe nicht verhindert, obwohl er es kann, ist ein Verbrecher.

    siehe “Soldatinnen Gottes – Die Frauen der Hamas”

    http://livingscoop.com/watch.php?v=Nzc4

    Eine Mutter bittet die Hamas-Führung in einem Brief darum, ihren Sohn als Märtyrer sterben zu lassen. Als der Wunsch erfüllt wird, freut sie sich mit ihm auf seinen Tod. Sowas gab es nicht mal bei den Nazis oder im faschstischen Kamikaze-Japan.

    • Wer nicht einmal weiß, dass die Hamas sunnitisch und der Iran schiitisch geprägt ist, alos religiöse Gegnsätze vertreten, der ist nichts als ein Schwätzer.

      • Und wer nicht weiß, dass dass der schiitische Iran unter einer pseudo- schiitischen Diktatur steht, der hat entweder wenig Ahnung, oder manipuliert geschickt seine eigene “Argumente”:

        http://www.taz.de/!52906/
        “Auch für die Islamische Republik entpuppten sich die Pasdaran als Problem. Zunächst nur dazu bestimmt, den Revolutionsführer zu schützen, begannen sie unter der Ägide von Ajatollah Ali Chamenei damit, ihre Macht in allen Bereichen auszubauen. Chamenei, der von 1989 vom Präsidenten zum obersten Revolutionsführer aufstieg, setzte auf die Revolutionsgarden, weil er den schiitischen Klerus entmachten wollte. Denn große Teile der traditionellen Geistlichkeit standen seiner Berufung zum Revolutionsführer kritisch gegenüber, da sein theologischer Grad ihn eigentlich nicht für dieses Amt empfahl. So wurden die Pasdaran zum Staat im Staate.”

        Und wer nicht weiß, dass sich in dem Kalten Krieg im Nahen Osten eine seltsame Achse gebildet hat, die vom Iran dominiert wird, der hat entweder wenig Ahnung, oder manipuliert geschickt seine eigenen “Argumente”:
        http://www.univie.ac.at/unique/uniquecms/?p=566
        “Wie spätestens seit den Wikileaks-Veröffentlichungen im Herbst 2010 bekannt ist, bereitet ein Konflikt den Herrschern in der arabischen Welt Kopfzerbrechen: Der Kalte Krieg im Nahen Osten, der zwischen der vom Iran dominierten Achse (Syrien, Hisbollah, Hamas, zunehmend auch die Türkei) und deren Gegnern (Saudi-Arabien, Ägypten, Jordanien und die Golfstaaten) tobt.”

        • Eins ist wahr: Man wird sich dauerhaft zwischen der Achse USA (immer gut für einen Krieg den sie nicht überblicken, aber wegen Öl oder der nächsten Präsidenten-Wahl dringend führen wollen), und ihrem Lieblingspartner, der finsteren islamischen Diktatur Saudi-Arabien, und der Achse jener Staaten, die keine Lust haben sich von dieser Achse die Politik bestimmen zu lassen, entscheiden müsen.

          • Meinen Sie, man wird Partei ergreifen MÜSSEN?

            Für viele Menschen ist es beim “Dschungelcamp” viel leichter…

            Es ist schwer zu übersehen, dass die Amerikaner nicht nur in Irak keine Demokratie installieren konnten, sondern auch in Saudi Arabien nicht. Allein deswegen können viele Menschen die halbe Welt nicht verstehen.

            Und wer etwas nicht verstehen kann, der kann sich nicht entscheiden.

            Natürlich schaffen es manche Menschen TROTZDEM!!!

            Das ist aber die MEHRHEIT der Menschen, also keine Rede wert. Ich gehöre zu der Minderheit…