Vorverkauf für die 66. Ruhrfestspiele hat begonnen

Ruhrfestspiele Recklinghausen: Die Russen kommen!

Im harten Winter 1946/47 standen Hamburger Theater kurz vor der Schließung. Der Grund: Es fehlte an Heizmaterial. In größter Not machten sich zwei Theaterleute der Hansestadt auf, um ins Ruhrgebiet zu fahren. Kohle musste her.

Der Anspruch des Festivals: "Das russische Theater eröffnet uns damit einen einzigartigen Blick in die sprichwörtliche russische Seele." (Foto: Hamburger Jung/flickr)

Der Anspruch des Festivals: "Das russische Theater eröffnet uns damit einen einzigartigen Blick in die sprichwörtliche russische Seele." (Foto: Hamburger Jung/flickr)

Dass sie glücklich mit dem schwarzen Gold nach Hamburg zurückkehren konnten und die Theater wieder beheizen konnten, verdankten sie mutigen hilfsbereiten Kumpeln in Recklinghausen-Suderwich. Die versorgten die Hamburger Theaterabgesandten mit Kohle. Die wurde mehrfach an den Kontrollen der Besatzungsmacht vorbei nach Norddeutschland geschleust. Im Sommer 1947 kamen drei Staatstheater mit Inszenierungen nach Recklinghausen, um sich für die Hilfe der Kohlekumpel aus dem Pott zu bedanken. Aus dieser historischen Begebenheit entstanden die Ruhrfestspiele. Unter dem Motto: “Kohle für Kunst – Kunst für Kohle” Die Ruhrfestspiele Recklinghausen sind eines der ältesten und das grösste Theaterfestivals Europas überhaupt.

Dieses Jahr finden die nunmehr 66. Ruhrfestspiele in der Zeit vom 1. Mai bis zum 16. Juni 2012 statt.

Wie immer wird das Festival am 1. Mai mit einem grossen Kulturvolksfest rund um das Festpielhaus (Vorplatz mit Henry-Moore-Skulptur im Vordergrund und Eingang zum verglasten Foyer; Photo: Stille) auf dem “Grünen Hügel” der Stadt Recklinghausen im Stadtgarten eröffnet.

Theaterthematisch wendet sich das Festival diesmal weit nach Osten. Ein Ausruf der früher bei manchem Panik ausgelöst haben mochte dürfte bei den Besucherinnen und Besuchern der kommenden Ruhrfestspiele hier und da bestimmt Begeisterungsstürme auslösen: Die Russen kommen!

Das Motto der 66. Ruhrfestspiele lautet:

IM OSTEN WAS NEUES: Von den fernen Tagen des russischen Theaters in die Zukunft

Thematisch sicher schon einmal ein Glücksgriff! Denn: Was wäre das Theater ohne die russische Dramatik? Schließlich “leistete sie einen unverzichtbaren Beitrag für die gesamte Weltliteratur und birgt”, wie es im die Ruhrfestspiele begleitenden Textmaterial geschrieben steht, “besondere Schätze”. Also diesmal in Recklinghausen tief im Westen, entstanden im Osten, doch mal  was “Neues”?! Das Festival unter bewährter Leitung von Dr. Frank Hoffmann hat sich vorgenommen dem geneigtem Publikum in dieser Saison “die ungeheure künstlerische Vielfalt dieses dramatischen Schatzes” über interessante Inszenierungen vor Augen zu führen.

Zu diesem Behufe werden die “bedeutensten russischen Autoren in den Fokus” der Spielzeit gestellt. Was bereits in der graphischen Darstellung des diesjährigen Logos seinen Ausdruck findet. Es bildet drei grosse Köpfe der russichen Dramatik ab: Puschkin, Gogol und Tschechow. Natürlich kommen im Programm auch Dostojewski, Tolstoi und Bulgakow nicht zu kurz und deshalb auf die Bühnen. Vorgesehen sind Verwechlungskomödien, melancholische Liebesgeschichten und historische Epen. Ebenso verhandelt auf den Bühnen der insgesamt 12 Spielstätten werden “politische Grundsatzfragen”. Fehlen wird es auch nicht an “bissiger Gesellschaftssatire”.

Der Anspruch des Festivals: “Das russische Theater eröffnet uns damit einen einzigartigen Blick in die sprichwörtliche russische Seele.”

Unter den insgesamt 266 Aufführungen finden sich 80 Produktionen. Davon können 26 Produktionen als zum Schwerpunkt “Im Osten was Neues” zählend gelten. Zu sehen sein wird eine Premiere als Deutsche Erstaufführung (“Es gibt kein Ende”; Monodialoge von Anna Jablonskaja, Regie Christian Schäfer, Koproduktion Ruhrfestspiele Recklinghausen/Zimmertheater Tübingen)

Drei Deutschlandpremieren:

“Gross und Klein” von Botho Strauß (Regie: Benedict Andrews, Produktion Sydney Theatre Company in Koproduktion Ruhrfestpiele Recklinghausen/Barbican London, London 2012 Festival/Théatre de la VilleParis/Wiener Festwochen)

“Der Meister und Margarita” von Michail Bulgakow (Regie: Simon McBurney; Produktio Complicite London in Koproduktion mit den Ruhrfestspielen Recklinghausen, Barbican London, Les Théatres de la Ville de Luxembourg, Wiener Festwochen, Festival d’ Avignon in Zusammenarbeit mit Theatre Royal Plymouth)

“Das schwedische Zündholz” von Anton Tschechow (Regie: Nikita Grinshpun, Theater der Nationen Moskau)

Zwei Premieren von Inszenierungen:

“Der Revisor” von Nikolai Gogol (Regie: Frank Hoffmann; Koproduktion Ruhrfestspiele Recklinghausen, Théatre Nation du Luxembourg/Theater Bonn

“Krieg und Frieden” nach dem Roman von Leo Tolstoi (Regie: Sebastian Hartmann; Koproduktion Ruhrfestspiele Recklinghausen/Centraltheater Leipzig)

Überdies zu sehen sind von Mai bis Juni 2012 neun Premieren von Uraufführungen nichtrussischer und auch zeitgenössicher Autorinnen und Autoren. Allein 16 Koproduktionen der Ruhrfestspiele mit anderen Bühnen machen dies möglich.

Desweiteren bieten die 66. Ruhrfestspiele Recklinghausen wieder ein Open Air-Konzert, das schräge Festival FRiNGE, sowie Kabarett und Comedy u. a. mit Matthias Richling, HG Butzko und Florian Schroeder. “Russendisko”-Erfinder Wladimir Kaminer kommt ebenfalls nach Recklinghausen. Auch Lesungen etwa von Claudia Amm und Günter Lamprecht, Burghart Klaußner, Christian Brückner u.a. dürften ein interessiertes Publikum aus nah und fern finden.

Programm und Kartenerwerb

Das gesamte Programm der diesjährigen Ruhrfestspiele Recklinghausen samt Veranstaltungskalender und Informationen zu den einzelnen Inszenierungen, Regisseuren, sowie betreffs der mitwirkenden Schauspielerinnen und Schauspieler finden Sie hier.

Der Vorverkauf hat am 19. Januar 2012 begonnen. Die Eintrittskarten können übers Internet, per Telefon oder auch per Post bestellt werden. Informationen dazu finden Sie auf der Homepage der Ruhrfestspiele Recklinghausen. Auch der Direktkauf von Tickets ist über die mb Event & Entertainment GmbH Gelsenkirchen möglich. Über einen Link von den Seiten der Ruhrfestspiele Recklinghausen gelangen Sie dorthin. Ermäßigung erhalten u.a. Mitglieder der unter dem Dachverband des DGB firmierenden Einzelgewerkschaften.

Ein Tipp: Die Erfahrung lehrt, dass viele Karten zu den Veranstaltungen der Ruhrfestspiele ziemlich rasch und wie die sprichwörtlichen warmen Semmel von einem guten Bäcker weggehen. Wenngleich man auch Glück haben kann und im Mai oder Juni vor Beginn auch von begehrten Theatervorstellungen noch die eine oder andere Karte zu erhaschen. Aber wer will schon in dieser Ungewißheit zum Recklinghäuser “Grünen Hügel” hinaufeilen? In dem Fall gilt, wer zuerst klickt, schläft ruhiger bis Mai oder Juni. Wenn es dann endlich heißt: Die Russen kommen!

 

 

 

 

 

 

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