ANALYSE

“Die Kinderhexe”, von Roman Rausch,Taschenbuch rororo

Nichts gegen historische Romane und vor allem nichts, wenn es sich um regionale Bezüge handelt, auch wenn die Inhalte sich decken mit ähnlichen Vorkommnissen hier und dort.

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Doch im 17. Jahrhundert war es vor allem die Gegend um Bamberg und Würzburg, wo ein besonderer Wahn herrschte, den wir mit der Bezeichnung Hexenwahn zu umschreiben pflegen und der doch Gründe hatte, Ursprünge sozusagen, die wohl in der Erziehung zu abhängigen Menschen zu suchen wären, um es einmal vorsichtig so zu benennen. Gut, so mag es von oben herab klingen, von heute aus betrachtet und darum ist es besonders wertvoll, dass Roman Rausch sich dieser Sache annimmt mit der gebotenen Vorsicht und Unnachsichtigkeit, die einem großen Schriftsteller anstehen. -

Ich betreibe diese Auszeichnung eines großen Schriftstellers in der Überzeugung, dass in der “Kinderhexe” ein historischer Roman entstanden ist, der schockiert und zugleich Wahrheiten beinhaltet, also warnt und aufklärt. -

Mit Leonhard Frank hatten die Franken einen herausragenden Autor, mit Roman Rausch wächst, so scheint es, eine ähnliche Größe heran. Ist die Protagonistin Kathi in diesem Buch auch (nur!) ein Kind, so wird doch deutlich herausgearbeitet, wie aus dieser Sicht (nur die Kindersicht bewahrt etwas von Astralem, auch wenn fürchterliche Dinge passieren!) schon die damalige Zeit verdorben war gerade aber wegen der Sitten, die als fromm, züchtig usw. galten und als Erziehungsziel dienten.  -

Hunger, Ausbeutung, Auslieferung an Erziehern (wegen einer “besseren” Zukunft!), Stockhiebe und  dazu das “Pater noster”- Gebet (Latein zum Abgewöhnen!), Denunziation von Erwachsenen und sogar von Kindern, Folterszenen und Hinrichtungen (teilweise mit Miterlebungspflicht der Bevölkerung), dass es einen graust, das alles wird zu einem Reigen der Erschütterung gebunden. -

Wir kennen die Namen der bekanntesten drei Bischöfe der damaligen Zeit aus Würzburg und Bamberg, es ist nicht unbedingt nur eine Ehre, meine ich, als deren Nachfolger die Nase hoch zu tragen. Auch heute noch stünde eine Entschuldigung für furchtbares  Leid, auch wenn es vor Zeiten geschah, gut zu Gesicht, wäre nicht verkehrt. Doch, da sei der Teufel (!) davor: es wäre doch gelacht, wenn es nicht mit dem Exorzismus weiterginge, dafür wird wohl weiterhin gesorgt, wenn man dem Autor Glauben schenken mag, der anlässlich einer Lesung zu diesem Buch in Gerolzhofen (einem ehemaligen Hauptgerichtsort im frühen 17. Jahrhundert!), warnend darauf hinwies, zu Recht, meine auch ich. Dieses Buch muss deshalb erschüttern, es sollte eine Diskussion entfachen, denn die Menschen heutzutage dürfen sich nicht wieder in die fürchterlichen Fänge des Mittelalters treiben lassen.

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